Krankenhausstrukturgesetz und Strukturfonds

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KHSG Neuregelungen und die Bedeutung des Strukturfonds z. B. für den Großraum HB-NI

Impulsvortrag bei der Barmer GEK im Mai 2016
Landesgeschäftsstelle Niedersachsen/Bremen
Frederik Buscher
Senatsrat a.D. c/o Senator für Gesundheit, -RL Versorgungsplanung, Landesangelegenheiten Krankenhauswesen, Psychiatrie und Pflege
System- und Organisationsberatung in der Gesundheitswirtschaft
(erreichbar über kontakt113 at medicoconsult.de)


Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) ist zuallererst ein DRG – Anpassungsgesetz, das die Akzeptanz der DRG – Erlösfinanzierung durch die Einbindung von Qualitätsindikatoren erhöhen soll. Wie es zu einem Gesetz werden kann mit einem relevanten Beitrag zur Strukturänderung durch Überwindung der intersektoralen Grenzen, soll im Zentrum meiner Ausführung stehen.

Dem Versorgungsstrukturgesetz v. 06. 2015 kann dabei die Rolle des Motors zukommen, so die These zu den folgenden Ausführungen.

Überblick zu den Neuregelungen des KHSG

Kurzgefasst
Das KHSG ist primär ein DRG Anpassungsgesetz, das

  • Erkenntnisse über DRG bedingte, wirtschaftliche Fehlanreize in der Krankenhausbehandlung mit einer medizinisch nicht begründbaren Mengenentwicklung aufgreift,
  • qualitätsorientierte Mengen- und Erlösbegrenzungslinien einzieht, (Neubewertung von mengenanfälligen DRG‘s, Fixkostendegressionsabschlag bei Mengenüberschreitung im Vergleich zum Vorjahr, Verbot von Zielvereinbarungen mit Ärzten, die auf Leistungsmengen abstellen…)
  • Qualität zu einem DRG – Erlösfaktor macht durch Zu- / Abschläge sowie Wegfall des Vergütungsanspruchs, wenn definierte Qualitäts-Mindestanforderungen dauerhaft (3 Jahre) nicht erfüllt sind
  • die Betriebskostenfinanzierung verbessert und
  • die Patientensicherheit erhöht.

Das KHSG greift Erkenntnisse über wirtschaftliche Fehlanreize in der DRG-Krankenhausbehandlung mit einer medizinisch nicht begründbaren Mengenentwicklung auf und zieht qualitätsorientierte Mengen- und Erlösbegrenzungslinien zur Erhöhung der Patientensicherheit ein. Mengenanfällige DRG’s werden neu bewertet und sog. Fixkostendegressionsabschläge bei Mengenüberschreitung eingeführt. Krankenhäusern, die mehr Leistungen als zuvor vereinbart erbracht haben, soll der Anteil der fixen Kosten an einer Fallpauschale bei allen abgerechneten Mehrleistungen abgezogen werden.

Das KHSG verbietet zudem Zielvereinbarungen zwischen Geschäftsführungen und Ärzten, die auf Leistungsmengen abstellen und macht Qualität insgesamt zu einem ernst zu nehmenden DRG – Erlösfaktor für Krankenhäuser. Geschäftsführungen sind gut beraten, ihre Erlösstrategie darauf abzustellen. Der Wegfall des Vergütungsanspruchs droht, wenn Qualitätsmindestanforderungen an DRG Leistungen dauerhaft (3 Jahre) nicht erfüllt werden.

Das KHSG trifft Regelungen zur Verbesserung der Betriebskostenfinanzierung durch die Weiterentwicklung der DRG-Finanzierung, ab 2017 lt. InEK (Inst. für das Entgeltsystem im Krkhs.) auch unter Berücksichtigung personalintensiver Pflege. Es sollen bestehende Übervergütungen abgebaut und die DRG – Kalkulationsbasis erweitert werden.

Das Instrument der leistungsbezogenen Zuschläge für Mehrkosten, die sich aus den RL des GBA ableiten lassen, für Notfallversorgung, Zentrumsbildung und Sicherstellung der Versorgung wird verfeinert.

Die Betriebskostenfinanzierung soll sich zudem durch Einführung einer Tarifrefinanzierungsklausel entspannen. Krankenkassen übernehmen zukünftig 50% des tarifbedingten Überschreitungsbetrags bzg. auf die Differenz zum Orientierungswert.

Zur Verbesserung der Patientenversorgung wird die Kooperation zwischen den Notfallambulanzen der KV`en und der Krkhs. durch Einrichtung von Portalpraxen an Krkhs oder andere Formen der Einbindung verpflichtend geregelt.

Zur Erhöhung der Patientensicherheit wird die Lage in der Pflege und der Hygiene mit Förderprogrammen und Zuschlägen verbessert.

Als neuer Leistungsbereich wird die Übergangspflege für Patienten eingeführt, die nach einer Behandlung vorübergehend mit Kurzzeitpflege, häuslicher Krankenpflege und Haushaltshilfe weiter versorgt werden müssen ohne Pflegefall zu sein; ein Erfolg, der auch auf bekannte Initiativen von Frau Rütten in Bremen zurückzuführen ist.

Schließlich soll sich die Krankenhausplanung der Länder an Qualitätsergebnissen von Medizin und Pflege orientieren. Ein Thema, das in seiner Ausformulierung noch völlig offen ist. Die Entwicklung von justiziablen Qualitätsindikatoren für die Krankenhausplanung der Länder wird beim G-BA in Auftrag gegeben. Liefertermin ist Ende 2016.

Schlussendlich wird ein Strukturfonds von insg. 1 Mrd. € aufgelegt für die Förderung von Kapazitätsabbau, Umstrukturierung zu Zentren und Standortschließung.

Insgesamt führt das KHSG lt. BMG zu Mehrausgaben für die Krankenkassen in Höhe von kumuliert ca. 10 Mrd. € (bis zum Jahr 2020). Darüber hinaus liegen keine Berechnungen vor. Nicht nur Krankenkassen sagen, es sei das bislang teuerste Reformwerk dieser Legislaturperiode und weisen auf die drohende Entwicklung zu weiter steigenden Zusatzbeiträgen für ihre Versicherten hin.

KHSG in der Pressekritik: Zweifel an der Strukturqualität

Kurzgefasst
  • Qualität und Mindestmengen
    • „Weg ins Krankenhaus wird länger„ Berlin. Ärztepräsident Montgomery rechnet mit Umbruch der Klinik-Landschaft durch Leistungsverlagerung und -konzentrierung in große Häuser, (Quelle: RP)
    • Druck auf kleine Krankenhäuser steigt -Bayerischer Rundfunk.
    • Schließung kleinerer, aber wichtiger Häuser verhindern: Vision einer kommunalen Klinikkette in Brandenburg (Märkische Allg.)
  • Investitionsbedarf
    • BÄK: Krankenhausreform der Bundesregierung ist bei Investitionskosten-finanzierung völlig unzureichend (FAZ)
  • Sektorkonkurrenz in der gedoppelten Facharztstruktur „amb./stat“
    • KVB: Marktbereinigung gefordert: Politik soll Mut zur Schließung unrentabler Kliniken aufbringen (FAZ);
    • Konkurrenz zwischen den Sektoren wird verstärkt. KHSG führt zu hohen Subventionen für Kliniken und wirtsch. Nachteilen für Facharztpraxen.
  • Strukturwandel
    • KHSG: Strukturwandel in weiter Ferne; Der Umfang des Strukturwan-dels ist bei Gesundheitsökonomen und bei der BR unklar. Es könne „nicht abschließend beurteilt werden, wie sich das KHSG auf die Zahl der Krankenhäuser auswirken wird“ (Dtsch. Arztebl).

Schaut man in die Presse, gibt es wegen der umfassenden Etablierung von Qualitätsindikatoren in Medizin, Betriebsökonomie und Planung sowie der Entlastung der Betriebskostenfinanzierung positive Kommentierungen. Zweifel bestehen an der Wirksamkeit der Strukturqualität des Gesetzes, auch weil 19 Arbeitsaufträge zu seiner Ausgestaltung an die Selbstverwaltung oder Institute vergeben wurden mit noch unklaren Ergebnissen und Lieferterminen teilweise bis in das Jahr 2018.

In der Kritik steht die fehlende Einigung zur Investitionskostenfinanzierung, was zu einer Fortführung der Unterfinanzierung durch die Länder führe.

Die BÄK rechnet in Zusammenhang mit dem Ausbau von Qualität und Mindestmengen mit einem Umbruch der Klinik-Landschaft durch Leistungsverlagerung und -konzentrierung in große Häuser.

Der Druck auf kleine Krankenhäuser steigt. Es kommt zu ersten Gegenstrategien mit der Vision einer kommunalen Klinikkette kleiner Häuser in Brandenburg.

Und schließlich wird festgestellt, dass der Strukturwandel in weite Ferne rückt. Das KHSG führe zu hohen Subventionen für Kliniken und zu wirtsch. Nachteilen für Facharztpraxen. Bestehende Konkurrenzen von ambulant und stationär und somit die Trennung der Sektoren werden verstärkt und nicht überwunden.

In Anknüpfung an die Pressekritik und den geäußerten Zweifel an der Strukturqualität des KHSG soll nun nach einem kurzen Ausflug in die Patchwork-Finanzierung von Krankenhäusern die Frage in den Vordergrund rücken, wie das KHSG zu einem Strukturgesetz werden kann, das trotz aller Zweifel einen relevanten Beitrag liefert zur Überwindung der intersektoralen Grenzen und zum Ausbau der integrierten Versorgung.

Patchwork unterschiedlicher Leistungsformate und Preissysteme

Flickenteppich (Patchwork)
konkurrierender Finanzierungs- und Erlösquellen

Kassenwettbewerb und
freie Vertragsgestaltung

Ambulanz

DRG-Preise /
Zusatzentgelte

§ 140a SGB V:

freie Verträge
und Preiswettbewerb (Integrationsversorgung)

EBM:
Ambulante Leistungen

Zunächst ein Blick auf den Patchwork unterschiedlicher Leistungsformate und Preissysteme in der Krankenhausversorgung und Finanzierung. Neben dem DRG-Bereich, dem eigentlichen Geltungsbereich des KHSG, gibt es den Leistungsbereich der Integrierten und den der ambulanten Versorgung mit jeweils eigenen Gesetzlichkeiten.

Die ambulante Versorgung orientiert sich an den Regeln der vertragsärztlichen Leistungen und seinem Preissystem, dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab EBM“.

Patchwork – Anteile von DRG, Freien Verträgen und Ambulanz

Die intersektorale Integrationsversorgung basiert auf freier, selektiver Vertragsgestaltung zwischen einzelnen Krankenkassen und Gesundheitsdienstleistern. Beide Bereiche haben an Bedeutung für die Versorgung aber auch für die Erlössumme der Krankenhäuser gewonnen. Man geht davon aus, dass der DRG Bereich in D derzeit ca. 80% des Erlösbudgets umfasst, in anderen OECD Ländern nur ca. 50%. Ein Fingerzeig, wohin die Entwicklung auch in D gehen kann.

Auch hier gilt der Satz, dass die Geschäftsführungen gut beraten sind, ihre Erlösstrategie nicht nur auf den DRG Bereich abzustellen.

Prof. Wasem stellt im Krankenhausreport 2016 angesichts der Fülle von Versorgungsmöglichkeiten und ihrer unterschiedlichen Finanzierung fest: „Hinter dieser Vielfalt steckt kein rationales Ordnungsprinzip. De facto werden hier identische Leistungen in verschiedene Rechtsformen verpackt und dann auch noch unterschiedlich vergütet.“

Früh- zu früh- ruft er nach Politik und einem neuen Ordnungsrahmen.

Versorgungsstärkungsgesetz 2015 und freie Vertragsgestaltung

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz von Juni 2015 wurden die Regeln der freien Vertragsgestaltung für Direktverträge in § 140 a SGB V zusammengefasst und geschärft

  1. Die Krankenkassen können Verträge ….. zur integrierten Versorgung disziplin- und sektorenübergreifend abschließen sowie …. über …. besondere ambulante ärztliche Versorgungsaufträge.

NEU ist: Gegenstand der Verträge dürfen auch Vereinbarungen sein, die allein die Organisation der Versorgung betreffen (Managementverträge).

  1. Die Verträge können frei gestaltet werden und Abweichendes von den …. bestehenden Regelungen beinhalten.
  2. Die Partner …. können sich …. darauf verständigen, dass Leistungen auch dann erbracht werden können, wenn…. sie ….. vom Zulassungs-, Ermächtigungs- oder Berechtigungsstatus des jeweiligen Leistungserbringers nicht gedeckt ist.

Zur Vertragsfreiheit gehört zudem, dass (§ 110a SGB V) kassenindividuelle Qualitätsverträge mit Krankenhäusern zur Förderung einer qualitativ hochwertigen stationären Versorgung abgeschlossen werden können.

Zusammengefasst  kann die selektive Vertragsgestaltung über Direktverträge mit der Erweiterung um Organisationsleistungen nun zu einem wirksamen Gestaltungsinstrument der Integrationsversorgung für Krankenkassen werden, insbesondere – so meine These- in Zusammenhang mit der Umsetzung des Strukturfonds.

Durch die Einbeziehung der Organisation der intersektoralen, integrierten Versorgung in freier und direkter Verhandlung u.a. zwischen Krankenkasse und Krankenhaus über sog. Managementverträge kann nun ihre Umstrukturierung in Integrationszentren gestaltet und vereinbart werden.

Der Schwerpunkt der innovativen, sektorenübergreifenden Versorgungsform wird durch einen Innovationsfonds mit 300 Mio. € p.a. in den Jahren 2016 bis 2019 gefördert.

Freie Verträge dieser Art sind gestaltungsoffen und theoretisch gleichwertig zum DRG Bereich. Praktisch haben sie jedoch bislang keine vergleichbare Systemrelevanz. Es gibt derzeit im Wesentlichen zwei unterschiedliche Vertragstypen mit jeweils unterschiedlich starker Relevanz:

In Norddeutschland werden derzeit mehrheitlich indikationsbezogene Verträge abgeschlossen mit einer insgesamt geringen Patientenzahl und hohen Prokopfkosten,

in Süddeutschland überwiegen indikationsübergreifende Verträge mit einer großen Patientenzahl und geringen Prokopfkosten (vgl. Registerbericht 2008).

Systemwettbewerb von DRG, Freien Verträgen und Ambulanz

systemwettbewerb-01

Die Erweiterung der Vertragsgestaltung um die Organisation integrierter Versorgung ist in Kombination mit indikationsübergreifenden Verträgen wie in Süddeutschland geeignet die Systemrelevanz „Freier Verträge“ für den Krankenhaussektor zu erhöhen. Aus dem Patchwork kann sich im Prinzip nun ein Systemwettbewerb entwickeln mit einem erstarkenden Leistungsbereich der freien, selektiven Vertragsgestaltung.

Durch die intelligente Verknüpfung von Struktur- und Innovationsfonds, von Standortschließung, Kapazitätsabbau und Umstrukturierung im Krankenhaussektor mit neuen Organisationsformen der intersektoralen, integrierten Versorgung, kann im elektiven, nicht akutstationären Bereich ein Versorgungssystem mit eigenen intersektoralen Ressourcen und Budgets entstehen.

So kann das Versorgungsstrukturgesetz zu einem Motor für einen wirklichen qualitativen Strukturwandel vom Plankrankenhaus zum Integrationsversorgungszentrum –IVZ- werden. Durch den direkten Austausch von Informationen z.B. über Internetportale, den Einsatz von Telemedizin und optimaler logistischer Lösungen können diese Zentren effizient arbeiten und gleichzeitig die Versorgungsqualität durch einen flexiblen und schwellenlosen Zugang zu den einzelnen Stufen der Versorgung für den Patienten erhöhen.

Unter einer paradoxen Intervention versteht man eine (Therapie-) Methode, die in scheinbarem Widerspruch zu den Zielen steht, die aber tatsächlich dazu dient, diese gewünschten Ziele zu erreichen.

In diesem Sinne mag die Strategie als paradoxe Intervention erscheinen, bei bestehenden Überkapazitäten neue Kapazitäten verhandeln und zu schaffen. Sie kann im Sinne des Kapazitätsabbaus im Krankenhaussektor erfolgreich sein, weil sie einen zusätzlichen perspektivischen Anstoß gibt, über den bloßen Abbau bestehender Überkapazitäten hinaus qualitativ die Versorgung durch Abbau der intersektoralen Schranken zu verbessern. Stationäre Kapazitäten der elektiven, nicht akutstationären Versorgung des Krankenhauses werden in ein Integrationszentrum mit verschlankten intersektoralen Kapazitäten transformiert, ein Prozess, der materiell unterstützt wird durch den Struktur- und den Innovationsfonds. So die Grundidee meines Vortrags heute zur Umsetzung des Strukturfonds.

Ein Blick in die Niederlande

Blicken wir kurz in die Niederlande. Seit der Reform 2006 sind untereinander konkurrierende Krankenversicherungen für die Gewährleistung einer ausreichenden Gesundheitsversorgung verantwortlich. Im Rahmen freier, gestaltungsoffener Verträge kaufen sie im Namen ihrer Versicherten Gesundheitsleistungen bei Leistungserbringern (wie Krankenhäusern) ein, die entsprechend qualifiziert bzw. registriert sind.

Divergenzen der Kapazitäten im Vergleich:

Freie kassenind. Verträge / NL und „administrierte, kannseneinheitliche Kollektivverträge / NRW, nach Größe (2011) – Bev: ca. 17 Mio

(Nico Reinke/Mirko Miliniewitsch „Das Krankenhaus 3.2014)

 2011

Nordrhein-Westfalen

Niederlande

Betten

Allg. KH
ohne Psychiatrie u. Privatkliniken

%

Allg. KH
ohne Psychiatrie u. Privatkliniken

%

> 600

33

10

29

32

400–600

61

18

19

21

300–400

61

18

20

22

< 300

180

54

23

25

Gesamt

335

91

  • Divergenz der Kapazitäten NRW – NL
    Die Divergenz der Kapazitäten
    im Vergleich der NL mit NRW gibt bei etwa gleicher Bevölkerungszahl Hinweise auf Überkapazitäten in NRW, wobei in den NL eine Konzentrierung in Großkrankenhäusern mit > 600 Betten stattgefunden hat mit insgesamt deutlich weniger kleinen Krankenhäusern < 300 Betten als in NRW.

Ziele des Strukturfonds

Kurzgefasst

Der Fonds hat den Zweck, zur Verbesserung der Versorgungsstruktur insbesondere den

  • Abbau von Überkapazitäten,
  • die Konzentration von stationären Versorgungsangeboten sowie
  • die Umwandlung von Krankenhäusern in nicht akutstationäre lokale Versorgungseinrichtungen (zum Beispiel Gesundheits- oder Pflegezentren, stationäre Hospize) zu fördern.

Zusätzliche Förderung neben KHG, Land / Träger muss 50% aufbringen. Cofinanzierung durch Haushalte der Länder.

Kreditfinanzierung ist förderfähig (Zinsen, Tilgung) und Verwaltungskosten.

Die Länder können beim BVA bis zum 31. Juli 2017 Anträge auf Auszahlung von Fördermitteln stellen.

Die NL können insoweit Modell stehen für die Ziele des Strukturfonds. Der Fonds zielt auf die Verbesserung der Versorgungsstruktur insbesondere den Abbau von Überkapazitäten, die Konzentration von stationären Versorgungsangeboten sowie die Umwandlung von Krankenhäusern in nicht akutstationäre lokale Versorgungseinrichtungen.

Ob die gesteckten Ziele erreicht werden und das KHSG tatsächlich als Strukturgesetz und nicht nur als Anpassungsgesetz in die Historie eingehen wird, hängt wesentlich von den Akteuren vor Ort und ihrer aktiven Rollengestaltung ab, besonders von den Kassenverbänden im Zusammenspiel mit den Krankenhäusern und den für den Strukturfonds und die Planung zuständigen Ländern.

Vom Patchwork zum Systemwettbewerb

zwischen stationären DRG Akutleistungen und frei vertraglich gestalteten Integrationszentren

Kern einer erfolgreichen Strategie intersektoraler Versorgung ist die intelligente Verknüpfung von Kapazitätsabbau und Zentrenbildung durch einen proaktiv vertraglich gestalteten organisatorischen Umbau von Plankrankenhäusern in sektorenübergreifende, medizinische Integrationszentren. Der Strukturfonds unterstützt die Transformation zum Integrationszentrum investiv und der Innovationsfonds fördert die Innovation sektorenübergreifender Konzepte.

Der Strukturfonds verteilt sich auf die Länder wie folgt:

 

Der Stukturfonds
(2015, Verteilung nach dem Königsteiner Schlüssel)der-strukturfonds-01

 Bundesland

Quote (%)

Strukturfonds (Euro)

Gesamt (Euro)

B-W

12,8

64322800

128645600

Bay

15,5

77593650

155187300

Ber

5

25246350

50492700

Bra

3,06

15302650

30605300

HB

0,95

4784400

9568800

HH

2,5

12648400

25296800

Hes

7,3

36794500

73589000

Ni

9,3

46605200

93210400

Gesamt

100

500.000.000

1.000.000.000

Nach der neuen Verordnung zur Verwaltung des Strukturfonds im Krankenhausbereich v. Nov. 2015 kann auch dann gefördert werden, wenn ein Krankenhaus umgewandelt wird in eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung.

Der Strukturfonds fördert die investive Umstrukturierung mit insg. 1 Mrd. €.

NI kann –immer projektbezogen- aus dem Strukturfonds ca. 93 Mio. € und HB ca. 9,5 Mio. € auslösen. Geld, das bei einer Kreditfinanzierung ggf. deutlich mehr investiv bewegen kann.

Diese Strategie kann ein Gewinn für alle Akteure bedeuten:

  • Für Krankenkassen, weil die Effizienz der Behandlung im ambulanten und stationären Sektor verbessert wird durch den Abbau sektoraler Schranken und teurer Doppelstruktur im Facharztbereich, weil die Bindung Versicherter an ihre Kasse und die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt gestärkt wird und weil Kostensteigerungen für Versicherte, verbunden mit einer drohenden Erhöhung von Zusatzbeiträgen als Folge des KHSG ggf. gemildert werden können.
  • Für Versicherte, weil sich die Krankenversorgung durch den Abbau intersektoraler Schranken insgesamt verbessert mit neuen Qualitäten im flexiblen Zugang zu ambulanter und stationärer Behandlung, Rehabilitation und Pflege.
  • Für Krankenhäuser mitroten Zahlen“ , weil die Transformation zum sektorenübergreifenden Integrationsversorgungszentrum eine wirtschaftlich attraktive Zukunftsperspektive bei insgesamt verschlankter DRG Kapazität bedeuten kann.

Krankenhausbilanzen mit „Roten Zahlen“ gibt es im Großraum HB-NI reichlich (z. B. Helios-Kliniken Cuxhaven und Wesermarsch, Ameos Kliniken Bremerhaven und Geestland, Klinikum Delmenhorst, Gesundheit Nord … (vergl. Unternehmensregister).

Bremens Bürgermeister und Niedersachsens Ministerpräsident haben sich im Sept. 2015 geeinigt, dass die Länder enger zusammenarbeiten. Möglichkeiten dafür sehen sie auch in der Krankenhausplanung. Denn derzeit komme fast jeder dritte Patient in den Bremer Kliniken aus dem niedersächsischen Umland.

Die Entwicklung eines Strategiekonzepts zum Aufbau von Integrationsversorgungszentren mit den Mitteln des Strukturfonds im Großraum HB-NI sollte auf der Agenda stehen, ebenso die Auswirkung einer länderübergreifenden Verlagerung von Leistungen in Folge von Umstrukturierung, Kapazitätsabbau und Standortschließung sowie die länderübergreifende Intensivierung der KV Kooperation mit Krankenhäusern in der Notfallversorgung, eine Länderkooperation, die zudem durch eine übergreifende Personalentwicklung sowie eine Aus-, Fort- und Weiterbildung flankiert werden kann.

Zusammenfassung

  1. Rufen Sie jetzt noch nicht nach der Politik und einem neuen Ordnungsrahmen wie Herr Prof. Wasem, sondern gestalten Sie diesen proaktiv vor Ort selbst.
  2. Nehmen Sie die strategischen Herausforderungen eines Systemwettbewerbs zwischen dem sich auf Akutleistungen verschlankenden DRG System und neuen Optionen freier Vertragsgestaltung nach niederländischem Vorbild zur Gründung von Integrationszentren an.
  3. Nutzen Sie ihre neuen vertraglichen Räume zur Gestaltung des organisatorischen Ausbaus sektorenübergreifender Integrationsversorgung und sichern Sie diesen materiell durch den Krankenhausstrukturfonds und den Innovationsfonds ab.
  4. Konzentrieren Sie die begrenzten Mittel in einer Modellregion.
    Für den Großraum Bremen-Niedersachsen würde gelten:
    Bremerhaven, Bremen -Nord und Bremen-Ost mit dem jeweiligen ns. Umland wären besonders geeignet.

Letztendlich mag tatsächlich dann am Ende des Weges ein neuer Ordnungsrahmen stehen z. B. eine durch die Krankenhausplanung der Länder administrierte und kollektiv vertraglich vereinbarte, DRG gesteuerte Akut- und Notfallversorgung zum Einen und zum Anderen eine selektiv verhandelte, sektorenübergreifende und eher monistisch finanzierte Integrationsversorgung für den nicht akutstationären, elektiven Bereich.

 


 

Für den Inhalt verantwortlich:

Frederik Buscher, Bremen
(erreichbar über kontakt113 at medicoconsult.de)