Altern

Beim Altern handelt es sich um Veränderungen an Körper und Geist im Laufe der Zeit. Als Kind und in der Jugend bedeutet Altern ein körperliches und geistiges Heranwachsen und die Zunahme an Fähigkeiten, im jungen Erwachsensein eine weitere Reifung, später ein allmählicher Abbau (Involution). Die Phasen gehen meist unmerklich ineinander über.

Geist und Psyche

Der geistige Reifungs- und später der geistige Abbauprozess beeinflussen in gewisser Weise das biologische Altern. Dies gilt leider auch umgekehrt, was bei Erkrankungen des Gehirns besonders deutlich wird. Beides, die körperliche und die geistige Beweglichkeit, sind Voraussetzung für soziale Kontakte; die wiederum spielen für das seelische Befinden eine entscheidende Rolle.

Die eigene Erkenntnis, dass ein möglichst gesunder oder möglichst wenig beeinträchtigter Körper die beste Voraussetzung für einen auf individuell höchst möglichem Niveau funktionsfähigen Geist ist, kommt oft erst im Laufe des jungen Erwachsenseins auf. Zu dieser Erkenntnis hinzuführen, ist Teil einer guten Erziehung im Kindes- und Jugendalter. Man muss davon ausgehen, dass bei denjenigen, bei denen das Bewusstsein um die Sorge für den eigenen Körper fehlt, das Risiko für eine Verkürzung der möglichen Lebensspanne erhöht ist.

Umgekehrt ist die alte Weisheit „mens sana in corpore sano“ (ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper) jedoch nicht haltbar. Vielmehr wird ein gut funktionierender Geist je nach Vorgabe des Körpers (auch bei Gebrechen) diejenigen Voraussetzungen und Bedingungen suchen oder arrangieren, die ihm möglichst viel Glück und Zufriedenheit bescheren und auf Dauer versprechen. Dies gehört zur individuellen Altersvorsorge.

Die geistigen und psychologischen Entwicklungen während des Alterns betreffen eine Reihe von Aspekten.

  • Ein als positiv erlebter Aspekt ist die Entwicklung von Umsichtigkeit, Gelassenheit, Nachsicht und Milde.
  • Einige mit dem Alter zunehmende negative Aspekte sind:
    • das Nachlassen einer geistigen Flexibilität bei der Lösung von Problemen,
      • die Verfestigung von Meinungen
      • die Schwierigkeit, Entscheidungen in Frage zu stellen (bis hin zum Altersstarrsinn),
    • das Nachlassen der Gedächtnisleistung,
    • die Neigung zu Depressionen,
    • zunehmende Interesselosigkeit und Apathie, Selbstvernachlässigung, Infantilität.

Durch geistigen und körperlichen Abbau kann es zu schwerwiegender sozialer Isolation kommen, die eine Selbstaufgabe beschleunigt.

„Erfolgreiches Altern“ wird in Zusammenhang gebracht mit einer Reihe von Maßnahmen, die jeder Mensch selbst vorplanen und ergreifen sollte. Dazu gehören

  • die Vermeidung körperlicher Krankheiten,
  • die Sorge für ein psychisches Wohlbefinden inklusive einer guten psychosozialen Einbindung und befriedigenden Spiritualität und
  • die Vorsorge für eine möglichst große Selbstbestimmung am eigenen Lebensende [1][2][3][4].

Biologisches Altern


Die Veränderungen während der Involutionsphase des Alterns umfassen alle Organe und Gewebe. Beispiele sind:

  • Gesamtes Erscheinungsbild: Größenabnahme, Buckel, fassförmiger Brustkorb (siehe unter Emphysem), eingefallener Mund bei Zahnlosigkeit, erschwerter unsicherer Gang bei steifen Gelenken, Muskelabbau, Haarverlust, Zittrigkeit, Regungsarmut bis Apathie
  • Herz-Kreislauf: Verkalkung und Verengung der Herzkranzgefäße, Herzleistungsschwäche, Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen der Beine, Krampfaderbildung (Varizen)
  • Lunge: Lungenüberblähung (Emphysem)
  • Bewegungsapparat: Verschleißerscheinungen am Skelett (Arthrose, Osteoporose und Osteochondrose, Festigkeit der Sehnen und Bänder sinkt (Bänderriss, Sehnenruptur), Rückenschmerzen, Schenkelhalsbruch
  • Lockerwerden des Bindegewebes mit Elastizitätsverlust, damit z. B. Neigung zu einer Beckenbodensenkung, zu Leistenhernien, Nabelhernien, Rektusdiastasen
  • Verdauungstrakt: Verstopfung (Obstipation), Divertikelbildung im Dickdarm, Inkontinenz des Darmausgangs, Schluckstörungen
  • Haut: Haarverlust, Runzeln, Trockenheit, dünne Haut (Pergamenthaut)
  • Neurologie: Gehirnabbau, Minderung der Merkfähigkeit, Verlangsamung, Morbus Parkinson, Schwindel, Schlaflosigkeit oder Schlafsucht, Schlaganfall, Demenz, Alzheimer Krankheit, Nachlassen des Hunger- und Durstgefühls. Neuere Entwicklungen lassen die Hoffnung keimen, dass durch Neuroprotektion (medikamentöser Schutz des Gehirns) der Altersabbau des Gehirns verzögert werden kann.
    • Die Aktivität von SIRT1 im Kleinhirn (Cerebellum) nimm allmählich ab, was sich negativ auf die Motorik alternder Menschen auswirkt. Bewegungstraining steigert die Aktivität dieses Enzyms im Tierversuch [5] und vermutlich auch beim Menschen.
  • Nieren: Verschmälerung der Rinden mit Einschränkung der Leistung der Nieren.
  • Immunsystem : weniger aktiv (Allergien können nachlassen), Neigung zu schweren Infektionen, Gürtelrose
  • Hormonsystem : Umstellungen, u. a. Prostatavergrößerung, Menopause, Altersdiabetes
  • Stoffwechsel: Zunahme des Körpergewichts, Altersdiabetes, Knochenabbau
  • Sinnesorgane: Abnahme des Hörumfangs, Verschlechterung der Sehleistung (Visusverschlechterung) und auch des Geruchs- und Geschmackssinns
  • Zahnstatus: Parodontose, Brücken, Prothesen
  • Tumoren: Inzidenz nimmt erheblich zu (z. B. Darmkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs, Prostatakarzinom, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Magenkrebs, Leberkrebs)

Die einzelnen Veränderungen entwickeln sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Sie treten nicht alle gleichzeitig und in ähnlicher Ausprägung auf. Manche von ihnen erscheinen früher, andere später im Leben, manche spielen individuell keine wesentliche Rolle. Es gibt offenbar genetische Unterschiede in der Bereitschaft, bestimmte Alterserscheinungen zu entwickeln.

Beschleunigung von Alterungsprozessen


Eine Reihe von Altersveränderungen wird durch ungesunde Lebensführung stark beschleunigt. Beispiele sind:

  • Rauchen erhöht das Risiko chronischer Lungenveränderungen mit Emphysem, einer Arteriosklerose mit Bluthochdruck, der Gefahr eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls und das Risiko für verschiedene Krebsarten,
  • Alkoholgenuss im Übermaß erhöht das Risiko eines beschleunigten Gehirnabbaus und schädigt zudem verschiedene andere innere Organe, wie Leber oder Bauchspeicheldrüse,
  • Stress, der nicht gut verarbeitet wird, fördert Abhängigkeitserkrankungen und ist damit vielfach Grund für vermehrten Genuss von Süßigkeiten, Alkoholabusus und Rauchen.
  • Falsche Essgewohnheiten können zu Übergewicht und Adipositas führen und erhöhen damit das Risiko für die Entwicklung einer Zuckerkrankheit, einer Fettleber, frühzeitiger Verschleißerscheinungen an Gelenken und der Wirbelsäure, eines Bluthochdrucks und der Entwicklung eines Leistenbruchs.
  • Bewegungsmangel fördert Gewichtszunahme und die mit ihr verbundenen Risiken (s.o.), inklusive eine Insulinresistenz.
  • Die Zuckerkrankheit, die durch Übergewicht beschleunigt entsteht, ist mit einem erhöhten Risiko eines Gehirnabbaus und der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz verbunden und führt so zu vorzeitigem Altern. Die Ursache ist möglicherweise komplex: eine Rolle spielen kann erhöhter oxidativer Stress, eine erhöhte Proteinglykosylierung im Gehirn und die beschleunigte Ablagerung von Amyloid-Beta(wegen Konkurrenz mit Insulin um den Abbau am Insulin-degradierenden Enzym (IDE)) [6][7].

Altern unter Vermeidung beschleunigender Risikofaktoren

Alterungsprozesse haben eine biologische Grundlage; die „biologische Uhr“ läuft ab. Alterung findet statt, auch wenn Risikofaktoren vermieden werden. Die Suche nach den biochemischen Vorgängen, die mit Altern zusammenhängen, hat zu einer Reihe von Theorien geführt, die sich derzeit in rascher Entwicklung befinden. Wichtige davon, wie z. B. zum Indy-Gen, zu den Telomeren oder zum Einfluss eines Hyperinsulinismus (bei peripherer Insulinresistenz) finden sie hier.

Offenbar gibt es Nahrungsbestandteile, die gesundes Altern fördern, Abbauprozesse verlangsamen oder schädliche Einwirkungen von Substanzen (z. B. von Umwelt- und Genussgiften) abschwächen können. Dazu gehört möglicherweise die Beeinflussung der Darmflora durch Joghurt-Kulturen oder das in Rotwein enthaltene Resveratrol. Pflanzliche Polyphenole, die in vegetarischer Kost hoch enthalten sind, tragen offenbar zu einer Lebensverlängerung gegenüber Kost tierischen Ursprungs bei (siehe hier).

Weiteres zur gesunden Ernährung siehe hier.

Empfehlungen für ein gesundes Altern

Die Hauptempfehlungen bezüglich der Vermeidung eines vorzeitigen Todes richten sich auf eine gute Behandlung bestehender Krankheiten und eine gesunde Lebensführung mit ausreichender körperlicher Bewegung unter (weitgehender) Vermeidung von Risikofaktoren.

  • In jedem Fall ist es sinnvoll, schädigende Genussmittel, unnötige Medikamente, Drogen und übertriebenen Alkoholgenuss zu vermeiden.
  • Es sollte eine systematische Krebsvorsorge getroffen werden, insbesondere bei familiärer Krebsbelastung (z. B. gyn. Untersuchungen, Prostata-Untersuchungen, Vorsorgekoloskopie).
  • Stoffwechselerkrankungen sollten suffizient behandelt werden; Übergewichtige und Adipöse sollten ihr Gewicht und damit ihre Insulinresistenz reduzieren. Der Zucker bei Diabetikern sollte sehr gut eingestellt sein.
  • Es sollte auf Körperpflege und Hygiene geachtet werden.
  • Der Zahnstatus sollte regelmäßig überprüft, und Karies und Zahnwurzelbeherdungen sollten erkannt und beseitigt werden.

Die Hauptempfehlungen bezüglich einer geistigen und psychischen Ausgeglichenheit betreffen:

Die Lebenserwartung

Versicherungen berechnen die Lebenserwartung ihrer Mitglieder nach einer komplexen Sterbetafel.

Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass für die Lebenserwartung folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • die Qualität der medizinischen Versorgung,
  • die Lebensweise (Ernährung, Genussgifte, körperliche Bewegung, s.o.),
  • der Lebensstandard (sozialer Stand, Hygiene, Ernährungslage, Ausbildung).

Langlebigkeit

Neue Entwicklungen zur Verlängerung der eigenen Lebensspanne werden auf biochemischem Gebiet erwartet. Wichtige Forschungsgebiete sind:

  • oxidativer Stress,
  • Telomere,
  • Chaperone,
  • genetische Grundlagen des Alterns.

Insbesondere die Untersuchungen zu den Chaperonen und zu Genen, die mit einer Lebensverkürzung oder Lebensverlängerung in Zusammenhang gebracht werden („Methusalem-Gen“), haben neue Erkenntnisse zur „Langlebigkeit“ erbracht.

Weiteres dazu finden sie hier.

Verweise

Literatur

  1. ? Am J Geriatr Psychiatry. 2009 May;17(5):407-16
  2. ? Australas J Ageing. 2008 Dec;27(4):200-4
  3. ? Gerontologist. 2002 Dec;42(6):727-33
  4. ? Am J Psychiatry. 2001 Jun;158(6):839-47
  5. ? Rejuvenation Res. 2008 Feb;11(1):139-50
  6. ? Biochim Biophys Acta. 2009 May;1792(5):432-43
  7. ? Curr Alzheimer Res. 2008 Oct;5(5):438-47