Mukoviszidose

Klinisches Erscheinungsbild

Die Symptome und Komplikationen sind wesentlich durch die Zähigkeit des Schleims bestimmt, die durch den Chloridkanal-Defekt zustande kommt. Da sein Abtransport durch Ausführgänge und über Schleimhäute stark erschwert ist, sammelt er sich am Ort seiner Bildung an; er verstopft Ausführgange und bietet einen Nährboden für Infektionen.

Die Symptomatik einer Mukoviszidose kann sehr vielfältig sein. Sie richtet sich nach der Schwere, mit der die einzelnen Organe und Gewebe betroffen sind. Eine Lungen- und Pankreasbeteiligung findet sich beispielsweise in 80-90%, eine Leberbeteiligung in 18-37%. Erste Symptome können bereits gleich nach der Geburt offenbar werden.

  • Magendarmtrakt: Typisch ist ein Mekoniumileus beim Neugeborenen und eine später weiter bestehende Neigung zu schwerer Verstopfung.
  • Leber: Zäher Schleim in den Gallenwegen führt zur Gelbsucht (Ikterus) bei Gallestau (Cholestase). Sie mündet rasch in eine Vernarbung der Leber (Leberzirrhose). Dazu siehe hier. Ein bei einer Mukoviszidose häufiger Vitamin-A-Mangel kann zu einer schleichenden Fibrosierung bis hin zur Leberzirrhose führen (siehe hier).
  • Genitaltrakt: Infertilität tritt bei 95% der Männer und 20 % der Frauen auf. Daran beteiligt ist wahrscheinlich ein Mangel an Vitamin E.

Es gibt eine erst im Erwachsenenalter manifest werdende CF-Form, an die bei Azoospermie und rezidivierenden Pseudomonas-Bronchopneumonien gedacht werden muss (Sicherung durch Schweißtest und molekulargenetische Diagnostik).

Die Mukoviszidose wird durch immer wiederkehrende Infektionen der Lungen und des Bronchialsystems kompliziert. Eines der großen Probleme besteht in der Antibiotikaresistenz der Erreger, insbesondere von Pseudomonas aeroginosa.

Diagnostik

Anlass für eine Diagnostik sind klinisch hinweisende Symptome bei Neugeborenen wie ein Mekonium-Ileus oder ein prolongierter, sonst nicht erklärlicher Ikterus oder Lungensymptome, so auch bei Kindern und Jugendlichen wiederholte bronchopulmonale Infekte und eine Wachstumsverzögerung.

Der Schweißtest sichert die Diagnose. Er gilt als Goldstandard 1)J Pediatr. 2015 Jun;166(6):1337-41. Nach Stimulation mit Pilocarpin werden mindestens 75 Mikroliter durch Mikropipetten für die Chloridanalyse gewonnen. Der Normalwert für NaCl liegt zwischen 5 und 55 mmol/l. Gefordert werden drei Tests mit Werten über 60 mmol/l. Ein Wert über 80 mmol/l gilt als beweisend. Im Grenzbereich zwischen 40-60 mmol/l sollte bei klinischem Hinweis eine DNA-Analyse erfolgen.

Das immunreaktive Trypsin (IRT) im Blut ist bei Neugeborenen mit Mukoviszidose erhöht. Allerdings ist es nicht sehr spezifisch, so dass eine Reihe falsch positiver Befunde zu Kontrolluntersuchungen veranlassen 2)JIMD Rep. 2012;4:17-23 3)J Pediatr. 2015 Jun;166(6):1337-41.

Genetische Untersuchungen: sie prüfen auf eine abnorme Ausprägung des Chloridkanals der Drüsenzellen. Die Mutation des CFTR-Gens Phe508del führt zu einem völligen Verlust der Fähigkeit zum Cl-Transport; andere Mutationen zu einer verminderten Funktion (so z. B. G551D) 4)Int J Biochem Cell Biol. 2014 Jul; 52():26-38.

CRMS bei nicht eindeutigen Befunden

Wenn die Ergebnisse der Tests nicht übereinstimmen oder Graubereich liegen, werden der Term „CRMS“ für „CFTR-related metabolic syndrome“ 5)J Pediatr. 2009 Dec;155(6 Suppl):S106-16 6)J Pediatr. 2015 Jun;166(6):1337-41 und auch „CFSPID“ für „Cystic Fibrosis Screen Positive, Inconclusive Diagnosis“ vorgeschlagen 7)J Cyst Fibros. 2015 Jan 24. pii: S1569-1993(15)00003-X. doi: 10.1016/j.jcf.2015.01.001..

Pränatale Diagnostik

Eine pränatale Diagnostik der Mukoviszidose erfolgt durch Chorionbiopsie (10. – 14. Schwangerschaftswoche) oder Amniozentese (12. – 16. Schwangerschaftswoche). Sie wird indiziert, wenn ein Geschwister an Mukoviszidose leidet und ein Schwangerschaftsabbruch zur Diskussion steht. Voraussetzung ist die Analyse der in Frage stehenden Mutation (Mutation CFTR Phe508del) durch Untersuchung des erkrankten Geschwisters und der Eltern.


Literatur   [ + ]

1, 3, 6. J Pediatr. 2015 Jun;166(6):1337-41
2. JIMD Rep. 2012;4:17-23
4. Int J Biochem Cell Biol. 2014 Jul; 52():26-38
5. J Pediatr. 2009 Dec;155(6 Suppl):S106-16
7. J Cyst Fibros. 2015 Jan 24. pii: S1569-1993(15)00003-X. doi: 10.1016/j.jcf.2015.01.001.