Borreliose

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Klinische Symptome und Diagnosestellung

Voraussetzung für die Diagnose einer Borreliose ist ein Aufenthalt in einem Endemiegebiet. Ein Zeckenbiss selbst ist, wenn erst Spätfolgen zum Arzt führen, oft nicht mehr erinnerlich. Wichtig ist daher ein sofortiger Arztbesuch, besonders wenn nach einem Zeckenbiss eine lokale entzündliche Rötung der Haut auftritt.

  • Stadium 1: Die klinische Diagnose der Lyme-Borreliose gründet sich im Anfangsstadium auf die charakteristische Hauterscheinung eines Erythema migrans, das sich um einen Zeckenbiss herum scharfrandig und mit einem typischen roten Halo ausbreitet; der rote Halo entsteht durch eine Abblassung im Zentrum des Erythems. Vielfach finden sich begleitend Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen (Myalgien) und Gelenkschmerzen (Arthralgien, ähnlich grippalen Symptomen), seltener Appetitlosigkeit, Fieber und schmerzhafte regionale Lymphknotenvergrößerungen. Auch können atypische neurologische Symptome auftreten: in einem Fall wurde eine akute Verwirrtheit fälschlicherweise als Alzheimer-Demenz verdächtigt und erst durch eine Liquorpunktion und Nachweis von CXCL13 (Marker) als akute Borreloise erkannt. 1) 2018 Feb;9(2):415-417. doi: 10.1016/j.ttbdis.2017.12.008. Die häufigen grippeähnlichen Arthralgien im Stadium 1 sind nicht zu verwechseln mit der Lyme-Arthritis im Stadium 3! Im Anfangsstadium kann die Borreliose-Serologie noch negativ sein; sie ist nur in 20-40% der Frühfälle positiv. In diesem Stadium kann auf eine Serologie verzichtet werden; die Therapie sollte in jedem Fall begonnen werden, insbesondere, da die erstauftretenden IgM-Antikörper erst nach etwa 10 Tagen nachweisbar werden. Eine frühzeitige antibiotische Therapie kann jedoch eine Serokonversion (Bildung von Antikörpern) verhindern, so dass später eine stattgehabte Infektion nicht mehr bewiesen werden kann.
  • Stadium 2: Der Verdacht auf eine Borreliose sollte bei folgenden Symptomen aufkommen:
    • Hautbefunde: mehrere scharf begrenzte und wandernde Hautrötungen (Erythema migrans an mehreren Stellen),
    • Befunde einer Neuroradikulitis (Bannwarth-Syndrom):
      • Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Fieber (lymphozytäre Meningitis: Lumbalpunktion!),
      • Schläfrigkeit, Somnolenz (durch eine Enzephalomyelitis),
      • Paraesthesien bis Schmerzen entlang eines oder mehrerer Nerven (wegen motorischer oder sensorischer radikulärer Neuropathie) häufig mit Facialislähmung, seltener mit Abducenslähmung,
    • neu aufgetretene Herzrhythmusstörungen oder Blockbilder im EKG (z. B. av-Block)
      auftreten.
    • In diesem späteren Stadium, wenn also neu aufgetretene Herzrhythmusstörung oder neurologische Symptome abgeklärt werden müssen, sollte an eine frühe disseminierten Borreliose mit Spirochäten-Aussaat über die Blutbahn gedacht werden. In diesem Fall sollte nach einem Zeckenbiss und einem sich ausbreitenden und wandernden oder springenden (an verschiedenen Orten aufflammenden und wieder vergehenden) Erythem (Hautrötung) gefragt werden, was die Verdachtsdiagnose unterstützen würde. Der Verdacht wird durch eine stark positive Borrelien-Serologie (IgG-Antikörper) im Blut und ggf. auch im Liquor bestärkt (s.u.).
  • Stadium 3: das Spätstadium einer chronischen Infektion, auch als chronisches Lyme-Syndrom bezeichnet, ist meist durch eine Mono- oder Oligoarthritis gekennzeichnet. Oft finden sich zudem Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Rhythmusstörungen des Herzens, sowie Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Reizbarbkeit und Schlafstörungen. 2)BMC Fam Pract. 2014 May 1;15:79. doi: 10.1186/1471-2296-15-79

Bei der serologischen Untersuchung finden sich IgG-Antikörper gegen Borrelien, die die Diagnose unterstützen. Da die Antikörper bei allgemein angeregter Immunlage auch unspezifisch mitreagieren können, ist eine alleinige serologische Diagnosestellung ohne zusätzliche anamnestische Angaben, die auf eine Borrelieninfektion hindeuten, und ein Aufenthalt in einem Endemiegebiet nicht möglich (s.u.).

Differenzialdiagnosen

Zur Erklärung der organspezifischen Symptome kommen die jeweiligen Differenzialdiagnosen (s. o.) in Betracht.

Die Abgrenzung einer Borreliose im chronischen Stadium von einer Fibromyalgie ist bei Beschwerden des Bewegungsapparats gelegentlich schwierig. Muskuloskelettale Beschwerden mit schmerzhaften Triggerpunkten nahe Muskelansätzen und Gelenken sowie Müdigkeit ohne Entzündungszeichen weisen auf eine Fibromyalgie. Bei Nachweis von Entzündungszeichen kommt dagegen eine Borreliose in Betracht.

Serologie

Die Borreliose-Serologie unterstützt die Diagnose, kann sie jedoch alleine genommen nicht begründen (s. o.). Daher wird eine Borreliosetestung bei fehlendem oder nur schwachem Verdacht aufgrund einer hinweisenden Anamnese und klinischen Befund von manchen Autoren als nicht gerechtfertigt angesehen. Andere führen jedoch an, dass in wenigen Fällen eine in der Anfangszeit asymptomatische Borreliose später in eine symptomatische chronische Borreliose wandelt; sie nehmen eine Serokonversion als Anlass zu einer Therapie (s. u.).

Als Nachweismethoden dienen meist ein ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay) und ein Western Blot. Der ELISA ist wegen unspezifischer Mitreaktion des Immunsystems bei Stimulation und kreuzreagierender Antikörper gelegentlich falsch positiv; der Western Blot dient der Bestätigung.

Eine frühzeitige antibiotische Therapie im frühen lokalisierten Stadium kann eine Serokonversion verhindern.

Bei beidseitiger Facialislähmung oder einer ungeklärten Monarthritis kann ein hoch positiver Antikörpernachweis die Diagnose einer Borreliose stark unterstützen.

Eine serologische Kontrolle des Verlaufs einer Borreliose kann keinen Hinweis auf den Erfolg einer Therapie geben und ist nicht erforderlich.


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Literatur

Literatur
1 2018 Feb;9(2):415-417. doi: 10.1016/j.ttbdis.2017.12.008.
2 BMC Fam Pract. 2014 May 1;15:79. doi: 10.1186/1471-2296-15-79