Hilfsprojekt in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Im Zaatari-Camp, sozusagen eingemietet auf sicherem Grund, kümmern wir uns nicht direkt um die Gesundheit der Flüchtlinge, die hier leben. Vielmehr sind wir im  „Entlastungskrankenhaus“ von unserem Akuthaus in Ramtha. Das heißt, wir sind zuständig für die mehrfach Operierten und Schwerverletzten, die dann irgendwann keine Interventionen mehr brauchen, sondern z. B. „nur“ Zeit für komplexe Knochenheilung, Medikamentengabe und Pflege. Solche Patienten werden, so es die Sicherheits- und humanitäre Lage zulässt nach Zaatari verlegt. Und auch hier bekommen sie dann (zum Glück ein wichtiger und auch als wichtig gesehener Punkt) dann auch viel Physiotherapie. Die Klinik  und alle zugehörigen Teile (Office, Apotheke, Lager, Toiletten und Duschen) bestehen aus Containern, wir als Mitarbeiter von außen werden jeden Morgen ins Lager gebracht und abends (vor Dunkelheit) wieder abgeholt. Wir haben mehrere Autos, um z. B. Patiententransporte zu organisieren.

Wie in Ramtha kümmern sich zwei jordanische Physios um bis zu 40 Patienten – und für die vier bin ich jetzt eben in meiner Zeit hier Ansprechpartner Nr. 1. Ein tolles Team, 3 Männer, eine Frau – gestern wurde ich von den Jungs (Rula – die weibliche Physio- war leider nicht dabei) in sehr netter Runde eingeladen, lecker, großartig und sehr spaßig!

So, das war viel, für manche sicher viel zu viel… Eigentlich auch für mich. Aber mir geht es bestens, ich sehe viele Aufgaben (sicher nicht alle lösbar), die ersten Dokumente (Befundaufnahme, Dokumentation, Datensammlung) sind entworfen und in Umlauf, individuelle Trainings im Gange. Zwei Wochen sind wie im Flug vergangen, ich befürchte, das wird nicht besser! Die Sicherheitslage ist ruhig, aber das ist in solchen Gebieten keine Dauergarantie.

Schön, wie sich die Stimmung in Europa zu ändern scheint, mal wieder scheint doch auch der Druck der Menschen auf die Politik zu funktionieren. Kann von hier aus nur sagen, dass viele Menschen sich über die Willkommensbilder in Deutschland und anderswo sehr positiv geäußert haben. Ich hoffe, diese Offenheit hält an, auch wenn die ersten Probleme kommen werden (und die kommen!!), wenn die Verklärtheit abnimmt und man merkt, dass es Hürden zu überwinden gibt, dass nicht jeder alles freundlich annehmen wird, dass sie Menschen anders sind, oft dazu noch hoch traumatisiert. Aber eine Chance hat jeder verdient, und wer Schutz sucht, sollte auch Schutz finden und freundliche Aufnahme bekommen. Und die Schicksale, die unsere Patienten hier durchgemacht haben, sind zum Teil unfassbar traurig. Und dabei die Betroffenen sind wahnsinnig tapfer!