Helicobacter pylori

Symptomatik einer Infektion mit Helicobacter pylori

Einige Tage nach der Erstinfektion kommt es meist zu einer akuten Gastritis mit Übelkeit, Brechreiz und Durchfall. Übelkeit und Völlegefühl können wochen- und monatelang anhalten. Aber auch eine völlige Normalisierung des Befindens ist möglich (siehe hier). Da Menschen mit einer funktionellen Dyspepsie gehäuft Helicobacter-positiv sind, wird auch sie meist als Indikation für eine Therapie (Helicobacter-Eradikation) angesehen.

Einfluss von Helicobacter pylori auf den Körper

Das Bakterium siedelt sich lokal in der Schleimhaut des Magens an und gelangt i.d.R. nicht in die Blutbahn. Jedoch können Zytokine für Fernwirkungen sorgen, so auch für Auswirkungen auf Entzündungsreaktionen und den Stoffwechsel.

In manchen Menschen führt eine Helicobacter-Infektion zu einem Anstieg des LDL und damit des Arteriosklerose-Risikos. Auch soll sie zu einer peripheren Insulinresistenz beitragen können 1)World J Gastroenterol. 2014 May 14;20(18):5226-34.

Assoziation mit Magenkrebs

Ein Befall der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori ist ein Risikofaktor für das Magenkarzinom sowie für das hochsitzende Karzinom am ösophagogastralen Übergang. Das Bakterium wurde von der WHO als Klasse-1-Karzinogen eingestuft 2)IARC Monogr Eval Carcinog Risks Hum. 1994; 61():177-240. Das relative Risiko für das Magenkarzinom steigt durch Helicobacter  2,8-fach 3)Cancer Causes Control. 2011 Mar; 22(3):375-87.

Assoziation mit anderen Krankheiten

Inzwischen wird es als möglich oder wahrscheinlich angesehen, dass Helicobacter pylori nicht nur eine Gastritis und ein Magenkarzinom hervorrufen kann, sondern dass der Keim auch mit anderen Krankheiten assoziiert ist, so mit

  • der Arteriosklerose und Koronarsklerose, 4) 2012;6:455-61. doi: 10.2147/VHRM.S28680.
  • einem Glaukom, 5)Glob J Health Sci. 2014 Sep 18;6(7 Spec No):38263
  • der Migräne, 6)World J Gastroenterol. 2014 Oct 28;20(40):14965-72
  • der Präeklampsie 7)Front Immunol. 2014 Oct 9;5:484. der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP) 8)World J Gastroenterol. 2014 Jan 21;20(3):714-23,
  • der idiopathischen Thrombozytopenie (ITP), die sich nach Eradikation deutlich bessert, 9) 2018 Oct 9;2018:6090878. doi: 10.1155/2018/6090878.
  • einem Kolonkarzinom. 10) 2016 May 14;22(18):4576-84. doi: 10.3748/wjg.v22.i18.4576.

  • weiteren Krankheiten, wie dem akuten Koronarsyndrom, der Insulinresistenz, Atemwegs- und neurodegenerativen Krankheiten. 11) 2015 Sep;20 Suppl 1:40-6. doi: 10.1111/hel.12256.

Wird bei solchen Krankheiten nach Helicobacter gefahndet und ein positiver Befund im Magen erhoben, so ist eine Eradikation auch dieser möglichen Folgen wegen sehr wahrscheinlich sinnvoll.

Die ITP gilt inzwischen als sichere Therapie-Indikation in vielen Leitlinien 12)S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit der DGVS 2016.

Helicobacter-Vorkommen außerhalb des Magens

Helicobacter-Spezies werden auch außerhalb des Magens gefunden 13) 2015 Dec 28;7(30):2968-79. doi: 10.4254/wjh.v7.i30.2968., so gehäuft in Proben

  • einer chronischen Cholezystitis 14) 2017 Dec 20. doi: 10.1111/hel.12457.,
  • eines Cholangiokarzinoms 15) 2016;17(1):37-44.
  • eines primären Leberkarzinoms 16) 2000 Oct 1;89(7):1431-9.,
  • einer Leberzirrhose (in etwa 50%! – häufiger in einer Zirrhose durch Hepatitisviren als durch Alkohol) 17) 2017 Oct;29(10):1161-1165. doi: 10.1097/MEG.0000000000000928.

Bei chronischen Leberkrankheiten wird es daher sinnvoll sein, bereits in frühen Stadien nach Helicobacter zu suchen und den Keim konsequent zu eradizieren, wie es auch für die Vermeidung eines erhöhten Arterioskleroserisikos empfohlen wurde 18) 2014;21(12):1229-42..

Therapie: Eradikation

Die Eradikation von H pylori wird (u. a. laut „Maastricht III Consensus“[13] und Leitlinie der DGVS 19)S2k-Leitlinie “Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit”, 2016 bei folgenden Bedingungen empfohlen:

Eradikations-Regime

Die Eradikation von Helicobacter pylori erfordert eine Kombination von Antibiotika und Protonenpumpenblocker (PPI). Übliche Antibiotika sind Amoxicillin, Tetracycline, Metronidazol und Clarithromycin. Eine übliche Tripeltherapie besteht aus 2×20 mg Omeprazol, 2×500 mg Clarithromycin und 2×400 mg Metronidazol über 7 bis 10 Tage. Allerdings weisen die Bakterien eine zunehmende Resistenz gegen bisher wirksame Antibiotika auf, so dass immer wieder neue Kombinationen empfohlen werden, auch wieder solche, die, wie ursprünglich, Wismutsalze enthalten (siehe hier).

Es wird empfohlen, die Eradikation so früh wie möglich zu beginnen, da ein Fortschreiten der Gastritis zur Schleimhautatrophie und zur Entwicklung intestinaler Metaplasien führt, die beide selbst nach Eradikation von Helicobacter ein erhöhtes Magenkarzinomrisiko bedeuten! 20)Scand J Gastroenterol. 2013 Nov;48(11):1249-56

Zur Helicobacter-Eradikation siehe hier.

-> Dosierung nicht ungeprüft übernehmen!

Resistenzentwicklung

Die Ansprechrate bei Therapie-Regimen mit Clarithromycin und Amoxicillin oder Metronidazol ist wegen Resistenzentwicklung (bis zu über 90%) auf inzwischen etwa 80% gesunken. Dies ist hauptsächlich auf eine zunehmende Resistenz Clarithromycin gegenüber zurückzuführen, die wiederum dem zunehmenden Einsatz bei Atemwegs- und Lungenkrankheiten zugeschrieben wird. 21)Recent Patents Anti-Infect Drug Disc. 2007 Nov;2(3):197-205 Wegen der zunhemenden Clarithromycin-Reistenz ist inzwischen die Metronidazol-basierte Tripeltherapie etwas wirkungsvoller geworden 22) 2017;93 Suppl 1:15-19. doi: 10.1159/000481224. In Fällen einer Resistenz scheint eine Bismuth-enthaltende Quadrupeltherapie am erfolgversprechendsten 23) 2017 Dec 20. doi: 10.1007/s10620-017-4880-8..

Eradikation und Gewichtsentwicklung

Durch die Eradikation kommt es zu einem Anstieg der Ghrelin-Produktion in der Magenschleimhaut, was einen Gewichtsanstieg zur Folge haben kann (siehe auch unter Adipositas). 24)Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2009 Sep;12(5):522-5

Perspektive: Impfung gegen Helicobacter pylori?

Versuche zur Prophylaxe und Therapie einer Helicobacter-Infektion durch Impfung mit verschiedenen Antigenen und Adjuvanzien hat an Versuchstieren lediglich zu einer Reduktion der Kolonisierung der Magenschleimhaut geführt, kaum jedoch zu einer „sterilisierenden“ Immunität. 25)Helicobacter. 2011 Sep;16 Suppl 1:26-32


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur   [ + ]

1. World J Gastroenterol. 2014 May 14;20(18):5226-34
2. IARC Monogr Eval Carcinog Risks Hum. 1994; 61():177-240
3. Cancer Causes Control. 2011 Mar; 22(3):375-87
4. 2012;6:455-61. doi: 10.2147/VHRM.S28680.
5. Glob J Health Sci. 2014 Sep 18;6(7 Spec No):38263
6. World J Gastroenterol. 2014 Oct 28;20(40):14965-72
7. Front Immunol. 2014 Oct 9;5:484.
8. World J Gastroenterol. 2014 Jan 21;20(3):714-23
9. 2018 Oct 9;2018:6090878. doi: 10.1155/2018/6090878.
10. 2016 May 14;22(18):4576-84. doi: 10.3748/wjg.v22.i18.4576.
11. 2015 Sep;20 Suppl 1:40-6. doi: 10.1111/hel.12256.
12. S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit der DGVS 2016
13. 2015 Dec 28;7(30):2968-79. doi: 10.4254/wjh.v7.i30.2968.
14. 2017 Dec 20. doi: 10.1111/hel.12457.
15. 2016;17(1):37-44.
16. 2000 Oct 1;89(7):1431-9.
17. 2017 Oct;29(10):1161-1165. doi: 10.1097/MEG.0000000000000928.
18. 2014;21(12):1229-42.
19. S2k-Leitlinie “Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit”, 2016
20. Scand J Gastroenterol. 2013 Nov;48(11):1249-56
21. Recent Patents Anti-Infect Drug Disc. 2007 Nov;2(3):197-205
22. 2017;93 Suppl 1:15-19. doi: 10.1159/000481224
23. 2017 Dec 20. doi: 10.1007/s10620-017-4880-8.
24. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2009 Sep;12(5):522-5
25. Helicobacter. 2011 Sep;16 Suppl 1:26-32