Inhaltsverzeichnis |
Definition
Fieber ist eine abnormale Erhöhung der Körperkerntemperatur unter Ruhebedingungen, die der Körper durch eine Sollwertverstellung im Temperaturzentrum des Gehirns selbst bewirkt.
Messung
Ziel der Messung ist eine Abschätzung der nicht direkt zugänglichen Temperatur im Körperkern, d. h. beispielsweise im Blut des Herzens. Bedacht werden muss, dass körperliche Arbeit oder starke Stoffwechseltätigkeit (wie in der Leber nach einer Malzeit) erhöhte Temperaturen physiologisch auftreten. Folgende Messmethoden sind gebräuchlich:
- unter der Achsel: unzuverlässig, spiegelt nicht unbedingt die Temperatur im Körperkern wider.
- im Mund: akzeptabel
- im Ohr (Gehörgang): akzeptabel, heute am gebräuchlichsten
- rektal: unhygienisch, akzeptable Werte
![]() | ![]() |
Grenzwerte
Die Körpertemperatur wird vom Körper normalerweise im Bereich von 36.0 und 37.0 Grad Celsius gehalten (Sollwert-Bereich). Unter verschiedenen Bedingungen kann der Sollwert erhöht werden.
Ab 37.5 Grad Celsius wird in der Regel von Fieber gesprochen, zwischen 37,0 und 37,5 von subfebrilen Temperaturen. Leicht subfebrile Temperaturen können bei Frauen je nach Regelphase normal sein.
Ursachen
Zusammenstellung einer Auswahl.
- Infektion mit Erregern (Infektionskrankheit). Zu bedenken ist, dass nicht jeder Infekt Fieber verursacht.
- Autoimmunkrankheit (nur in manchen Fällen)
- Tumorerkrankungen, Neoplasien (Tumorfieber) (paraneoplastisches Fieber, nur in manchen Fällen)
- Hyperthyreose (stark erhöhte Stoffwechselaktivität, in manchen Fällen)
- Medikamente (Drug Fever), entsprechend auch Drogen,
- Neutropenisches Fieber.
Vorgetäuschtes Fieber lässt sich durch Messung im Ohr rasch differenzieren.
Diagnostisches Vorgehen bei Fieber
![]() | ![]() |
Anamnese
Die häufigsten Ursachen sind grippale Infekte (Beginn mit Kratzen im Hals, oberem Atemwegsinfekt oder Schnupfen? allgemeine Gliederschmerzen?), aufsteigende Harnwegsinfekte (Brennen beim Wasserlassen? Druck in der Nierengegend? Frühere Harnwegsinfekte?), Bronchopneumonien (chronische Bronchitis bekannt? Husten?). Wenn sie nicht in erster Linie in Frage kommen, sollten folgende Fragen geklärt werden:
- Sonstige Symptome (Schmerzen? Appetitlosigkeit? Abgeschlagenheit ...?)
- Entwicklung des Allgemeinbefindens vor der Fieberepisode? (Tumor, chronischer Infekt)
- Gewichtsabnahme in den letzten Wochen oder Monaten? (Tumor? Hyperthyreose)
- Tumorkrankheit bekannt? (Tumorfieber, Paraneoplasie)
- Neue Medikamente? (Drug-Fieber)
- Ansteckungsmöglichkeit in sozialem Umfeld? (Infektion)
- Auslandsaufenthalt? (Infektion)
- Schüttelfröste? (Sepsis, Septikämie bei bakteriellem Streuherd)
- Familienanamnese: familiäres Mittelmeerfieber?
Untersuchungen
- Klinische Untersuchung: z. B. Temporalarterien druckempfindlich? (bei Arteriitis Horton); NAP (Nervenaustrittspunkte am Kopf) schmerzhaft? Lungen und Schmerzhafte Bewegungseinschränkung am Schultergürtel? (z. B. Polymyalgia rheumatica); Atemwege auffällig? Klopfschmerz über der Wirbelsäule oder den Nierenlagern? (z. B. Spondylodiszitis, Nephritis); Gelenke? Hautaffektion (z. B. Erysipel, Abszess)? Zittrigkeit (feinschlägiger Tremor bei Hyperthyreose)?
- Blutkulturen (bei Schüttelfrösten, bei Verdacht auf eine Sepsis ggf. auch ohne Fieber)
- Laborwerte: u.a. Entzündungsparameter (z. B. Leukozyten, CRP, Alpha-2-Zacke in der Elektrophorese), ggf. weitere Untersuchungen wie ANA, ASMA, Rheumafaktor, ACE (Sarkoidose?), Tuberkulin-Test
- Röntgen des Thorax (z. B. Pneumonie? Tbc? Sarkoidose? Tumor?), ggf. Computertomographie (CT).
- Sonographie: u. a. Raumforderungen? Milzgröße? Vergrößerung von Lymphknoten?
- Herzecho: Endokarditis?
- MRT der Wirbelsäule: Spondylodiszitis?
- HNO-Befund: Nasennebenhöhlenentzündung? (ggf. CT)
- Neurologische Untersuchung, ggf. mit Liquor-Untersuchung (zentrales Fieber?)
- ggf. Zahnstatus: Wurzelabszess?
Seltene Fieberursachen
Wenn trotz intensiver Suche keine Fieberursache gefunden wird, ist dennoch weiterhin an eine Endokarditis, eine Spondylodiszitis und an Tumorfieber zu denken.
Das "neutropenische Fieber" (Fieber bei Neutropenie) sollte an eine Knochenmarkskrankheit denken lassen.
In Frage kommt auch ein hereditäres Fieber wie das familiäre Mittelmeerfieber.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei hohem Fieber kann es indiziert sein, eine Temperatursenkung herbeizuführen (z. B. kalte Umschläge um die Beine (Wadenwickel), Antipyretika wie z. B. Novaminsulfon)
Verweise
- Drug Fever
- Tumorfieber
- Familiäres Mittelmeerfieber
- hereditäres Fieber
- Rheumatisches Fieber
- Maligne Hyperthermie
- Antipyretika






