Hilfsprojekt in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Meine Arbeit geht voran, ich mache meinen Spagat zwischen Patientenbetreuung, Physio-Coaching, Vorbereitung und Durchführung von Trainings, meine erstellten Dokumente sind (mal mehr, mal weniger geliebt) im Umlauf. Schwieriger gestaltet sich die von mir erfragte Einschätzung zu benötigten Anschaffungen und Materialien, ich musste nun schon nach nur 2-3 Wochen entscheidende Informationen zur Budgetierung für das nächste Jahr liefern, nicht gerade leicht. Parallel läuft noch das Verstehen und Ausbauen des Netzwerkes mit anderen NGOs, ein Beispiel die Zusammenarbeit mit Handicap International, die quasi als „Zulieferer“ für Gehhilfen, Prothesen und Orthesen dienen. Hier gilt es, die Zusammenarbeit zu optimieren und möglichst optimal für die Versorgung der Patienten zu sorgen. Da muss man dann oft administrative Strukturen und auch politische Entscheidungen verstehen und mitbeachten. Sehr viel Spannendes, ganz viel für mich zum Lernen und weiterentwickeln. Und immer wieder das schöne Gefühl, dass man trotz der Hürden, Querelen und Kompromisse am gleichen Strang zieht.

Ab morgen beginnt der „Eid“, einer der größten religiösen Feiertage (genau genommen 5), vergleichbar wohl fast mit unserem Weihnachten. Oft werden zum Festmahl in den Familien Kamele (ca. 2000 Euro) oder Schafe (etwa 200 Euro) geschlachtet und zubereitet, Kinder bekommen Geschenke. Im Flüchtlingslager hat das Team Geld gesammelt und alle Kinder haben neue Kleidung bekommen, auch hier wird an einem der Tage aus einem Extra-Fond ein Festmahl zubereitet.

Unser National Staff hat natürlich auch Anspruch auf Urlaub, so dass die Büros eher nur von uns Internationalen besetzt sind, die Kliniken arbeiten in Schichten, aber eben auch nicht voll besetzt. Manche Patienten haben „Leave“ beantragt, um ihre Verwandten zu besuchen. Wenn die Sicherheitslage das zulässt und die Polizei die Erlaubnis gibt (auch das muss unsere Organisation dann übrigens immer klären), dann dürfen sie Krankenhaus oder Lager verlassen.

Mir gibt das Gelegenheit, endlich auch einmal jenseits meiner Einsatzorte etwas von Jordanien zu sehen, ich werde einen halben Tag frei nehmen am Samstag und einer Einladung eines einheimischen Arztes folgen, der in der antiken Ruinenstadt Jerash wohnt. Ich werde mit einem Teil meiner Physios und wohl Freunden aus dem Expat-Team hingehen, freue mich schon sehr.

Flüchtlingslager Libanon 05 Benachbartes Amphitheater+
Eines der zwei noch sehr gut erhaltenen Amphitheater von Jerash, einer der größten Ausgrabungsstätten in Jordanien (zwischen Amman und den Städten im Norden gelegen).