Laborwerte bei Leberkrankheiten

Laborwerte bei Leberkrankheiten (weiter)

Cholinesterase

Im Plasma kommt nur die Pseudocholinesterase vor; sie entstammt der Leber und dient als ein Parameter zur Beurteilung ihrer Syntheseleistung. Die Syntheseleistung der Leber kann eingeschränkt sein bei Leberzirrhose, akuter Leberdystrophie, akutem toxischem Leberschaden, akuter Schwangerschaftsfettleber.

Normalbereich 2100 – 7400 U/l

(0,66 – 1,62 (Benzoylcholin-Methode bei 37 Grad))

Erniedrigung

Quick-Wert

Der Quickwert gehört zu den Syntheseleistungsparametern der Leber. Die Bestimmung der Thromboplastinzeit gibt Aufschluss über folgende Faktoren:

Prothrombinkomplex (Faktoren II, VII und X), Faktor V, Fibrinogen.

Bei einem Mangel an einem oder mehreren dieser Faktoren verlängert sie sich.

Sie wird benutzt, um die Syntheseleistung der Leber oder die Therapie mit Cumarinderivaten (z. B. Marcumar, Falithrom) zu kontrollieren. Die Syntheseleistung der Leber kann eingeschränkt sein bei Leberzirrhose, akuter Leberdystrophie, akutem toxischem Leberschaden, akuter Schwangerschaftsfettleber.

Die Thromboplastinzeit wird ausgedrückt in Prozent der Norm (Quick-Wert) oder als Prothrombinratio (INR). Der INR-Wert ist im Gegensatz zum Quick-Wert unabhängig vom verwendeten Reagenz. Er wird daher bevorzugt.

Mehr zum Quick-Wert siehe hier.

Normwerte zwischen 71-120%, Prothrombinratio 0,90-1,15 (INR)

Erniedrigung

  • bei Leberzirrhose
  • bei Therapie mit Cumarin-Derivaten (unter 15% gefährlicher Bereich)

Serum-Eisen

Das Serum-Eisen wird vielfach zur Diagnostik der Hämochromatose und von Anämien verwendet. Berücksichtigt werden muss eine physiologisch mehr oder weniger ausgeprägte Tagesschwankung im Eisenspiegel. Zur Beurteilung des Eisenstoffwechsels wird daher meist auch das Ferritin und die Transferrin-Sättigung zu Hilfe gezogen. (Siehe auch unter Eisen.)

Normbereich: 40 – 160 mg/dl

Erhöhung

Eine Erhöhung des Serum-Eisens findet man bei einer Eisenüberladung des Körpers.

Differentialdiagnosen der Eisenüberladung:

Bei einer Eisenüberladung sind auch Ferritin und die Transferrinsättigung erhöht.

Erniedrigung

  • Mangelernährung,
  • erhöhtem Bedarf (Schwangerschaft),
  • Resorptionsstörung (z.B. Sprue, Kurzdarmsyndrom, Maldigestion von Fleisch),
  • Transferrinerniedrigung (angeboren, Verlust durch die Nieren bei nephrotischem Syndrom),
  • vermehrtem Verlust (gynäkologische, gastrointestinale, sonstige Blutungen),
  • Eisenverteilungsstörungen (chronische Entzündungen, Tumore)

Mehr zu Eisen und seiner klinischen Bedeutung siehe hier und unter Eisenstoffwechsel.

Ferritin

Der Ferritinspiegel im Serum reflektiert in der Regel den Eisengehalt des Körpers. Es wird zur Diagnostik der Hämochromatose und bei Verdacht auf ein Neoplasma verwendet. (Siehe auch unter Ferritin.)

Normbereich 12 und 200 ng/ml,

mit zunehmendem Alter steigt die Obergrenze bis über 500 ng/ml.

Erhöhung:

DD: Tumorferritin

Erniedrigung:

  • bei Eisenmangel

Transferrin

Transferrin ist das Transportprotein des Eisens im Blut. Es ist bei hohem Eisenspiegel stärker mit Eisen gesättigt als bei niedrigem. Es wird zur Diagnostik der Hämochromatose verwendet.

Siehe auch unter Transferrin.

Normbereich: 16 – 45%

Eine Sättigung zwischen 45 und 75% findet man bei einem haploiden Typ einer Hämochromatose. Bei einer Sättigung über 75% ist eine Hämochromatose sehr wahrscheinlich.

Transferrin wird in der Leber gebildet und ist auch ein akute-Phase-Protein. Bei akuten Entzündungen kann die Konzentration von Transferrin im Serum so erhöht sein, daß die Sättigung mit Eisen sinkt. Umgekehrt kann die Syntheseleistung der Leber so stark erniedrigt sein, daß die Sättigung mit Eisen erhöht ist. Die Transferrinsättigung muß daher bezüglich einer Hämochromatose im Zusammenhang mit dem Vorliegen einer akuten Entzündung oder einer Leberzirrhose differenziert bewertet werden.

Serum-Kupfer

Normbereich: 75 – 130 Mikrogramm/dl

Die Bestimmung des Kupfers im Serum ist zur Diagnostik der Wilson Krankheit, einer Kupfer-Speicherkrankheit, erforderlich. Bei ihr findet sich eine erniedrigte Kupferkonzentration im Serum. Ursache ist eine verminderte Coeruloplasmin-Konzentration. Das freie Kupfer im Serum ist dagegen erhöht. Eine erhöhte Konzentration von Kupfer im Serum findet sich bei der Wilson-Krise durch Freiwerden des Kupfers aus den zerfallenden Leberzellen.

Siehe auch unter Kupfer-Stoffwechsel.

Freies Kupfer im Serum

Normalbereich < 10 Mikrogramm/dl

Das nicht an Coeruloplasmin gebundene Kupfer wird rechnerisch aus den Konzentrationen des Kupfers i.S. und des Coeruloplasmins bestimmt.

Beim Morbus Wilson kann die Konzentration von Kupfer im Serum erniedrigt sein; die von freiem, nicht an Proteine (Coeruloplasmin) gebundenen Kupfer ist dagegen erhöht. Das freie Kupfer weist sensitiver auf die Wilson Krankheit hin als das gesamte Kupfer.

Kupferausscheidung i. U.

Kupferausscheidung im 24-Stunden-Urin

Normalbereich 20 – 60 Mikrogramm/24h

Beim Morbus Wilson wird vermehrt Kupfer mit dem Urin ausgeschieden, obwohl das gesamte Serumkupfer erniedrigt ist. Die erhöhte Kupferausscheidung spiegelt die Erhöhung der freien, nicht an Coeruloplasmin gebundenen Kupferfraktion wider.

Kupferausscheidung nach D-Penicillamin

Kupferausscheidung im 6- oder 24-Stunden-Urin nach einmaliger Gabe von 600 mg D-Penicillamin. Typisch für eine Wilson Krankheit ist die Ausscheidung von über 300 Mikrogramm Kupfer i. U./6 h auf eine Dosis von 500 mg D-Penicillamin hin. D-Penicillamin ist ein Chelatbildner, der Kupfer über die Nieren ausscheidungsfähig macht.

Mehr dazu siehe auch unter Kupferstoffwechsel.

Coeruloplasmin

Coeruloplasmin ist das Protein im Blut, welches Kupfer von der Leber zu peripheren Geweben transportiert. Es ist bei M. Wilson in 95% vermindert. (Siehe auch unter Kupfer-Stoffwechsel.)

Normalbereich 25 – 63 mg/dl


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Alpha-Fetoprotein

Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein onkofetales Antigen, dessen Bestimmung zur Erkennung und Verlaufskontrolle eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) und eines Keimzelltumors dient.

Normalbereich < 10 Mikrogramm/l

Gering erhöhte Werte findet man auch bei einer Hepatitis. Nach fulminantem Verlauf kann ein erhöhter AFP-Wert auf eine gute Regeneration hindeuten.