Hepatozelluläres Karzinom

Klinik

Uncharakteristische Oberbauchbeschwerden und allgemeine Mattigkeit; in fortgeschrittenem Stadium Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme bis hin zur Tumorkachexie, Aszites. Viele der Beschwerden sind auf eine zugrunde liegende Leberzirrhose zurück zu führen.

Die Stadieneinteilung des Klinikers folgt der Einteilung nach Okuda, die Tumorgröße, Aszites, Albumin und Serum-Bilirubin berücksichtigt. Die CLIP-Score berücksichtigt zudem das AFP. 1) 2002 Jun;50(6):881-5. Er dient der Vorhersage von Mortalität und Rezidiv und ist in den Beziehungen besser als die BCLC-Klassifikation (Barcelona Clinic Liver Cancer). 2) 2018 Aug;9(4):750-761. doi: 10.21037/jgo.2018.05.11.

Diagnostik

Labor

Die Laborwerte sind nicht diagnoseweisend. Eine starke Erhöhung des alpha-Fetoproteins (AFP) kann einen ersten Hinweis geben. AFP ist jedoch nicht immer positiv und beim fibrolammellären HCC regelmäßig negativ.

Histologie

Eine gezielte Punktion zur Gewinnung einer Gebebeprobe für die Histologie ist häufig nicht erforderlich und sollte zur Vermeidung einer Tumoraussaat im Stichkanal nur dann erfolgen, speziell wenn die Diagnose mit Hilfe der rein bildgebenden Verfahren zweifelhaft bleibt. Das Risiko für eine Stichkanalmetastasierung soll bei 2-3% liegen [2] [3].

Sonographie

Die Sonographie kann bei genauer Untersuchung HCC-verdächtige Herdbildungen ab einer Größe von 2-3 cm nachweisen. Kleine Herde sind meist hypoechogen, größere inhomogen mit echoreicheren Arealen. In der Duplexsonographie erkennt man Veneneinbrüche oder eine Pfortaderthrombose. Ein arterielles ins Zentrum führendes Gefäß ist eher für ein HCC als für ein Leberadenom typisch, bei dem ein portalvenöses Gefäß ins Zentrum führt. Es finden sich auch hyperechogene HCC-Herde, die manchmal schwer von Hämangiomen zu unterscheiden sind.

→ Mehr zur Sonographie der Leber

Kontrastmittel-Ultraschall

Die Kontrastmittelsonographie lässt oft in der früh arteriellen Phase wegen der arteriell gespeisten Hypervaskularisierung des Tumors Herde erkennen, die sonst nicht nachweisbar sind. Sie ist heute für die HCC-Suche und -Überwachung als einfach durchzuführendes Verfahren unverzichtbar.

Ultraschall-Angiographie

Bei dieser Methode wird Kontrastmittel (CO2-Mikrobubbles) durch einen Katheter selektiv in das zuführende arterielle Gefäß des HCC injiziert und mit Ultraschall die Anreicherung im Tumor beobachtet. Diese Methode wird als sehr sensitiv zur Beurteilung der Vaskularisierung des Tumors gewertet.

Computertomographie

Die Computertomographie (CT) der Leber mit Kontrastmittel ist sehr aussagefähig. Eine hypodense Raumforderung färbt sich mit Kontrastmitteln gleich in der arteriellen Phase rasch an und bleibt länger und stärker kontrastiert als das umgebende Lebergewebe. HCC-Herde können bei Leberverfettung, die zu einer Abnahme der HE führt, maskiert sein. Diagnostisch hinweisend ist die Anfärbung mit Kontrastmitteln in der früharteriellen Phase, während Regeneratknoten und dysplastische Knoten überwiegend portalvenös durchblutet werden.

Hämangiome sind zwar auch arteriell durchblutet; sie füllen sich mit Kontrastmittel jedoch typischerweise irisblendenartig vom Rand und werden erst in einer späten Phase voll angefärbt (dann, wenn die Markierung eines HCC schon wieder abnimmt). Die ebenfalls arteriell versorgte FNH (fokal noduläre Hyperplasie) zeigt meist eine Radspeichenstruktur und eine KM-Ausbreitung von einer zentralen Arterie aus. Bei der FNH wird das KM rasch ausgewaschen.

→ Mehr zur Computertomographie (CT) der Leber.

MRT

Ein hepatozelluläres Karzinom ist im MRT auf T1-gewichteten Aufnahmen meist hypointens, auf T2-gewichteten hyperintens mit unregelmäßigem Mosaikmuster. Durch hepatobiliäre Kontrastmittel kommt es zum früharteriellen Enhancement, das anschließend wieder abnimmt. Kontrastmittel, die vom RES aufgenommen werden (superparamagnetische Nanopartikel, die das normale Lebergewebe dunkler erscheinen lassen, “Schwarzmacher”), lassen den HCC-Herd aus. Kontrastmittel, die von Hepatozyten aufgenommen werden (z. B. Primovist(R) und normales Lebergewebe heller erscheinen lassen (“Weißmacher”), zeigen ebenfalls im HCC keine Anreicherung (wie auch Metastasen nicht, aber ganz im Gegensatz zur FNH, die funktionsfähige Hepatozyten enthält.

Szintigraphie

Die Szintigraphie hat sich zur Diagnostik nicht bewährt.

→ Mehr zur Szintigraphie der Leber.


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Literatur   [ + ]

1. 2002 Jun;50(6):881-5.
2. 2018 Aug;9(4):750-761. doi: 10.21037/jgo.2018.05.11.