Refluxkrankheit

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Therapie

Folgende Prinzipien der Therapie einer gastroösophagealen Refluxkrankheit werden laut Leitlinie 2014 empfohlen. 1)Z Gastroenterol 2014; 52: 1299-1346

  • Bei unklaren Symptome keine testweise Therapie mit Protonenpumpenhemmern, sondern zunächst eine weitere Abklärung erfolgen.
  • Liegt dagegen eine typische Refluxsymptomatik vor und ist der Endoskopiebefund unbekannt, so sollte eine Behandlung mit Protonenpumpenblockern in Standarddosis empirisch erfolgen.
  • Ist eine erosive Ösophagitis endoskopisch nachgewiesen, so sollte als Therapieziel sowohl eine Symptomfreiheit als auch eine Heilung der Erosionen gelten.

Therapie der unkomplizierten Refluxkrankheit

  • Schlafen mit erhöhtem Oberkörper durch Anheben des Bettkopfendes (ca 15 cm)
  • kleine Mahlzeiten mehrfach über den Tag verteilt, letzte Mahlzeit etwa 4 h vor dem Schlafengehen
  • Vermeidung von Nahrungs- und Genussmitteln, die den unteren Sphinktertonus vermindern (Schokolade, Fette, Nikotin)
  • Vermeidung enger Gürtel und Druck auf den Bauch durch Bücken oder Heben
  • Antazida jeweils 1 h postprandial (nach einer Mahlzeit) und zur Nacht
  • Prokinetika zur orthograden schnelleren Magenentleerung und besseren Tonisierung des unteren Ösophagussphinkters (z.B. Metoclopramid, Domperidon)
  • Protonenpumpenblocker (PPI) sind die wirksamsten Medikamente bei ansonsten therapierefraktären Refluxbeschwerden und bei der Refluxösophagitis und ihren Folgen. 2)Gastroenterology 2003; 124 (Suppl 1): A226 Vielfach wird bei einer gut behandelbaren Refluxösophagitis (Stadium 1) mit Rezidivneigung eine ärztlich eingeübte und kontrollierte Selbstmedikation durch die Patienten („On-Demand-Therapie“) propagiert. Allerdings eliminiert die Säuresuppression nicht den Reflux; und nicht-saurer Reflux kann ebenso zu Beschwerden führen. 3)Gastroenterology 2001; 120: 1599-1606 In bis zu 30% ist eine PPI-Therapie nicht effektiv. 4)Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2016;13:281–294
  • Ursodesoxycholsäure bringt bei therapierefraktären Beschwerden und galligem Reflux manchmal den therapeutischen Durchbruch und kommt bei Versagen von PPI infrage.

Therapie der komplizierten Refluxkrankheit

  • Erweiterung (Dilatation) von Strikturen z.B. durch einen Ballonkatheter,
  • Antirefluxoperation (z.B. laparoskopische Hiatoplastik und Fundoplicatio)
  • Blutstillung endoskopisch oder chirurgisch
  • Lasertherapie von Barrett-Metaplasien und Dysplasien
  • bei obstruktiver Schlafapnoe CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure); sie führt zu einer deutlichen Reduktion der Refluxepisoden 5)Arch Intern Med 2003; 163: 41-45

Der therapeutische Erfolg wird in der Regel endoskopisch überwacht, speziell auch um eine maligne Entartung, wie sie bei chronischer Refluxkrankheit auftreten kann, rechtzeitig erkennen zu können.

Fundoplikation bei Refluxkrankheit

Als Goldstandard wir meist eine laparoskopische Fundoplicatio nach Nissen angesehen. Beste Kandidaten dafür sind Patienten, die gut auf eine medikamentöse Therapie angesprochen haben, diese aber aus anderen Gründen nicht gut vertragen oder ablehnen. Etwa 60% der operierten Patienten benötigen auch postoperativ eine Säurehemmung. Eine wesentliche Reduktion des Risikos eines ösophagealen Adenokarzinoms durch eine Fundoplikation ist nicht zu erkennen. 6)JAMA 2001; 285: 2331-2338

Eine effektive Säurehemmung beeinflusst wahrscheinlich die postoperative ösophageale Motorik nicht (s.o.). Eine Dysmotiliät des unteren Ösophagussphinkters wird durch eine Fundoplikation nicht korrigiert. 7)Gastroenterology 2001; 121: 5-14

Endoskopische Antirefluxtherapie

Hierzu gehören die intraluminale Valvuloplastik, endoskopische Gastroplikatio und endoskopische Injektionstherapie des unteren Ösophagussphinkters. 8)Dtsch Arztebl 2002; 99: A 859-866 Diese Methoden sind zum Teil experimentell; größere Studien am Menschen und Langzeitergebnisse fehlen noch.

Neuere Methoden

Eine elektrische Stimulationsbehandlung (Electric stimulation therapy, EST) und magnetische Sphincterverstärkung (magnetic sphincter augmentation, MSA) sind in Erprobung; bisher sind mangels größerer Studien keine sicheren Aussagen zu Effektivität und Sicherheit vorhanden. 9)Gastroenterology Res. 2018 Jun;11(3):161-173. doi: 10.14740/gr1024w. Epub 2018 May 31. PMID: … Continue reading

Das Magnetsystem (Linx™ Reflux Management System) besteht aus einem implantierbaren magnetischen Ring, der um den unteren Ösophagussphincter positioniert wird. Es soll ähnlich wirksam Reflux verhindern wie eine Fundoplicatio, ist aber in seltenen Fällen mit Komplikationen behaftet (Dysphagie, Durchwanderung in die Speiseröhre. 10)Med Devices (Auckl). 2018 Aug 31;11:291-300. doi: 10.2147/MDER.S113679. PMID: 30214323; PMCID: … Continue reading Der Stellenwert wird von Autoren als Überbrückung zu einer Fundoplicatio gesehen. 11)World J Clin Cases. 2020 Jan 26;8(2):294-305. doi: 10.12998/wjcc.v8.i2.294. PMID: 32047777; PMCID: … Continue reading

Neuere endoskopische Methoden werden in Review-Artikeln zusammengefasst. Die laparoskopische Fundoplikatio und die magnetische Schließmuskelaugmentation gelten als wirksame chirurgische Optionen. Spezielle Methoden, wie eine transorale schnittlose Fundoplikatio können bei ausgewählten Patienten eine Option sein, sind aber auf Zentren beschränkt. 12)Endosc Int Open. 2021 Sep 16;9(10):E1549-E1555. DOI: 10.1055/a-1535-1279.  13)Cureus. 2022 Aug 29;14(8):e28563. doi: 10.7759/cureus.28563

Prognose

Patienten mit einer nicht erosiven Refluxkrankheit (NERD) entwickeln in ca 25% trotz Behandlung innerhalb von 2 Jahren eine erosive Refluxkrankheit. Bei Patienten mit einer ERD lässt sich nach 2 Jahren (unter Therapie) meist keine Entzündung mehr nachweisen; sie leiden jedoch zu 60% unter Refluxbeschwerden (Symptome einer NERD) und in ca 6% entwickelt sich mit der Barrett-Metaplasie eine Präkanzerose. 14)Am J Gastroenterol 2006; 102: 2457-62

Das Barrett-Karzinoms scheint früher als Komplikation überbewertet worden zu sein; es beträgt etwa 1 Karzinom auf 6000 Patientenjahre. 15)Dtsch Arztebl 2002; 99: A 1754-1759 Aber immerhin würde danach unter der Voraussetzung eines Refluxleidens von durchschnittlich 30 Jahren Dauer jeder zweihundertste Patient ein Ösophaguskarzinom ausbilden.

Die Prognose der Refluxkrankheit wird nicht nur durch lokale Komplikationen sondern zudem auch durch örtlich entfernte Komplikationen bestimmt. Von besonderer Bedeutung sind dabei die chronisch obstruktive Lungenkrankheit und eine rezidivierende Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

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Verweise

Barrett-Ösophagus
Barrett-Karzinom
Cardiainsuffizienz
Hiatusinsuffizienz
NERD und ERD
GERD
Sodbrennen
Husten

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 

Literatur

Literatur
1 Z Gastroenterol 2014; 52: 1299-1346
2 Gastroenterology 2003; 124 (Suppl 1): A226
3 Gastroenterology 2001; 120: 1599-1606
4 Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2016;13:281–294
5 Arch Intern Med 2003; 163: 41-45
6 JAMA 2001; 285: 2331-2338
7 Gastroenterology 2001; 121: 5-14
8 Dtsch Arztebl 2002; 99: A 859-866
9 Gastroenterology Res. 2018 Jun;11(3):161-173. doi: 10.14740/gr1024w. Epub 2018 May 31. PMID: 29915626; PMCID: PMC5997468.
10 Med Devices (Auckl). 2018 Aug 31;11:291-300. doi: 10.2147/MDER.S113679. PMID: 30214323; PMCID: PMC6124788.
11 World J Clin Cases. 2020 Jan 26;8(2):294-305. doi: 10.12998/wjcc.v8.i2.294. PMID: 32047777; PMCID: PMC7000944.
12 Endosc Int Open. 2021 Sep 16;9(10):E1549-E1555. DOI: 10.1055/a-1535-1279.
13 Cureus. 2022 Aug 29;14(8):e28563. doi: 10.7759/cureus.28563
14 Am J Gastroenterol 2006; 102: 2457-62
15 Dtsch Arztebl 2002; 99: A 1754-1759