Pankreaskarzinom

Therapie

Operation

Bei frühzeitiger Erkennung in den Stadien I und II kann eine operative Therapie angestrebt werden (Whipple-Operation, pyloruserhaltende Pankreasresektion. Meist zeigen sich intraoperativ Lymphknotenmetastasen, die zuvor nicht darstellbar waren, so dass eine kurative Behandlung nur sehr eingeschränkt möglich ist. Gelingt eine R0-Resektion, liegt dennoch die mittlere Lebenserwartung bei 1 – 1½ Jahren und die 5-Jahresüberlebensrate unter 20%.

Eine neue Methode stellt die Kryoresektion mit Einlage von Jod-125 zur lokalen Radiotherapie dar. Das mittlere Überleben stieg auf 16,2 Monate, etwa die Hälfte der Patienten überlebte 12 Monate oder mehr. Die Überlebensrate nach 2 Jahren lag bei fast 23% und nach 3 Jahren bei 9% [5][6][7]).

Eine palliative Operation kann bei Magenausgangs- oder Duodenalstenose erforderlich werden.

Endoskopische Therapiemöglichkeiten

Endoskopische Verfahren können zur Galleableitung bei Tumorkompression des distalen Choledochus (Stenteinlage) eingesetzt werden (ERCP mit Papillotomie und Galledrainage bzw. Stenteinbringung).

Strahlentherapie

Sie ist als alleinige Therapie oder in Kombination mit einer Operation nicht erfolgversprechend. Eine kombinierte Radiochemotherapie kann Vorteile bringen. Eine Schmerzbestrahlung kann indiziert sein.

Chemotherapie

Die heutigen Maßstäbe für die Therapieindikation berücksichtigen nicht nur das objektive Ansprechen, sondern auch die Symptomlinderung (clinical benefit response, CBF) [8].

Gemcitabin: Das Pankreaskarzinom spricht insgesamt schlecht auf Chemotherapie an. Gemcitabin scheint in einigen Fällen (ca. 20%) die Symptomatik verbessern und den Verlauf verlangsamen zu können und gilt seit vielen Jahren als Erstlinien-Standardtherapie. [9]. Eine Heilung ist nicht erzielbar.

Kombinationstherapien: Um die Wirksamkeit einer Gemcitabin-Monotherapie zu erhöhen, können Kombinationen angewandt werden, so z. B. Gemcitabin plus Erlotinib oder Gemcitabin plus nab-Paclitaxel. Allerdings ist das Pankreaskarzinom vielfach primär resistent gegen Gemcitabin oder wird es im Therapieverlauf. Daher sind Alternativen gefragt, die individuell angeboten werden können. Solch eine Alternative ist das Multidrug-Regime von Leucovorin, Fluorouracil, Irinotecan und Oxaliplatin (FOLFIRINOX) [10].

nab-Paclitaxel: Dieses in Mikropartikeln Albumin-gebundene Präparat kombiniert mit Gemcitabin verbessert das Ansprechen des metastasierenden Pankreaskarzinoms (Gesamtüberleben, progressionfreies Überleben und Ansprechrate) signifikant. Das mittlere progressionsfreie Überleben verlängerte sich von 3,7 Monate (Gemcitabin-Gruppe) auf 5,5 Monate (Kombinationsgruppe). Das Gesamtüberleben steigerte sich von 22% auf 35% nach 1 Jahr. Als bedeutende Nebenwirkungen traten gehäuft eine periphere Neuropathie und eine Knochenmarkschädigung auf [11].

Nanoliposomales Irinotecan zusammen mit Fluoruracil und Folinsäure: Eine Phase-3-Studie weist nach, dass in Fällen einer vorherigen Gemcitabin-basierten Therapie eine nachfolgende Therapie mit nanoliposomalem Irinotecan plus mit Fluoruracil (FU) und Folinsäure zu einem nochmaligen Ansprechen führt mit einer Verlängerung des Überlebens um etwa 2 Monate (6,1 vs. 4,2 Monate) gegenüber alleiniger FU/Folinsäure-Therapie. Die Nebenwirkungen umfassen vor allem Neutropenie (27%), Diarrhö (13%), Erbrechen (11%) und Abgeschlagenheit (14%) 1)Lancet 2016; 387: 545-57.

Rindenextrakt des Amur-Korkbaums: Der “Phellodendron amurense Bark Extract” hat exzellente Antitumor-Eigenschaften beim Pankreaskarzinom durch selektive Modulation des Entzündungssignalwegs (via STAT3/NF?B/Cox-2) [12][13]. Als dafür verantwortliche Substanz ist Berberin identifiziert worden [14]. Therapiestudien dazu fehlen noch.

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Schmerztherapie

Bei Befall des Plexus coeliacus können erhebliche Schmerzen auftreten, die ein intensives Schmerzschema erfordern (z. B. das WHO-Stufenschema). Basis sind meist Opiode (Retardform + kurzzeitig wirksame Rescue-Medikamente, ggf. parenterale Zufuhr über Pumpen als patientenkontrollierte Analgesie), Fentanyl-Pflaster), ggf. Plexusverödung durch CT-gesteuerte Alkoholinjektion. Adjuvant Antidepressiva, Antiemetika und Laxantien.

Behandlung der Gewichtsabnahme

Der oft ausgeprägten Gewichtsabnahme kann offenbar durch Substitution von Pankreasenzymen engegengewirkt werden. 2)Nature Volume 558, pages600–604 (2018) https://www.nature.com/articles/s41586-018-0235-7

Neue Entwicklung

Onkolytische Viren können helfen, Tumorzellen selektiv zu bekämpfen. 3) 2012 Oct;16(10):945-58. doi: 10.1517/14728222.2012.712962 Inzwischen ist demonstriert worden, dass onkolytische Mutanten von Adenoviren (Ad5-3Δ-A20T) hochselektiv Zellen eines Pankreaskarzinoms befallen, die den αvβ6-Integrinrezeptor exprimieren, was die meisten Tumore dieser Art tun. Es wird angenommen, dass dies für eine Therapieoptimierung ausgenutzt werden kann. 4) 2018 Jan 24. doi: 10.1158/1535-7163.MCT-17-0671. Ähnliche Entwicklungen erfolgen auch für andere Tumore, wie für das Ovarialkarzinom 5) 2016 May 10;7(19):27926-37. doi: 10.18632/oncotarget.8545.


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Verweise

Fachinfos


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Patienteninfos

Literatur

  1. ? Clin Gastroenterol Hepatol. 2008 Oct; 6(10):1155-61
  2. ? Curr Opin Gastroenterol. 2013 Sep;29(5):537-43
  3. ? Dtsch Arztebl 2002; 99: A2489-2495
  4. ? Watanabe H. Pancreas 1998; 17: 341-347
  5. ? World J Gastroenterol. 2008;14:1603–1611
  6. ? World J Gastroenterol. Dec 21, 2012; 18(47): 7056–7062
  7. ? Gland Surg. 2013 May;2(2):91-9
  8. ? Storniolo A.M. et al. Cancer 1999; 85: 1261-1268
  9. ? Oncology (Williston Park). 2014 Jan;28(1):70-4.
  10. ? Oncology (Williston Park). 2014 Jan;28(1):70-4
  11. ? N Engl J Med. 2013 Oct 31;369(18):1691-703.
  12. ? Clin Cancer Res. 2013 DOI: 10. 1158/1078-0432-CCR-13-1664
  13. ? Oncotarget. 2014 May 15;5(9):2529-41
  14. ? Mol Cell Biochem. 2014 Sep;394(1-2):209-15

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Lancet 2016; 387: 545-57
2. Nature Volume 558, pages600–604 (2018) https://www.nature.com/articles/s41586-018-0235-7
3. 2012 Oct;16(10):945-58. doi: 10.1517/14728222.2012.712962
4. 2018 Jan 24. doi: 10.1158/1535-7163.MCT-17-0671.
5. 2016 May 10;7(19):27926-37. doi: 10.18632/oncotarget.8545.