Colitis ulcerosa – einfach erklärt

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Colitis ulcerosa – einfach erklärt

Welche Organe und Strukturen des Körpers mit beteiligt sein können

Bei der Colitis ulcerosa treten in über 35% der Fälle entzündliche Mitbeteiligungen anderer Organe und Strukturen auf, die wie eigenständige Krankheitsbilder aussehen und eigene Beschwerden hervorrufen. Sie werden als „extraintestinale Manifestationen“ bezeichnet.

Zu den betroffenen Organen und Strukturen gehören:

  • die Haut (z. B. schmerzhafte Rötungen im Sinne eines Erythema nodosum, eitrige Hautinfektionen im Sinne eines Pyoderma gangränosum),
  • die Schleimhäute (oberflächliche, aphtöse Geschwürchen z.B. in der Mundschleimhaut),
  • die Leber mit der PSC (Primär sklerosierende Cholangitis): dies ist eine chronische Entzündung der Gallenwege mit der Folge einer Gelbsucht,
  • das Bewegungsorgan (rheumatische muskuloskelettale Beschwerden),
  • die Haut mit Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum und Psoriasis,
  • die Augen mit einer Entzündung der Aderhaut (Uveitis) oder des äußeren Augenweiß (Episkleritis).

Welche Beschwerden auftreten können

  • Beschwerden durch die Colitis:
    • Durchfälle (Diarrhö): sie sind charakteristisch für jede Dickdarmentzündung; bei der Colitis ulcerosa sind sie meist blutig, bei mildem Verlauf schleimig. Bei schweren Schüben kommen oft weit mehr als 20 durchfällige Stühle am Tag zusammen.
    • Bauchbeschwerden: Uncharakteristische Bauchbeschwerden sind nicht sehr ausgeprägt und typisch. Sie resultieren aus gelegentlich vermehrten Darmbewegungen und Blähungen. Plötzliche heftige Bauchschmerzen können bei schwerem Verlauf auf eine Darmlähmung und Darmperforation hindeuten (toxisches Megakolon).
    • Blutarmut (Anämie): Der ständige Blutverlust kann zu einer ausgeprägten Blutarmut, Frösteligkeit, Müdigkeit und körperlichen Schwäche führen.
  • Beschwerden durch Mitbeteiligung anderer Organe:
    • Gelenkbeschwerden als Folge einer Mitbeteiligung von (meist großen) Gelenken mit asymmetrischem Befall ähnlich wie bei der rheumatoiden Arthritis,
    • Kreuzschmerzen ähnlich wie beim Morbus Bechterew,
    • Gelbsucht (Ikterus) und Juckreiz als Folge einer Störung des Galleabflusses durch eine Entzündung der Gallenwege (PSC).
    • Augenschmerzen und Sehstörungen durch eine Augenentzündung,
    • allgemeine Knochenschmerzen durch Osteoporose mit erhöhtem Risiko für Knochenbrüche,
    • Hauterscheinungen
      • mit schmerzhaften rötlichen Erhabenheiten meist vor dem Schienbein (Erythema nodosum) und
      • eitrigen Pusteln (Pyoderma gangraenosum),
      • geröteten und stark schuppigen Hautstellen (Psoriasis).

Darmkrebsrisiko bei langem Verlauf

Das Risiko für Darmkrebs ist bei Menschen mit Colitis ulcerosa um das 2,4-fache erhöht. Daher sollten Patienten mit einer jahrelangen Laufzeit streng überwacht werden. Dies erfolgt i.d.R. durch wiederholte Darmspiegelungen. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass bei einer stark ausgeprägten Entzündung und Vernarbung der Schlaimhaut in ihr verborgene kleine Krebsherde nicht leicht zu erkennen sind. Und eine Erkennung erst macht eine gezielte Biopsie möglich. Größere Krebsherde sind natürlich leichter zu erkennen, aber zur vollständigen Entfernung vielleicht schon zu groß! Eine genetische Testung von Stuhlproben kann Abhilfe schaffen, wenn nachgewiesen werden kann, dass sie Krebszellen sehr empfindlich nachweist. Solche Stuhl-DNA-Tests scheinen sehr Erfolg versprechend zu sein.

Bisher gilt die Empfehlung, insbesondere jüngere Menschen mit lange bestehender Colitis ulcerosa engmaschig zu kontrollieren. Evidenzbasierte Leitlinien empfehlen eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) nach 8 bis 10 Jahren und nachfolgenden Kontrollkoloskopien je nach Risiko (bei großer Ausdehnung, familiärer Darmkrebsbelastung, begleitender PSC z. B. jedes Jahr). Das Vorgehen muss individuell abgewogen werden.

Wie man die Colitis ulcerosa erkennt und überwacht

Vorgeschichte: Jede Durchfallkrankheit, die länger als 3-5 Tage dauert, ist verdächtig auf eine nicht infektiös bedingte Darmkrankheit. Sind die Durchfälle blutig, ist der Betroffene jung und liegen Ansteckungsrisiken nicht vor, so sollte an eine Colitis ulcerosa gedacht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn bei einem engen Familienmitglied eine chronische Darmkrankheit bekannt ist.

Dickdarmspiegelung: Um die Diagnose zu sichern, benötigt man einen Aspekt der Darmschleimhaut und vor allem eine Gewebeprobe (Schleimhautbiopsie) zur Untersuchung unter dem Mikroskop (Histologie). Dazu dient eine Darmspiegelung (Koloskopie). Bei stark entzündeter Schleimhaut wird die Spiegelung nicht sehr weit durchgeführt, um den Darm nicht zu verletzen. Sie wird nach eine Anbehandlung wiederholt, wenn die Entzündung etwas abgeklungen ist, um die Ausdehnung festzustellen und Krebs in der Schleimhaut auszuschließen.

Darmsonographie: Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Darms lässt häufig auch ohne Spiegelung die Ausdehnung und den Schweregrad der Entzündung des Dickdarms erkennen. Diese Untersuchungsmethode eignet sich sehr gut zur Kontrolle des Verlaufs unter Therapie und ersetzt häufige Spiegelungen.

Weitere Untersuchungsmethoden: Eine Computertomographie dient der Erkennung von Raumforderungen (z. B. Krebs, Lymphknotenvergrößerungen, Darmengen (Stenosen) und Veränderungen an weiteren Organen wie der Leber).

Laborwerte: wichtig sind vor allem die Werte, die die Ausprägung der Entzündung (Entzündungsparameter:CRP, BSG) und einer Blut- und Eisenarmut (Erythrozyten, Hämoglobin, Ferritin) anzeigen. Die Leberwerte können auf eine Leberbeteiligung hindeuten. Die Nierenwerte und Elektrolyte sind bei starken Durchfällen wichtig, da sie dann erheblich gestört sein können.


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