Morbus Crohn – einfach erklärt

Welche Verlaufsformen des Morbus Crohn auftreten können

Der Morbus Crohn verläuft bei jedem Betroffenen etwas anders ab. Es gibt leichte und sehr schwere Verläufe und alle möglichen Zwischenformen.

Leichte Verläufe haben meist eine späte Erstmanifestation, eine nur eine milde Symptomatik und nur wenige Schübe. Bei ihnen treten schwerwiegende Komplikationen nicht auf. Die Darmwand erscheint sonographisch nicht oder kaum verdickt, und endoskopisch finden sich oft nur kleine oberflächliche Schleihautdefekte (Aphthen).

Schwere Verläufe treten dagegen oft schon in der Jugend auf, manchmal gleich nach der Pubertät. Und sie neigen zu häufigen Schüben und Komplikationen. Sonographisch erkennt man eine oder mehrere Darmsegmente, die eine deutlich verdickte Wand mit einer vermehrten Durchblutung aufweisen. In diesen Bereichen ist das Darmlumen sehr eng und kann durch Nahrungsbestandteile verstopfen, so dass ein Darmverschluss (Ileus) eintritt.

Welche Komplikationen es am Magendarmtrakt gibt

Komplikationen, die bei schweren Verläufen zu gewärtigen sind, betreffen einerseits den Magendarmtrakt selbst, aber auch Organe und Strukturen außerhalb des Darms. Dies sind die „extraintestinalen Manifestationen“.

Die häufigsten und gravierendsten Darmkomplikationen sind folgende:

  • Subileus und Ileus: dies beruht auf einer so starken Verengung des Darmlumens, dass der Darminhalt kaum noch oder nicht mehr hindurchgepresst werden kann. Es kommt zu extrem starken und krampfartigen Bauchschmerzen. Mehr dazu siehe hier.
  • Fistel nach außen und im Bauchraum: Durch die die gesamte Darmwand durchsetzende Entzündung kommt es zu Verklebungen zwischen Darmschlingen; es bilden sich vom Lumen her eitrige Straßen in die entzündete Darmwand hinein und darüber hinaus in die angrenzende Darmschlinge hinein oder durch die Bauchdecke nach außen. Die eitrigen Straßen (Fisteln) können sich aufzweigen und miteinander kommunizieren. In einem verbackenen Konglomerat von Darmschlingen und Gekröse (Netz) entsteht ein Fistelnetzwerk („Fuchsbau“), das als derber Tumor durch die Bauchdecke hindurch tastbar werden kann, und das konservativ, d. h. ohne Operation, kaum zur Heilung zu bringen ist.
  • Perianale Fisteln: Eiterstraßen können auch vom Darmausgangskanal ausgehen und durch den Schließmuskel des Afters nach außen führen. Solche Fisteln nässen ständig und können beim Sitzen wie beim Stuhlgang wehtun.
  • Bei einem ausgedehnten Befall des Dickdarms kann im Laufe der Jahre Dickdarmkrebs entstehen.

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Welche Komplikationen es außerhalb des Magendarmtrakts gibt

Die häufigsten komplizierenden Manifestationen des Morbus Crohn außerhalb des Darms (“extraintestinale Manifestationen“) sind folgende:

  • Gelenkentzündung (Arthritis): Im Rahmen eines Morbus Crohn kann es zu einer Entzündungsreaktion an einem oder mehreren Gelenken kommen, die ein ähnliches Beschwerdebild verursachen wie eine rheumatoide Arthritis.
  • Sacroileitis: Es treten gelegentlich Kreuzschmerzen auf, die einem Morbus Bechterew entsprechen.
  • Pyoderma gangraenosum: An der Haut können sich auch ohne Kontakt mit dem Darm eitrige Pusteln bilden, die einbluten können und zentral einschmelzen.
  • Iridozyclitis: In Begleitung eines Morbus Crohn kann eine schmerzhafte Augenentzündung auftreten.
  • Vitamin-B12-Mangel: Er tritt auf, wenn der unterste Teil des Dünndarms ausgedehnt befallen oder chirurgisch entfernt worden ist. Er kann zu Blutbildveränderungen und Nervenstörungen führen.
  • Primär sklerosierende Cholangitis (PSC): Diese zunächst nicht eitrige Entzündung der Gallenwege führt frühzeitig zu multiplen narbigen Verengungen in ihrem gesamten Verlauf, wie man bei einer bildlichen Darstellung durch eine MR-Cholangiographie (spezielle MRT-Methode) erkennen kann. Dadurch kann es zu einem Gallestau mit Gelbsucht (Ikterus) und zu einer sekundär eitrigen und fieberhaften Gallengangsentzündung (eitrige Cholangitis) kommen. Eine Heilung ist nicht möglich; eine Erweiterung der narbigen Verengungen durch einen Ballonkatheter kann einer Gelbsucht vorbeugen. Mehr dazu siehe hier.

Morbus Crohn in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sollte der Morbus Crohn weiter behandelt werden. Die meisten, der heutigen Behandlungsmaßnahmen sind nach vorliegenden Erkenntnissen nicht oder weniger schädlich als eine Verschlechterung der Krankheit. Vor Methotrexat allerdings muss explizit gewarnt werden, da es Fruchtschäden verursachen kann. Auf jeden Fall sollte die Schwangere unbedingt nicht rauchen und sich möglichst gesund ernähren, wobei eine vegetarische oder halbvegetarische Kost zu einem deutlich verbesserten Verlauf des Morbus Crohn beiträgt. Mehr zu Morbus Crohn und Schwangerschaft siehe hier.