Pankreaskarzinom

Therapie

Operation

Bei frühzeitiger Erkennung in den Stadien I und II kann eine operative Therapie angestrebt werden (Whipple-Operation, Pylorus erhaltende Pankreasresektion. Meist zeigen sich intraoperativ Lymphknotenmetastasen, die zuvor nicht darstellbar waren, so dass eine kurative Behandlung nur sehr eingeschränkt möglich ist. Gelingt eine R0-Resektion, liegt dennoch die mittlere Lebenserwartung bei 1 – 1½ Jahren und die 5-Jahresüberlebensrate unter 20%.

Eine neue Methode stellt die Kryoresektion mit Einlage von Jod-125 zur lokalen Radiotherapie dar. Das mittlere Überleben stieg auf 16,2 Monate, etwa die Hälfte der Patienten überlebte 12 Monate oder mehr. Die Überlebensrate nach 2 Jahren lag bei fast 23% und nach 3 Jahren bei 9%). 1)World J Gastroenterol. Dec 21, 2012; 18(47): 7056–7062

Eine palliative Operation kann bei Magenausgangs- oder Duodenalstenose erforderlich werden.

Endoskopische Therapiemöglichkeiten

Endoskopische Verfahren können zur Galleableitung bei Tumorkompression des distalen Choledochus (Stenteinlage) eingesetzt werden (ERCP mit Papillotomie und Galledrainage bzw. Stenteinbringung).

Strahlentherapie

Sie ist als alleinige Therapie oder in Kombination mit einer Operation nicht erfolgversprechend. Eine kombinierte Radiochemotherapie kann Vorteile bringen. Eine Schmerzbestrahlung kann indiziert sein.

Chemotherapie

Die heutigen Maßstäbe für die Therapieindikation berücksichtigen nicht nur das objektive Ansprechen, sondern auch die Symptomlinderung (clinical benefit response, CBF). 2)Storniolo A.M. et al. Cancer 1999; 85: 1261-1268

Gemcitabin: Das Pankreaskarzinom spricht insgesamt schlecht auf Chemotherapie an. Gemcitabin scheint in einigen Fällen (ca. 20%) die Symptomatik verbessern und den Verlauf verlangsamen zu können und gilt seit vielen Jahren als Erstlinien-Standardtherapie 3)Oncology (Williston Park). 2014 Jan;28(1):70-4.. Eine Heilung ist nicht erzielbar.

Kombinationstherapien: Um die Wirksamkeit einer Gemcitabin-Monotherapie zu erhöhen, können Kombinationen angewandt werden, so z. B. Gemcitabin plus Erlotinib oder Gemcitabin plus nab-Paclitaxel. Allerdings ist das Pankreaskarzinom vielfach primär resistent gegen Gemcitabin oder wird es im Therapieverlauf. Daher sind Alternativen gefragt, die individuell angeboten werden können. Solch eine Alternative ist das Multidrug-Regime von Leucovorin, Fluorouracil, Irinotecan und Oxaliplatin (FOLFIRINOX). 4)Oncology (Williston Park). 2014 Jan;28(1):70-4.

nab-Paclitaxel: Dieses in Mikropartikeln Albumin-gebundene Präparat kombiniert mit Gemcitabin verbessert das Ansprechen des metastasierenden Pankreaskarzinoms (Gesamtüberleben, progressionfreies Überleben und Ansprechrate) signifikant. Das mittlere progressionsfreie Überleben verlängerte sich von 3,7 Monate (Gemcitabin-Gruppe) auf 5,5 Monate (Kombinationsgruppe). Das Gesamtüberleben steigerte sich von 22% auf 35% nach 1 Jahr. Als bedeutende Nebenwirkungen traten gehäuft eine periphere Neuropathie und eine Knochenmarkschädigung auf. 5)N Engl J Med. 2013 Oct 31;369(18):1691-703

Nanoliposomales Irinotecan zusammen mit Fluoruracil und Folinsäure: Eine Phase-3-Studie weist nach, dass in Fällen einer vorherigen Gemcitabin-basierten Therapie eine nachfolgende Therapie mit nanoliposomalem Irinotecan plus mit Fluoruracil (FU) und Folinsäure zu einem nochmaligen Ansprechen führt mit einer Verlängerung des Überlebens um etwa 2 Monate (6,1 vs. 4,2 Monate) gegenüber alleiniger FU/Folinsäure-Therapie. Die Nebenwirkungen umfassen vor allem Neutropenie (27%), Diarrhö (13%), Erbrechen (11%) und Abgeschlagenheit (14%) 6)Lancet 2016; 387: 545-57.

Rindenextrakt des Amur-Korkbaums: Der „Phellodendron amurense Bark Extract“ hat exzellente Antitumor-Eigenschaften beim Pankreaskarzinom durch selektive Modulation des Entzündungssignalwegs (via STAT3/NF?B/Cox-2). 7)Clin Cancer Res. 2013 DOI: 10. 1158/1078-0432-CCR-13-1664 Als dafür verantwortliche Substanz ist Berberin identifiziert worden 8)Mol Cell Biochem. 2014 Sep;394(1-2):209-15. Therapiestudien dazu fehlen noch.

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Schmerztherapie

Bei Befall des Plexus coeliacus können erhebliche Schmerzen auftreten, die ein intensives Schmerzschema erfordern (z. B. das WHO-Stufenschema). Basis sind meist Opioide (Retardform + kurzzeitig wirksame Rescue-Medikamente, ggf. parenterale Zufuhr über Pumpen als patientenkontrollierte Analgesie), Fentanyl-Pflaster), ggf. Plexusverödung durch CT-gesteuerte Alkoholinjektion. Adjuvant Antidepressiva, Antiemetika und Laxantien.

Behandlung der Gewichtsabnahme

Der oft ausgeprägten Gewichtsabnahme kann offenbar durch Substitution von Pankreasenzymen engegengewirkt werden. 9)Nature Volume 558, pages600–604 (2018https://www.nature.com/articles/s41586-018-0235-7

Neue Entwicklungen

Onkolytische Viren können helfen, Tumorzellen selektiv zu bekämpfen. 10) 2012 Oct;16(10):945-58. doi: 10.1517/14728222.2012.712962 Inzwischen ist demonstriert worden, dass onkolytische Mutanten von Adenoviren (Ad5-3Δ-A20T) hochselektiv Zellen eines Pankreaskarzinoms befallen, die den αvβ6-Integrinrezeptor exprimieren, was die meisten Tumore dieser Art tun. Es wird angenommen, dass dies für eine Therapieoptimierung ausgenutzt werden kann. 11) 2018 Jan 24. doi: 10.1158/1535-7163.MCT-17-0671. Ähnliche Entwicklungen erfolgen auch für andere Tumore, wie für das Ovarialkarzinom 12) 2016 May 10;7(19):27926-37. doi: 10.18632/oncotarget.8545.

Hemmung der Makropinozytose: Das Pankreaskarzinom ist durch die Bildung von Narbengewebe (kollagenem Bindegewebe) gekennzeichnet, welches die eigene Durchblutung behindert. Auch Medikamente können schlecht die Tumorzellen erreichen. Um selbst jedoch dort gut gedeihen zu können, versorgen sich die Krebszellen über eingestülpte Bläschen („Makropinozytose“). Seit man das erkannt hat, denkt man über einen neuen Therapieansatz nach: Könnte man diesen Prozess selektiv hemmen, so könnte man die Zellen „verhungern“ lassen. 13)Scand J Gastroenterol. 2021 Feb;56(2):177-179. DOI: 10.1080/00365521.2020.1855471. Epub 2020 Dec 5. … Continue reading


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Verweise

Fachinfos

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Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

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Literatur

Literatur
1 World J Gastroenterol. Dec 21, 2012; 18(47): 7056–7062
2 Storniolo A.M. et al. Cancer 1999; 85: 1261-1268
3, 4 Oncology (Williston Park). 2014 Jan;28(1):70-4.
5 N Engl J Med. 2013 Oct 31;369(18):1691-703
6 Lancet 2016; 387: 545-57
7 Clin Cancer Res. 2013 DOI: 10. 1158/1078-0432-CCR-13-1664
8 Mol Cell Biochem. 2014 Sep;394(1-2):209-15
9 Nature Volume 558, pages600–604 (2018https://www.nature.com/articles/s41586-018-0235-7
10 2012 Oct;16(10):945-58. doi: 10.1517/14728222.2012.712962
11 2018 Jan 24. doi: 10.1158/1535-7163.MCT-17-0671.
12 2016 May 10;7(19):27926-37. doi: 10.18632/oncotarget.8545.
13 Scand J Gastroenterol. 2021 Feb;56(2):177-179. DOI: 10.1080/00365521.2020.1855471. Epub 2020 Dec 5. PMID: 33280476.