Fibroscan

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Derr Fibroscan ist eine Untersuchungsmethode zur Bestimmung der Steifheit von Geweben und Organen.  Sie dient zur Diagnostik des Grads der Vernarbung der Leber bei einer fortschreitenden Leberkrankheit und kann zur Diagnostik eine beginnenden Leberzirrhose dienen.


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Diagnostische Bedeutung

Der Fibroscan wird verwendet, um die Diagnose eine fortgeschrittenen Leberfibrose oder Leberzirrhose ohne invasive Maßnahmen (Laparoskopie und Leberpunktion) wahrscheinlich oder unwahrscheinlich zu machen. Ihm kommt vor allem eine prognostische Bedeutung bei Lebererkrankungen im Spät- und Endstadium zu, nicht so sehr in frühen Stadien [1]. Zur Diagnostik früher Fibrosestadien ist die Methode nicht sehr aussagekräftig.

Durchführung

Durch einen kurzen definierten Stoß mit einem Stempel wird die Lebersteifheit gemessen. Der Applikator wird auf die Haut der seitlichen Thoraxwand direkt über der Leber aufgesetzt. Die Resonanz vom Leberorgan wird erfasst und gemessen. Die Lebersteifheit liegt im Bereich von 12-75 kPa [2] [3] [4]. Der Cutoff (in kPa) ist so definiert, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Leberzirrhose vorliegt, relativ hoch ist. Allerdings müssen mehrere Messungen nahe beieinander liegen. Wenn die Grenze vom Normalen zum Pathologischen bei 12,5 kPa angesetzt wird, liegt bei höheren Werten die Wahrscheinlichkeit einer fortgeschrittenen Leberfibrose bei über 90% [5].

In einer Auswertung von Daten aus 10 Studien an insgesamt 1026 Patienten wurde festgestellt, dass die  Höhe der Leberwerte AST und Bilirubin die anzusetzenden Cutoff-Werte beeinflusst. Je nach Höhe dieser Werte sollten sie unterschiedlich angesetzt werden. Die Aussagekraft eines FibroScan-Befundes bezüglich einer speziell alkoholbedingten Leberfibrose kann so weiter erhöht werden. 1)The Lancet Gastroenterology & Hepatology Published: July 5, 2018 DOI: … Continue reading

Ergebnisse

Beispiel: Für die chronische Hepatitis B wurde bezüglich der Diagnose einer Leberzirrhose durch den Fibroscan ein Sensitivität von 57%, eine Spezifität von 97%, einen positiven Vorhersagewert (PPV) von 67% und einen negativen Vorhersagewert (NPV) von 96% berichtet [6].

Eine Vibrations-kontrollierte Transiente Elastographie (VCTE) mit FibroScan hat in einer größeren Studie ergeben, dass eine F4-Fibrose mit AUROC-Werten von 0.92 identifiziert werden kann. Wenn der Cut-off bei 12.8 für F4 angesetzt wird, besteht eine Sensitivität von 84% und eine Spezifität von 86% [7].

In einer Belgischen Studie fand sich für eine fortgeschrittene Leberfibrose eine
diagnostische Akkuratheit von 0.89 und für eine Leberzirrhose von 0.93. Im Vergleich zu anderen Methoden (wie Fibrotest oder Fib-4) ergab der Fibroscan die verlässlichsten Aussagen [8].

Störanfälligkeit

Bei einer Vielzahl von Patienten können wegen zu dicken Fettgewebes und aus anatomischen Gründen keine verlässlichen Messungen durchgeführt werden. In einer großen Untersuchung waren 22% der Untersuchungen nicht auswertbar [9].
Wegen der Störanfälligkeit sollten mindestens 3 Untersuchungen mit nahe beieinander liegenden Ergebnisse vorliegen, deren Mittelwert verwendet wird.

Die Ergebnisse von FibroScan-Messungen können unter verschiedenen Bedingungen zu hohe Werte liefern, die sich nicht problemlos in Richtung Leberzirrhose interpretieren lassen:

  • hohe Transaminasen bei Hepatitis: insbesondere bei der Hepatitis B kann die Entzündungsaktivität, messbar an den Transaminasen GOT und GPT, deutlich erhöht sein und zu erhöhten Werten bei der FibroScan-Messung führen [10]. Dies betrifft vor allem die Fibrosegrade 3 und 4, nicht dagegen die Fibrosegrade 1 und 2 [11].
  • Mahlzeiten: Das Ergebnis einer Fibroscan-Untersuchung wird durch zuvor eingenommene Mahlzeiten verfälscht. Bei Patienten mit chronischer Hepatitis C fand sich ein signifikanter Anstieg der Werte zwischen 15 und 45 Minuten nach einer Trinkmalzeit. Nach 120 Minuten lagen die Werte wieder im Nüchternbereich. Die postprandiale Abweichung war um so größer, je fortgeschrittener die Fibrose war [12].
  • Cholestase: eine Galleabflussstörung (extrahepatische Cholestase) führt zu einer Erhöhung der Lebersteifheit [13].
  • Herzinsuffizienz: eine Erhöhung des zentralvenösen Drucks bei Rechtsherzinsuffizienz erhöht die Lebersteifheit [14].

Alternative Methoden

Alternative Methoden zur Bestimmung eines fortgeschrittenen Fibrosegrads und einer Leberzirrhose sind

Verweise

Literatur

  1. ? Patel K. Curr Opin Gastroenterol. 2010 Feb 22. [Epub ahead of print]
  2. ? Gut. 2006 Mar;55(3):403-8
  3. ? Dtsch Med Wochenschr. 2006 Dec 8;131(49):2765-9
  4. ? Z Gastroenterol. 2007 May;45(5):387-94
  5. ? J Hepatol 2009;50:59-68
  6. ? Liver Int. 2009 Feb; 29(2):242-7
  7. ? Clin Gastroenterol Hepatol. 2015 Apr;13(4):772-9.e1-3. doi: 10.1016/j.cgh.2014.12.014.
  8. ? Eur J Gastroenterol Hepatol. 2015 Sep;27(9):1074-9
  9. ? J Hepatol. 2012 Jan;56(1):55-62
  10. ? Hepatology. 2008;47:380–384
  11. ? PLoS One. 2012;7(2):e32233. doi: 10.1371/journal.pone.0032233. Epub 2012 Feb 23.
  12. ? Hepatology. 2013 Jul;58(1):65-72
  13. ? Hepatology. 2008 Nov; 48(5):1718-23
  14. ? J Hepatol. 2010;52:206–210
  15. ? Radiology. 2009 Aug;252(2):595-604

Literatur

Literatur
1 The Lancet Gastroenterology & Hepatology Published: July 5, 2018 DOI: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(18)30124-9