Was das Knochenmark jede Sekunde leistet: Video

Das Knochenmark steht niemals still. Jede Sekunde produziert es Millionen von Zellen. Dazu hier ein Video.

Eine Rätselfrage vorweg: Wovon gibt es am meisten? Ameisen, Bäume auf der Welt, Herzschläge im Leben, oder doch Blutzellen im Körper?

Der kleinste Baustein des menschlichen Körpers ist die Zelle. Davon gibt es Billionen in uns. Und fast alle davon gehen mal kaputt. Jeder Verlust wird ersetzt. Doch wie passiert das eigentlich?

Zellen haben unterschiedliche Lebensdauern. Die Darmoberfläche wird alle paar Tage erneuert, dagegen die Gehirnzellen nur sehr selten. Nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Pilzen und Insekten, teilen sich Zellen, um sich zu vermehren. Das nennt sich Mitose und kann sogar unter dem Mikroskop beobachtet werden.

Ein ganz besonderer Schauplatz ist das Knochenmark. Die Natur hat den  unnützen Hohlraum im Knochen schlauerweise an das Knochenmark vermietet. Hier werden alle Blutzellen generiert, 24h am Tag, jeden Tag. Auch das kann durch eine spezielle Mikroskopie live dargestellt und erforscht werden, um z.B. Leukämien besser zu verstehen.

Wer genau wohnt nun dort? Erythrozyten, d.h rote Blutkörperchen, transportieren Sauerstoff, Thrombozyten, also Blutplättchen, dienen v.a. der Blutgerinnung, Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten gehören zur Immunabwehr. Diese Unterscheidungen werden auch deutlich, wenn ein Tropfen Blut unter dem Mikroskop untersucht wird. Die roten Donut-förmigen Strukturen dominieren. Das sind die Erythrozyten. In einem Mikroliter zählt man etwa 5 Mio davon, d.h in 5 Litern Blut eines Erwachsenen ca. 25 Billionen Zellen. Jede Sekunde werden davon 2 Millionen entsorgt und neu produziert. Unvorstellbar.

Jedes davon enthält mehrere Bausteine. Globin ist das Grundgerüst. Darin sind Eisen und Häm eingebettet. Beim Arzt wird Hämoglobin als Indikator für die Blutmenge gemessen. Wenn Millionen Erythrozyten ständig abgebaut werden, brauchen wir gutes Abfallmanagement. Vieles wird davon recycelt.

Häm wird abgebaut zu Bilirubin, was über die Gallenflüssigkeit in den Stuhl ausgeschieden wird, und die Farbe bestimmt. Die Farben grün und gelb sieht man übrigens auch gut bei einem blauen Fleck.

In Leberkrankheiten ist dieser Abbauweg häufig defekt. Dann sammeln sich die gelben Abbauprodukte und färben zunächst das Augenweiß, und später die ganze Haut.

Wie regelt der Körper nun die Menge an Blut? Interessanterweise ist es die Niere, die das kontrolliert. Nach einem Blutverlust, z.B durch einen Unfall oder einer Blutspende wird das Hormon EPO von den Nieren gebildet. EPO strömt mit dem Blut durch den Körper und erreicht das Knochenmark. Dort sind Rezeptoren vorhanden, die nun verstehen: Wir wird mehr Blut benötigt. Übrigens kommt es daher auch bei Nierenerkrankungen häufig zur Blutarmut: Die EPO Produktion ist gestört, und das Knochenmark wird faul.

Was Spitzensportler haben aber auch schnell entdeckt: Wer sich EPO künstlich spritzt, bildet mehr Erythrozyten, also mehr Sauerstoffträger, und gewinnt locker 7x hintereinander die Tour de France.

Die andere große Masse an Zellen im Blut sind die Blutplättchen oder Thrombozyten. Auch hier gibt es eine immense Menge von 2.5 Billionen im Körper. Im Unterscheid zu Erythrozyten werden sie aber nur wenige Tage alt.

Sie werden von Zellen produziert, die mit kleinen Ausläufern in das Blutgefäß ragen. und dort aus winzigen Abschnürungen der Zellmembran entstehen. Die sind so klein, daß wir ein Elektronenmikroskop mit 500.000 facher Vergrößerung brauchen. Sogar ein 3D Modell der Vorläuferzellen und ihren Ausläufern kann erstellt werden.

Thrombozyten waren wichtig für die Blutstillung. Wenn sie defekt sind oder fehlen, kommt es im Körper überall zu Mikroblutungen. Sichtbar wird das v.a. auf der Haut mit kleinen roten Punkten.

Zurück zur Rätselfrage. Ein Herz schlägt im Laufe des Lebens ca. 3 Milliarden mal. Schätzungen zufolge gab es etwa 100 Milliarden Menschen, die jemals gelebt haben. Ca. 2 Billionen Thrombozyten gibt es pro Mensch, dagegen gibt es wahrscheinlich etwas mehr Bäume auf der ganzen Welt, ca. 3 Billionen. Ameisen existieren zu Billiarden. Wohl am meisten gibt es Erythrozyten in einem menschlichen Körper, ca. 25 Billiarden.