Non-Hodgkin-Lymphom

Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ist ein Begriff für eine heterogene Gruppe von malignen Lymphknotenvergrößerungen bzw. Wucherungen lymphatischen Gewebes (Lymphomen), die sich nicht als Hodgkin-Lymphome einordnen lassen.

-> Vergleiche auch: Hodgkin-Lymphom


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Histologie und Typen


Übersicht der Einteilung nach Malignität und Zuordnung der Lymphozyten :

  • niedrig maligne NHL (dominieren im Alter)
  • niedrig maligne B-Zell-Lymphome
  • niedrig maligne T-Zell-Lymphome
  • hochmaligne NHL (dominieren in der Jugend)
  • hoch maligne B-Zell-Lymphome
  • hoch maligne T-Zell-Lymphome

Weitere Unterteilungen nach differenzierter histologischer und histochemischer Untersuchung :

Zu den niedrigmalignen NHL, die aus B-Zellen hervorgehen gehören

Zu den niedrigmalignen NHL, die aus T-Zellen hervorgehen gehören

  • die chronische lymphatische T-Zell-Leukämie (T-CLL)
  • Mukosis fungoides
  • Sézary-Syndrom
  • andere Lymphomtypen

Zu den hochmalignen NHL, die aus B-Zellen hervorgehen, gehören

  • das Burkitt-Lymphom
  • immunoblastisches NHL
  • andere Lymphomtypen

Zu den hochmalignen NHL, die aus T-Zellen hervorgehen, gehören

  • das immunoblastisches NHL
  • andere Lymphomtypen

Ätiopathogenese


Die Ursache des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) ist weitgehend ungeklärt. Wie beim Morbus Hodgkin scheint eine genetische Disposition (familiäre Häufung) zu bestehen. Die verantwortlichen genetischen Annomalien sind weitgehend unbekannt. Es wird vermutet, dass ein genetischer Polymorphismus des DNA-Reparaturgens XRCC1 (X-ray repair cross-complementing group 1) (Arg194Trp SNP) zu einem erhöhten NHL-Risiko beiträgt 1) Eur J Med Genet. 2016 Feb;59(2):91-103.

Für die Auslösung eines Non-Hodgkin-Lymphoms sind möglicherweise eine Virusinfektion und zudem eine immunologische Abwehrschwäche verantwortlich. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) und AIDS scheinen eine pathogenetische Rolle zu spielen. Das in Afrika bekannte Burkitt-Lymphom ist EBV-assoziiert. Nach der Chemotherapie eines Morbus Hodgkin kann sich ein NHL als Zweittumor entwickeln.

Auch ist ein Polymorphismus inflammatorischer Response-Gene (TLR9, IL4, TAP2, IL2RA, FCGR2A, TNFA, IL10RB, GALNT12, IL12A and IL1B), also von Genen, die die Entzündungsreaktionen des Körpers beeinflussen, mit dem Risiko eines NHL assoziiert 2)PLoS One. 2015 Oct 8;10(10):e0139329. doi: 10.1371/journal.pone.0139329..

Klinik

Symptome: Sie sind unspezifisch. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Fieber. Wenn solche Symptome vorliegen, werden sie im Zusammenhang mit dem Verdacht auf eine Tumorerkrankung als B-Symptomatik bezeichnet.

Unspezifische Bauchbeschwerden können durch paraaortale und mesenteriale Lymphome bedingt sein; eine Sonographie des Abdomens macht auf den Befund aufmerksam.

Lymphome Nierenzyste Gallenstein CT 002

Paraaortale Lymphome (gelb) als Ursache unbestimmter Bauchbeschwerden. Der Tonnenstein in der Gallenblase (türkis) und die große Nierenzyste (rot) sind Nebenbefunde. Die Histologie einer Gewebeprobe (CT-gestützt durch Punktion entnommen) ergab ein NHL.

 

Klinischer Untersuchungsbefund: Es finden sich Lymphknotenschwellungen (Hals, Achseln, Supraklavikulargruben, Leisten), evtl. eine Hepatomegalie und Splenomegalie (Hepatosplenomegalie). Bei Befall können die Rachenmandeln vergrößert sein. In einigen Fällen findet sich der Primärherd in intestinalem Gewebe (MALT-Lymphom, Lymphom im Mukosa-assoziierten lymphoiden Gewebe), worauf man z. B. durch unspezifische intestinale Beschwerden stößt, die zu einer Endoskopie veranlassen.

Klinische Einteilung

Die klinische Einteilung richtet sich wie die des Hodgkin-Lymphoms nach der Ann-Arbor-Klassifikation:

Stadium
I Befall nur einer Lymphknotenregion
II Mehrere Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells
III Lyphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells
IV Zusätzlicher Befall extralymphatischer Organe oder Gewebe (Leber, Knochenmark, Lungen etc)

Diagnostik

Diagnosesicherung: Die Diagnostik verläuft im wesentlichen wie beim Morbus Hodgkin. Erster Anhalt für eine Lymphomerkrankung durch die klinische Untersuchung (Lymphknotenvergrößerungen am Hals, in den Achseln und/oder den Leisten), durch den Nachweis von Lymphknotenvergrößerungen (bis hin zu Lymphknotenpaketen) im Röntgenbild des Thorax oder im Ultraschallbild des Abdomens.

Die weitere Diagnostik beinhaltet :

  • Lymphknotenbiopsie und Histologie (ggf. auch Milzhistologie),
  • Knochenmarkbiopsie,
  • bei hochmalignen NHL sollte wegen des häufigen Befalls des Zentralnervensystems (ZNS-Befall) auch ein CT bzw. ein MRT des Gehirns und eine Liquorpunktion erfolgen.

In besonderen Fällen kann eine PET-Untersuchung weiter helfen. Beweisend ist der histologische Befund. Die Laborwerte sind nicht diagnoseweisend. Lediglich bei der CLL findet man eine absolute Lymphozytose bei Leukozytenzahlen bis über 100.000/μl und Gumprechtsche Kernschatten. Die LDH ist bei Zellumsatz erhöht und kann indirekt Aufschluss über die Aktivität der Erkrankung (und damit auch über den Therapieerfolg) geben. Ein Hypogammaglobulinämie (erkennbar in der Elektrophorese) kann erster Hinweis auf eine Lymphomerkrankung sein.

Therapie

Beim niedrig malignen NHL ist ein sehr langsamer Spontanverlauf zu erwarten, so dass eine Chemotherapie oft erst bei Einsetzen einer subjektiven Symptomatik erwogen wird.

Beim hoch malignen NHL wird frühzeitig mit einer Chemotherapie begonnen. Bei zerebralem Befall, der beim hochmalignen NHL häufig vorkommt, werden Chemotherapeutika intrathekal appliziert. Als Therapie-Schema kommt CHOP (Cyclophosphamid + Hydroxydaunomycin + Oncovin (=Vincristin) + Prednisolon) in Betracht, bei Nachweis von CD20-Oberflächenantigenen auch der spezifische Anti-CD20-Antikörper Rituximab.

Neue Entwicklungen zeigen, dass Biologika eine sehr zielgerichtete und hocheffektive Therapie ermöglichen. Zum Beispiel können Pl3K-Hemmer, wie Idelalisib, und BTK-Hemmer, wie Ibrutinib und Acalabrutinib, auch bei der Behandlung schwer therapierbarer B-Zell-Lymphome und auch noch bei einem Relaps nach Chemotherapie wirksam sein.

Verweise

Literatur   [ + ]

1. Eur J Med Genet. 2016 Feb;59(2):91-103
2. PLoS One. 2015 Oct 8;10(10):e0139329. doi: 10.1371/journal.pone.0139329.