Hilfsprojekt in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Hilfsprojekt in Jordanien: Thema Flüchtlinge

Wahrscheinlich ist das Thema „Flüchtlinge“ in Deutschland und Europa derzeit ein größeres Thema als hier. Aber da ich nun mal die Gelegenheit habe, live und in Farbe inmitten eines der größten Flüchtlingslager der Welt zu arbeiten, bietet es sich ja geradezu an, hiervon mal einen kleinen Eindruck zu vermitteln. Wobei dort zu arbeiten und außerhalb zu wohnen sicherlich in keinster Weise vergleichbar ist mit dort zu leben.

Ein paar nackte Fakten, um dem Ganzen einen Rahmen zu geben:

Zaatari liegt ca. 6 km südlich von der syrisch-jordanischen Grenze, so ziemlich im Nichts, das heißt in wüstenähnlicher Umgebung, in der Nähe von Mafraq, einem kleinen, aber derzeit auch wachsenden Städtchen, wo wir unsere Wohnung haben. 2012 suchten dort die ersten Flüchtlinge des syrischen Krieges Zuflucht, mit Zelten, ungeordnet, bereit, ein paar Wochen zu bleiben, in der Hoffnung, dass sie bald wieder zurück könnten. Seitdem geht der Krieg ohne Pause weiter – und seitdem ist dieses Lager auf die unglaubliche Zahl von ca. 80.000 Flüchtlingen gewachsen – die viertgrößte „Stadt“ in Jordanien. Zwischenzeitlich gab es sogar Zahlen von über 120.000 Bewohnern.

Inzwischen kann man wirklich von einer Stadt reden, die allerdings eingezäunt ist, das heißt, die Flüchtlinge dort dürfen sich nicht frei in Jordanien bewegen, sondern bekommen auf Antrag eine kurzfristige Erlaubnis, woanders hinzugehen (z.B. Verwandte zu besuchen etc.). Die wenigsten erhalten ein legales Visum, das heißt die meisten der Menschen dort sind auf „Duldungsbasis“ hier. Großes Politikum und oft nicht zu verstehen, was vor sich geht. Jedenfalls sind die Tore bewacht von jordanischer Polizei, und jeder, der ein und ausgeht, wird kontrolliert.

Flüchtlingslager Libanon 02
Das Flüchtlingscamp Zataari – eine Stadt für sich und eine riesige organisatorische Aufgabe

Die Leitung dieser unfassbaren logistischen Aufgabe hat das Uno-Flüchtlingswerk (UNHCR). Vor Ort vertreten und aktiv sind zudem eine Vielzahl von anderen großen und kleinen NGOs und Organisationen, angefangen von UNICEF und Oxfam über Handicap International bis hin zur KFW und zum technische Hilfswerk. Straßenbau, Versorgung mit Wasser und Elektrizität, Gesundheitsversorgung und Sicherstellung von Nahrung, Dach über dem Kopf, Bildung und Sicherheit – alles muss bedacht und koordiniert werden.

Inzwischen unterteilt ein Straßennetz das ca. 18 qkm große Areal in unterschiedliche Viertel. Anfangs gab es nur Zeltunterkünfte, jetzt werden die Menschen mehr und mehr mit Containern versorgt – es ist hier im Sommer extrem heiß (Spiegelei in der Pfanne auf dem Boden ohne Feuer möglich), im Winter kann es Schnee geben. In den letzten Tagen war es unglaublich dusty, die Luft voll von Sand; die Hitze stand. Zum Glück gab es keinen richtigen Sandsturm wie vor ein paar Wochen, aber anstrengend ist es allemal, unter diesen Bedingungen zu leben. Damit meine ich nicht mich (oder nur ein bisschen), die wieder die Wahl hat zu gehen, sich abends im Expathaus duschen kann und nicht wegen einem Krieg alles hinter sich lassen musste.