Mammakarzinom

Diagnostik des Mammakarzinoms

Ein bereits vorhandenes Mammakarzinom muss hinsichtlich seiner Metastasierung untersucht werden. Metastasen (Tochtergeschwülste) breiten sich zunächst in lokoregionären Lymphknoten der Axilla und des Thorax aus. Sie sind durch Computertomographie meist gut erkennbar. Organmetastasen befinden sich insbesondere in Lungen, Leber und Knochenmark und müssen dort gesucht werden. Folgende Untersuchungsmethoden werden dazu eingesetzt:

Sonographie: Lebermetatstasen eines Mammakarzinoms

Zur Verlaufskontrolle des Mammakarzinoms dienen die Tumormarker CEA (karzinoembyonales Antigen) und CA 15-3.

Eine genetische Diagnostik bezüglich einer erhöhten genetischen Veranlagung zu Brustkrebs wird für alle Frauen empfohlen, die ein erhöhtes familiäres Risiko aufweisen 1) 2016 Oct;95(40):e4975 2) 2017 Oct 6;12(10):e0184181. doi: 10.1371/journal.pone.0184181..

Histologie

Die feingewebliche Untersuchung (Histologie) des Mammakarzinoms (durch Stanzbiopsie oder Operation gewonnen) ergibt Aussagen zum Tumortyp (intraduktales Karzinom, lobuläres Karzinom) und zur Expression von Hormonrezeptoren. Untersucht wird i.d.R. auf Östrogenrezeptoren (ER), Progesteronrezeptoren (PgR) und HER2-Rezeptoren (einen speziellen Typ von Rezeptoren gegen humanen epidermalen Wachstumsfaktor). Etwa 20-25% der Mammakarzinome ist HER2-positiv, davon exprimiert die Hälfte Östrogen- oder Progesteronrezeptoren. HER2- und ER-positive Tumore machen damit etwa 10% der Fälle aus 3)Ther Adv Med Oncol. 2016 Nov; 8(6): 429–449.

Typen

  • Das invasive duktale Karzinom ist das häufigste Mammakarzinom; es mach über 2/3 der invasiv wachsenden Mammakarzinome aus.
  • Das invasive lobuläre Karzinom macht etwa 10-15% aus. Es hat etwa die gleiche Prognose wie das duktale Karzinom.
  • Das muzinöse Karzinom ist selten (ca. 2-3%); es hat eine relativ gute Prognose mit eine 10-Jahres-Überlebensrate von über 80%.
  • Das medulläre Karzinom macht 5-10% aus und betrifft eher jüngere Frauen; es hat ebenfalls eine relativ gute Prognose mit eine 10-Jahres-Überlebensrate von um die 80%.
  • Seltene Formen sind das tubuläre Karzinom und das papilläre Karzinom, letzteres fällt oft durch blutige Sekretion aus der Mamille auf. Die Prognosen sind relativ gut.

Rezeptoren

Östrogene regen das Tumorwachstum an, wenn Östrogenrezeptoren im Mammakarzinom vorhanden sind, was in etwa 2/3 der Fälle der Fall ist. Durch Antiöstrogene kann daher das Wachstum gebremst werden. Daher ist der Nachweis der Östrogenrezeptoren bedeutsam.

Sind Her2-Rezeptoren (Rezeptoren für einen epidermalen Wachstumsfaktor) immunhistochemisch (oder durch FISH = Fluorescenz-in-situ-Hybridisierung des Her2-Gens) im Mammakarzinom nachweisbar, kommen als Therapie Trastuzumab (Herceptin ®) und Pertuzumab (Perjeta®) in Frage. Eine Überexpression an Her2-Rezeptoren, wie sie in bis zu 25% der Mammakarzinome vorliegt, bedeutet starke Wachstumsanregung und damit hohe Wachstumsrate, also bisher ein eher schlechtes prognostisches Zeichen. Mit den neuen Antikörpern verbessern sich die Therapiechancen deutlich.


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Stadieneinteilung

Das Mammakarzinom wird nach der TNM-Klassifikation eingeteilt. Es werden der Tumor und seine lokale Ausbreitung (T), die Lymphknotenmetastasen (N) und die Fernmetastasen (M) berücksichtigt.

Einteilung des Primärtumors:

  • pTx Primärtumor kann nicht beurteilt werden
  • pT0 kein Anhalt für Primärtumor
  • pTis Carcinoma in situ
  • pT1 Tumor 2 cm oder weniger
    • pT1a 0,5 cm oder weniger
    • pT1b mehr als 0,5 cm, aber nicht mehr als 1 cm
    • pT1c mehr als 1 cm, aber nicht mehr als 2 cm
  • pT2 Tumor mehr als 2 cm, aber nicht mehr als 5 cm
  • pT3 Tumor mehr als 5 cm
  • pT4 Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf Brustwand oder Haut
    • pT4a mit Ausdehnung auf die Brustwand
    • pT4b mit Ödem (einschließlich Apfelsinenhaut), Ulzeration der Brusthaut oder Satellitenmetastasen der Haut
    • pT4c Kriterien 4a und 4b gemeinsam
    • pT4d entzündliches (inflammatorisches) Karzinom

Prognose

Die Überlebensraten beim Mammakarzinom korrelieren umgekehrt mit der Größe des Primärtumors und der Lymphknotenmetastasierung. 4)Cancer 1989; 63: 181–187

  • Bei einer Tumorgröße von unter 2 cm ohne Lymphknotenmetastasierung liegt sie bei über 95%.
  • Bei einer Tumorgröße von über 5 cm mit über 3 Lymphknotenmetastasen liegt sie bei 45%.

Wenn Fernmetastasen vorliegen, muss mit einer mittleren Überlebenszeit von 2-3 Jahren gerechnet werden.

Der BRCA-Status hat großen Studien zufolge keinen Einfluss auf das 5- und 10-Jahresüberleben. Nach durchschnittlich 8,2 Jahren wurde bei jungen Fauen unter 40 Jahren ein Überleben von 76% gefunden 5)The Lancet Oncology 11 January 2018; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(17)30891-4. In einer anderen Studie lag das Überleben in einer Studiengruppe im alter unter 50 Jahren nach 10 Jahren mit BRCA-1-Mutation bei 80,9%, ohne die Mutation bei 82,2% 6) 2013 Sep 10;31(26):3191-6. doi: 10.1200/JCO.2012.45.3571.

Eine BRCA-Positivität erhöht das Risiko für einen erneuten Tumor in derselben oder kontralateralen Brust sowie für ein Ovarialkarzinom. Daher wird die Prognose nach Operation eines Mammakarzinoms deutlich verbessert, wenn bei BRCA-positiven Frauen eine Oophorektomie (Eierstockentfernung) durchgeführt wird. In einer Studie reduzierte sich die gesamte und die Brustkrebs-spezifische Mortalität dadurch signifikant (hazard ratio (HR) 0,41) 7) 2016 Apr;156(2):371-8. doi: 10.1007/s10549-016-3749-4. Auch andere Untersuchungen zeigen eine mindestens ebenso hohe Risikoreduzierung 8) 2014 May 20;32(15):1547-53. doi: 10.1200/JCO.2013.53.2820..

Untersuchungsbefund

Beim Mammakarzinom findet man je nach Stadium einen tastbaren Knoten, eine eingezogene Mamille, eine Brustverziehung (neu aufgetretene Asymmetrie zur anderen Brust), eine Orangenhaut (Peau d’Orange, bei Hautinfiltration), einen ulzerierenden Tumor, tastbare infraklavikuläre, supraklavikuläre und axiläre Lymphknoten (schmerzlos, bei Lymphknotenmetastasen).

Siehe auch Brustkrebs in Bildern.

(Bitte umblättern)


Literatur   [ + ]

1. 2016 Oct;95(40):e4975
2. 2017 Oct 6;12(10):e0184181. doi: 10.1371/journal.pone.0184181.
3. Ther Adv Med Oncol. 2016 Nov; 8(6): 429–449
4. Cancer 1989; 63: 181–187
5. The Lancet Oncology 11 January 2018; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(17)30891-4
6. 2013 Sep 10;31(26):3191-6. doi: 10.1200/JCO.2012.45.3571
7. 2016 Apr;156(2):371-8. doi: 10.1007/s10549-016-3749-4
8. 2014 May 20;32(15):1547-53. doi: 10.1200/JCO.2013.53.2820.