Karzinoid
-> Siehe auch APUDome
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[bearbeiten] Definition
Das Karzinoid ist ein neuroendokriner Tumor, der zur Bildung von Serotonin befähigt ist, was wegen der besonderen Symptomatik für den Kliniker von Bedeutung ist. Er gehört zu den APUDomen.
Nach der neuen WHO-Klassifikation aus dem Jahr 2000 ist der Begriff zugunsten der Begriffe "neuroendokriner Tumor" oder "neuroendokrines Karzinom" fallengelassen worden. Die Bezeichnung "gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumore" (GEP-NET) berücksichtigt die Herkunft.
GEP-NET sind durch die Expression von neuronspezifischer Enolase und Chromogranin A gekennzeichnet. Karzinoide sind eine Untergruppe davon; wobei bedacht werden muss, dass die Expression hormonaktiver Substanzen fehlen oder sich ändern kann. Oft können Zellen solcher Tumore mehrere hormonal aktive Substanzen produzieren.
[bearbeiten] Epidemiologie
Häufigste gastrointestinale endokrin aktive Tumore. Inzidenz: 0,2-0,5/100000/Jahr
[bearbeiten] Lokalisation
Foregut-Karzinoide (20%): Lunge, Thymus, Magen
Midgut-Karzinoide (65%): Jejunum, Ileum, Appendix (ca. 50% aller Karzinoide, ca 0.5% aller Appendektomien), Coecum
Hindgut-Karzinoide (15%): Kolon, Rektum
[bearbeiten] Pathophysiologie
Zellen des Karzinoids synthetisieren Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) aus Tryptophan der Nahrung. Dies führt einerseits zu Symptomen durch Wirkung des Serotonins, wenn es in den großen Kreislauf gelangt (bei Lebermetastasierung) und andererseits zu Tryptophan-Mangelerscheinungen (Proteinmalnutrition wegen Mangel an Substrat für die Eiweißsynthese und leichte Symptome einer Pellagra wegen Niacin-Mangel). Serotonin bewirkt eine sekretorische Diarrhö, stimuliert die Darmmotilität, und es stimuliert die Fibrogenese. Folgen: rechtskardiale (seltener linkskardiale) Endokardfibrose (Hedinger-Syndrom) und Peritonealfibrose. Serotonin ist nicht für die vaskulären Folgen verantwortlich. Jedoch erweitern andere Monoamine und Peptidhormone, die meist ebenfalls produziert werden, die Blutgefäße mit der Folge eines Flushs, einer Hypotonie und einer reflektorischen Tachykardie.
[bearbeiten] Klinik
Midgut- und Hindgut-Karzinoide machen sich erst dann durch Symptome bemerkbar, wenn Lebermetastasen vorliegen. Foregut-Karzinoide können selbst zu Symptomen führen.
Karzinoid-Syndrom: Bei 5% aller Patienten mit Karzinoid-Tumoren haben eine typische Symptome mit Flush (anfallsartige Hautrötung), Durchfallattacken, Tachykardie und Hypotonie.
[bearbeiten] Diagnostik
Anfangsverdacht
Einen ersten Hinweis auf das Vorliegen eines Karzinoids bietet die Symptomatik des Karzinoid-Syndroms oder ein Zufallsbefund in einem bildgebenden Verfahren.
Labordiagnostik
- 5-HIES im Urin (meist mehr als 80 umol/d oder 15 mg/d). Vor der 5-HIES-Bestimmung dürfen keine tryptophanhaltigen Nahrungsmittel wie Bananen eingenommen werden.
- Serotonin im Plasma
- Chromogranin A im Serum (Marker für neuroendokrine Tumore)
Bildgebende Verfahren
Sonographie, CT , MRT zur Suche des Primärtumors und zum Nachweis von Lebermetastasen (siehe auch Sonographie der Leber).
Octreotid-Szintigramm (Somatostatinrezeptorszintigraphie) zur Suche des Primärtumors und von Metastasen, wenn sie mit anderen bildgebenden Verfahren nicht gefunden werden können.
Histologie (Leberpunktion)
Echokardiographie zum Nachweis von Endokardfibrosen
[bearbeiten] Prognose
Bei der Diagnosestellung sind etwa 1/4 der Tumore multipel, 3/4 transmural-invasiv; 1/3 haben bereits Lymphknoten- und Lebermetastasen. Nach 4 Jahren sind etwa 20% an der Erkrankung und 15% an anderen Erkrankungen verstorben. Die Fünfjahresüberlebenswahrscheinlichkeit liegt bei 60%. [1]
[bearbeiten] Therapie
[bearbeiten] Operativ
Wenn bereits ein Karzinoid-Syndrom vorliegt, muß von einer Metastasierung ausgegangen werden. Daher kommt in den meisten Fällen keine operative Therapie mit kurativer Zielsetzung mehr in Frage.
[bearbeiten] Chemotherapie
In ca. 30% können Remissionen erreicht werden (Kombinationen von Streptozotozin, Fluorouracil, Cyclophosphamid und Doxorubicin).
[bearbeiten] Symptomatisch
Somatostatin kann heftige, sonst kaum beeinflussbare Durchfallsymptome lindern.
Alosetron (ein 5-HT-Antagonist) beeinflusst in Dosierungen bis 2x2 mg/d die Kolonmotilität, nicht aber den Dünndarmtransit und damit kaum die Diarrhö.
Loperamid ist das wichtigste Medikament zur symptomatischen Therapie der Durchfälle.
Octreotid (2-3 subkutane Injektionen pro Tag) beherrscht meist die Symptome des Karzinoids sicher und kann zur Therapie ausgeprägter, schwer therapierbarer und lebensbedrohlicher Komplikationen eingesetzt werden.
Cave: Beta-adrenerge Medikamente müssen wegen der Gefahr einer Exazerbation vermieden werden.
[bearbeiten] Literatur
- Dtsch Arztebl 2003; 100: A 1932-1942
- ↑ Burke AP et al. Cancer 1997; 79: 1086-1093




