Magenkarzinom

Therapie des Magenkarzinoms

Die Behandlung des Magenkarzinoms richtet sich nach dem Stadium. Im auf die Mukosa beschränkten Frühstadium kann eine endoskopische Mukosektomie ausreichen. In den Stadien Ib-IV wird in der Regel operiert. Indikationen sind in frühen Stadien eine mögliche Heilung, in späteren eine Reduktion der Tumormasse, eine Reduktion eines Blutungsrisikos und in manchen Fällen eine Tumorstenose.

In den Stadien Ib und II kann eine adjuvante präoperative Chemotherapie die Chance auf eine R0-Resektion (operative Heilung) verbessern. Ziel ist es dabei, bereits vorhandene Mikrometatstasen zu eradizieren 1)World J Gastroenterol. 2015 Nov 7; 21(41): 11609–11620.

In den Stadien III und IV verbessert eine adjuvante Radiochemotherapie das mittlere Überleben signifikant.

Neue Therapien zielen auf Signalwege, deren Störung nach neuen Erkenntnissen zur Entwicklung eines Magenkarzinoms führen. Inzwischen werden Hemmer folgender Signalwege therapeutisch geprüft oder eingesetzt:  ErbB, VEGF, PI3K/AKT/mTOR und HGF/MET. Ihnen gilt derzeit die größte Hoffnung und Aufmerksamkeit 2)Oncotarget. 2015 Sep 22;6(28):24750-79.

So verbessert bei HER2-überexprimierenden Patienten die Zugabe von Trastuzumab zur Chemotherapie das Überleben (over all survival) um etwa 2,7 Monate (13,8 vs. 11,1) 3)Lancet. 2010 Aug 28;376(9742):687-97, und Ramucirumab, ein Hemmer der Aussprossung von Tumorgefäßen, um 2,2 Monate (9,6 vs. 7,4), wohingegen allerdings andere Biologika wie Cetuximab keine Verbesserung ergaben 4)Lancet Oncol. 2013 May;14(6):490-9 und wiederum andere, wie Rilotumumab eine zu hohe Letalität aufwiesen 5)World J Gastrointest Oncol. 2015 Nov 15;7(11):317-27.

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Prognose

Das Gesamtüberleben bei einem Magenkarzinom im Stadium IV liegt nach 2 Jahren um 30%. 6) 2016 Mar;17(3):309-18. doi: 10.1016/S1470-2045(15)00553-7.

Die 5-Jahres-Überlebensrate beim Stadium I ist ca. 80%, beim Stadium II ca. 60%, beim Stadium III 30% und beim Stadium IV <5%. Je nach Therapie kann sie davon unterschiedlich sein (siehe hier).

  • TAP: Prognostische Marker sind Tumor-assoziierte aberrant glykosylierte Proteine (TAP). Solche Proteine definieren die Fähigkeiten der Zellen zur Adhäsion und Zell-Zell-Interaktion; ihre Veränderung führt zu einer Verringerung dieser Eigenschaften und führt zu erhöhter Metastasenbildung 7)Cancer Res. 1996 Dec 1;56(23):5309-18.). Eine Erhöhung des TAP-Spiegels bedeutet ein signifikant erhöhtes Risiko für Progredienz und Metastasenbildung. Der TAP-Nachweis bei Patienten mit Magenkarzinom war in einer Studie mit der Reduktion des mittleren Überlebens von 12,6 auf nur 4,2 Monate assoziiert 8)Mol Clin Oncol. 2016 Jul;5(1):216-220.
  • p-stat3: Ein weiterer prognostischer Marker ist p-stat3 (“phosphorylated signal transducer and activator of transcription 3”). Eine Überexpression von p-stat3 zeigt einer Metaanalyse von Studien zufolge eine schlechtere Tumordifferenzierung, eine Lymphknotenmetastasierung und eine schlechteres Überleben an 9)Medicine (Baltimore). 2016 Feb;95(5):e2641. doi: 10.1097/MD.0000000000002641..
  • PrP: Das “Prionprotein” (PrP) ist ein Zelloberflächenprotein auf verschiedenen Zelltypen des Körpers, besonders im Zentralnervensystem (dort führt seine Konversion zum pathologischen PrP(Sc) mit der Selbstvermehrung des Proteins und Bildung zur spongiformen Enzephalitis). In verschiedenen Tumoren wird PrP hochreguliert gefunden, so auch im Magenkarzinom. Seine Überexpression ist mit invasivem Wachstum und Metastasenbildung assoziiert 10)FASEB J. 2006 Sep; 20(11):1886-8. Allerdings nimmt die PrP-Expression mit dem Tumorstadium ab. Die mittelere Überlebenszeit war in einer Studie bei negativer Expression signifikant geringer als bei positiver 11)J Cancer. 2016 May 20;7(8):984-90.

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Verweise

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Allgemeines zum Magen

Literatur

  • Qualitätssicherung in der Onkologie: Diagnose und Therapie maligner Erkrankungen. Deutsche Krebsgesellschaft e.V., W. Zuckschwerdt Verlag München 2000.
  • Hermanek P et al. Nachsorge und Rehabilitation bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren. Dt Ärztebl 1999; 96A: 2084-2088

Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur   [ + ]

1. World J Gastroenterol. 2015 Nov 7; 21(41): 11609–11620
2. Oncotarget. 2015 Sep 22;6(28):24750-79
3. Lancet. 2010 Aug 28;376(9742):687-97
4. Lancet Oncol. 2013 May;14(6):490-9
5. World J Gastrointest Oncol. 2015 Nov 15;7(11):317-27
6. 2016 Mar;17(3):309-18. doi: 10.1016/S1470-2045(15)00553-7.
7. Cancer Res. 1996 Dec 1;56(23):5309-18.
8. Mol Clin Oncol. 2016 Jul;5(1):216-220
9. Medicine (Baltimore). 2016 Feb;95(5):e2641. doi: 10.1097/MD.0000000000002641.
10. FASEB J. 2006 Sep; 20(11):1886-8
11. J Cancer. 2016 May 20;7(8):984-90