Hilfsprojekt in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Wenn man in einem solchen Projekt arbeitet, dann macht man in kleinen Nuancen die Stimmungsschwankungen mit, mit denen sich die Betroffenen in viel größerem Ausmaß auseinandersetzen müssen.

Und manchmal reicht dann auch ein klitzekleiner Anlass, eine Stimmungslage, ein Kommentar, ein kleines Aufblitzen dessen, was der Krieg mit Menschen macht, um sich auch auf der anderen emotionalen Seite zu befinden. Plötzlich wird einem bewusst, wie wenig man weiß über das, was die Menschen durchgemacht haben, wie fremd man deren Kultur ist, wie „eindringlich“ man selbst als „Helfer“ hier ist. Man stellt sich Fragen, wie viel Angst und Hass wohl hinter den Gesichtern steckt, wie wohl die Zukunft dieser Menschen aussieht, auch, wie viel von dieser Freundlichkeit von Patienten und Mitarbeitern ganz natürlicher Weise „zweckgebunden“ ist, wie weit man überhaupt hier einfach kommen und beeinflussen darf, wie viel „Schuld“ man selbst an den Ursachen hier hat etc.  Gedankenkreisel gehen dann los…

Und dann tut es sehr gut, dass man Menschen im Team und Zuhause hat, die Gedanken mit einem teilen können, die einen balancieren, die dann wieder dazu führen, dass man Kraft hat, auch den nächsten Tag positiv zu beginnen, sich wieder an der Sonne zu freuen (viele hier finden die Hitze und die Sonne natürlich nicht schön, ich blöde Sonnenhungrige natürlich schon!) und wieder Scherze zu machen.

Und das ist eine der ganz besonders intensiven Erfahrungen für mich in einem solchen Projekt – die Nähe von Freud und Leid im Leben, das Akzeptieren, dass es beides gibt. Und dann sitzen wir, wie neulich – als gemeinsames Team aus Nationals und Internationalen im Bus auf der Rückfahrt aus dem Flüchtlingslager nach Hause, jemand dreht die Musik auf, und plötzlich singen, tanzen und lachen alle gemeinsam, so wie ich das Zuhause wahrscheinlich nur ganz selten machen würde, bis unser Bus fast ins schwanken gerät. Von außen gesehen vielleicht total unverständlich und für den ein oder anderen total unpassend – für uns aber unbezahlbar und unvergesslich.