Bisphosphonate

Bisphoshonate sind Medikamente zur Knochenstabilisierung, die zur Behandlung und Vorbeugung einer Osteoporose und bei starken Knochenumbauvorgängen verwendet werden. 1) 2017 Mar;3(1):8-17. doi: 10.1016/j.afos.2017.01.002.


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Das Wichtigste

Kurzgefasst
Bisphosphonate sind eine Gruppe von Medikamenten, die den Körper vor Knochenabbau schützen, indem sie die Aktivität der Zellen unterdrücken, die den Knochenabbau fördern. Solch ein Schutz ist besonders indiziert, wenn mit zunehmendem Alter eine Osteoporose droht oder wenn sich Tochtergeschwülste eines Tumors im Knochen absiedeln. Bisphosphonate werden im allgemeinen gut vertragen, können jedoch zu einer Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) führen, wenn sie mit ihr längere Zeit in Kontakt kommen. Bisphosphonate sollten daher bei nüchternem Magen mit viel Flüssigkeit und nicht im Liegen eingenommen werden. Wegen seltener atypischer Frakturen unter Bisphosphonaten wird bei Menschen ohne hohes Frakturrisiko zwischendurch eine Medikationspause (drug holiday) empfohlen.

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Resorption

Bisphosphonate bilden im Darm Komplexe mit Kalzium und werden daher (mit bis zu 10%) nur schlecht resorbiert. Da sie an Knochen binden, beträgt die Verweildauer im Körper viele Jahre.

Wirkungsweise

Die Wirkung der Bisphosphonate beruht im Wesentlichen auf einer Hemmung der Osteoklastenaktivität. Damit werden die Knochenresorption und der Knochenumbau verringert.

Etwa die Hälfte der aufgenommenen Dosis wird unverändert über die Nieren wieder ausgeschieden.

Indikationen

Eine günstige Wirkung durch Bisphosphonate kann erzielt werden bei:

Die zugelassenen Indikationen der einzelnen Präparate sind zu beachten.

Nebenwirkungen und Komplikationen

  • Ösophagitis: daher Vorbeugung von gastroösophagealem Reflux nach Einnahme der Bisphosphonate (Einnahme nüchtern 1 h vor der ersten Mahlzeit mit ausreichend lauwarmem Wasser, aufrechte Körperhaltung),
  • Übelkeit,
  • Durchfall
  • Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern bei Frauen), möglicherweise als Folge einer Senkung des Kalziumspiegels im Blut.
  • Allgemeinsymptome: Nach einer ersten Dosis, vor allem wenn sie intravenös verabreicht wird, können in seltenen Fällen grippeähnliche Symptome mit Fieber, Glieder- und Rückenschmerzen auftreten.
  • Knochenbrüche: in seltenen Fällen kommt es unter Bisphosphonaten zu pathologischen Frakturen, die wahrscheinlich mit einer verminderten physiologischen Adaptation des Knochens unter veränderten Belastungsbedingungen geschuldet ist. Immer wieder wird über Femurschaftfrakturen, Frakturen von Mittelfußknochen und einer Osteonekrose des Kiefers berichtet. Beobachtungen dieser Art haben zu Überlegungen einer Medikationspause (“drug holiday”) geführt 2)Am J Med. 2013 Jan;126(1):13-20 3)Curr Osteoporos Rep. 2013 Mar;11(1):45-51

Kontraindikationen

Bei einer Neigung zur Hypokalzämie sollte wegen der (seltenen) Nebenwirkung eines Vorhofflimmerns auf Bisphosphonate verzichtet werden. Zu Knochenheilung nach einer Fraktur und Anpassung der neuen Knochenstruktur an die Belastungsbedingungen ist eine Unterbrechung der Medikation als förderlich anzusehen.

Präparate

Es werden stickstoffhaltige und nicht Stickstoff enthaltende Bisphosphonate unterschieden.

Nicht Stickstoff enthaltende Präparate:

  • Clodronat (Bonefos ®)
  • Etidronat (Didronel ®)

Die Bisphoshonate dieser Gruppe induzieren eine Apoptose der Osteoklasten. Sie werden kaum noch verwendet.

Stickstoffhaltige Präparate (Auswahl):

  • Alendronsäure (Alendronat, Fosamax ®)
  • Pamidronsäure (Pamidronat, Aredia ®)
  • Zolendronsäure (Zolendronat, Zometa ®)
  • Ibandronat (Bonviva ®)

Neuere Optionen der Knochenstabilisierung

Eine Hemmung der Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) erfolgt sehr wirkungsvoll über die Hemmung des sog. “RANK-Liganden” (RANKL = receptor activator of nuclear factor-kappa B Ligand). Physiologisch erfolgt dies über eine Substanz, die von Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) abgegeben wird (Osteoprotegerin). Ein gezielt entwickelter Antikörper gegen RANKL mit der gleichen Wirksamkeit wie Osteoprotegerin ist Denosumab (z. B. Prolia®). 4) 2017 Mar;3(1):8-17. doi: 10.1016/j.afos.2017.01.002.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1, 4. 2017 Mar;3(1):8-17. doi: 10.1016/j.afos.2017.01.002.
2. Am J Med. 2013 Jan;126(1):13-20
3. Curr Osteoporos Rep. 2013 Mar;11(1):45-51