Rekurrierende aphthöse Stomatitis

Die rekurrierende aphthöse Stomatitis, RAS, ist gekennzeichnet durch immer wiederkehrende schmerzhafte offene Stellen (Aphthen) im Mund. Sie gehört in den Bereich der Autoimmunkrankheiten. Schübe können durch Stress und Infektionskrankheiten ausgelöst werden; meist bleibt der auslösende Faktor jedoch unbekannt. Die Behandlung konzentriert sich auf lokale (topische) Schmerzbekämpfung, so durch Acetylcystein und Myrrhetinktur. Systemisch können Kortikoide und Colchizin schwere Verlaufsformen verbessern. Neue Optionen scheinen Adalimumab und Apremilast darzustellen.


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Häufigkeit

Angegeben wird eine Häufigkeit von 5 – 66%. 1) Swed Dent J. 2014;38(3):143-9.

Ursache, Auslöser

RAS wird auf einen Angriff des eigenen Immunsystems auf die Schleimhaut des Mundes zurück geführt; es scheint sich um eine Art einer Autoaggressionskrankheit zu handeln. Es wird eine genetische Prädisposition angenommen. Die CD4+-Zellen werden erniedrigt und die CD8+-Zellen erhöht gefunden. 2) J Dent Sci. 2018 Jun;13(2):124-130. doi: 10.1016/j.jds.2017.09.003.

Auslöser von Schüben der Erkrankung sind weitgehend unbekannt. Zu ihnen scheint jedoch Stress (in etwa 15%) zu gehören. In einer Studie lies sich eine positive Korrelation bezüglich Alter, Geschlecht, Allergie, Medikamente und Rauchen nicht nachweisen. 3) Swed Dent J. 2014;38(3):143-9. Eine Arbeit fand eine Korrelation mit Nahrungsmittelallergie. 4) Acta Med Indones. 2010 Oct;42(4):236-40. Auch scheinen bakterielle und virale Infekte einen Schub auslösen zu können. 5) J Formos Med Assoc. 2019 Sep;118(9):1279-1289. doi: 10.1016/j.jfma.2018.10.023. Assoziiert sind laut einer Studie aus Taiwan verschiedene Autoantikörper, wie Antiparietalzell-Antikörper, Thyreoglobulin-Antikörper und mikrosomale Schilddrüsenantikörper sowie eine Eisenmangel- und eine B12-Mangelanämie. 6) J Formos Med Assoc. 2019 Sep;118(9):1279-1289. doi: 10.1016/j.jfma.2018.10.023.

Diagnostik, Differenzialdiagnosen

Die rekurrierende aphthöse Stomatitis wird durch den Befund kleiner Aphthen (offene schmerzhafte Schleimhautgeschwürchen) im Mund diagnostiziert. Ein spezifisches Kriterium unter den Leborwerten existiert nicht. Abzugrenzen ist sie von einem Morbus Crohn oder einem Morbus Behçet, die ähnliche Geschwürchen hervorrufen können. Im Zweifel sind diese Erkrankungen durch eine histologische Klärung auszuschließen. Auslösende Ursachen sollten eruiert werden (s.o.).

Therapie

Die Behandlung der rekurrierenden aphthösen Stomatitis bleibt meist empirisch. Sie konzentriert sich überwiegend auf eine Linderung der Schmerzhaftigkeit im Mund. In schweren Fällen werden systemische Medikamente eingesetzt. 7) J Clin Diagn Res. 2016 Oct;10(10):ZE08-ZE13

Topische Anwendungen

  • N-Acetylcystein (Mundspülung für 30 Sekunden) hat sich in einer Studie als Chlorhexidin überlegen herausgestellt. 8)J Dermatolog Treat. 2019 Nov 4:1-18. doi: 10.1080/09546634.2019.1688231.
  • Myrrhetinktur soll wirksam sein. 9) J Ethnopharmacol. 2016 Dec 4;193:481-489. doi: 10.1016/j.jep.2016.09.054. Extrakte von Myrrhe erweisen sich als antimikrobiell, antimykotisch und antioxidativ aktiv. 10) Microbiol Res. 2014 Apr;169(4):240-54. doi: 10.1016/j.micres.2013.10.003. 11) J Infect Dev Ctries. 2013 Mar 14;7(3):295-8. doi: 10.3855/jidc.2799. Sie wirkt speziell gegen orale Pathogene. 12)Med Princ Pract. 2014;23(4):363-8. doi: 10.1159/000362238.

Systemische Behandlung

Medikamente, die bisher in schweren Fällen Verwendung fanden und finden sind Prednisolon, Colchizin, Thalidomid und Dapson. 13) Pediatr Dermatol. 2019 Oct 6. doi: 10.1111/pde.14003.

Adalimumab, ein Antikörper gegen den Entzündungsvermittler TNF-alpha, scheint, wie eine Einzelfallbeschreibung nahelegt, eine “dramatische” Heilung der Geschwüre bewirken zu können. 14) Pediatr Dermatol. 2019 Oct 6. doi: 10.1111/pde.14003.

Apremilast, ein oraler Phosphodiesterasehemmer, der schon von der Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis) her bekannt ist, scheint sehr wirksam zu sein. In einer Fallbeobachtung verschwanden bei 4 von 5 Patienten die Ulzera vollständig. 15)N Engl J Med 2019; 381:1975-1977 DOI: 10.1056/NEJMc1901987

Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur   [ + ]

1, 3. Swed Dent J. 2014;38(3):143-9.
2. J Dent Sci. 2018 Jun;13(2):124-130. doi: 10.1016/j.jds.2017.09.003.
4. Acta Med Indones. 2010 Oct;42(4):236-40.
5, 6. J Formos Med Assoc. 2019 Sep;118(9):1279-1289. doi: 10.1016/j.jfma.2018.10.023.
7. J Clin Diagn Res. 2016 Oct;10(10):ZE08-ZE13
8. J Dermatolog Treat. 2019 Nov 4:1-18. doi: 10.1080/09546634.2019.1688231.
9. J Ethnopharmacol. 2016 Dec 4;193:481-489. doi: 10.1016/j.jep.2016.09.054.
10. Microbiol Res. 2014 Apr;169(4):240-54. doi: 10.1016/j.micres.2013.10.003.
11. J Infect Dev Ctries. 2013 Mar 14;7(3):295-8. doi: 10.3855/jidc.2799.
12. Med Princ Pract. 2014;23(4):363-8. doi: 10.1159/000362238.
13, 14. Pediatr Dermatol. 2019 Oct 6. doi: 10.1111/pde.14003.
15. N Engl J Med 2019; 381:1975-1977 DOI: 10.1056/NEJMc1901987