Autismus-Spektrum-Störungen

Schweregrade der Autismus-Spektrum-Störung

Die Ausprägung der Symptome kann in Punkte eingeteilt und zur Bestimmung des Schweregrads des ASD verwendet werden. Aus praktischen Gründen wird oft eine grobe Einteilung in „high functioning“ und „low functioning“ Autismus vorgenommen. Menschen mit „high functioning“ Autismus können einerseits zwar Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen haben, andererseits aber auf nicht emotionalen Gebieten, wie z. B. bei mathematischen oder technisch-analytischen Aufgaben oder beim Aufbau und der Verwaltung von Sammlungen hohe Begabungen an den Tag legen (Savants, s. u.). Menschen mit „low functioning“ Autismus sind dagegen selbst bei einfachen Anforderungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen und reagieren bereits auf kleine Veränderungen ihres Tagesablaufs oder der gewohnten engeren Umwelt mit Verstörung. Dies kann dazu führen, dass nur Bekanntes gesucht und durchgeführt wird bis hin zu einer Erstarrung in Routinen und repetitiven Verhaltensweisen. Oft eignen sich Autisten tabellarisches Wissen ohne Kenntnis des Zusammenhangs an. In wenigen Fällen scheint ihnen das besonders leicht zu fallen, was zu Publizität führt; aber dies ist bei der Vielfalt der Erscheinungsformen durchaus nicht die Regel.

Verschiedene Formen und Ausprägungen autistischer Störungen

Autismus

Autismus-Spektrum-Störungen waren bisher durch eine Verzögerung der normalen Entwicklung im Kleinkindesalter bis zu 3 Jahren in mindestens einer der folgenden Punkte gekennzeichnet:

  • soziale Interaktion
  • Kommunikation (sprachlich, mimisch oder gestisch),
  • sterotype, repetitive Verhaltensweisen, Aktivitäten und Interessen.

Unter den Autisten gibt es solche mit Inselbegabungen (Savants), die auf bestimmten engen Gebieten besondere Fähigkeiten erlangen (Zahlentabellen, Mathematik, Kunst, Musik etc.). Savant-Fähigkeiten sind aber eher selten zu finden.

Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom (benannt nach dem österreichischem Kinderarzt Hans Asperger) gehört zu den Autismus-Spektrum-Störungen. Es unterscheidet sich von anderen Formen des Autismus durch eine weitgehend erhaltene Entwicklung kognitiver und sprachlicher Fähigkeiten und der Intelligenz. Allerdings sind manchmal eine gewisse körperliche Ungeschicklichkeit und ein seltsamer Sprachgebrauch auffällig. Das Asperger-Syndrom rangiert auf der Schweregrad-Skala der ASDs unter den weniger ausgeprägten Formen. Es besteht ein fließender Übergang zum „high-functioning-Autismus“.

Heller-Syndrom

Das Heller-Syndrom ist ein unerklärter zunehmender Abbau geistiger und motorischer Fähigkeiten, das bei Kleinkindern im Alter von etwa 3 Jahren beginnt und rasch zunehmend autistische Verhaltensweisen an den Tag legt 1)Nervenarzt. 1983 Nov;54(11):604-6.

Rett-Syndrom

Das Rett-Syndrom wird trotz Ähnlichkeiten im Erscheinungsbild nicht zu den ASDs gerechnet. Es ist eine genetisch determinierte Krankheit, die praktisch ausschließlich das weibliche Geschlecht betrifft. Es beruht auf der Mutation des Gens für das Methyl-CpG-Bindungsprotein 2 (MECP2). Die Entwicklung der ersten 6-18 Monate verläuft normal. Dann jedoch kommt es zu einem rapiden Verlust erworbener motorischer, kognitiver, sprachlicher und sozialer Fähigkeiten, was sich in einem zunehmend schweren autistischen Bild äußert. Zentral für die Entwicklung der Symptomatik scheint eine Störung des Stoffwechsels von Cholesterin (Bestandteil von Zellmembranen, so auch von Membranen von Nervenzellen) zu sein [65]. (Zum Rett-Syndrom siehe hier.)

Häufige ASD-assoziierte Begleitkrankheiten

Die Autismus-Spektrum-Störungen sind übernormal häufig mit anderen neurologischen und psychiatrischen Auffälligkeiten assoziiert, wie

  • einem Tourette-Syndrom,
  • einer Epilepsie,
  • Zwangsstörungen,
  • einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und
  • Angststörungen 2)Lancet Psychiatry. 2015 Nov;2(11):1013-27 3)Autism. 2015 Oct 15. pii: 1362361315604271.
  • einem „Fragilen-X-Syndrom“ (FXS)
  • einer tuberösen Sklerose (Morbus Bourneville).
  • der tuberösen Sklerose, einer genetisch determinierten Erkrankung, bei der der mTOR-Signalweg überaktiviert ist. Diese Form reagiert günstig auf mTOR-Hemmer (siehe hier).

Therapie des Autismus

Die Führung und Behandlung von Menschen mit autistischen Verhaltensweisen richtet sich auf stressarme Lebensbedingungen, eine Verbesserung der Sozialfähigkeit und eine Milderung krankhafter Symptome. Da die Symptome sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können, muss die Behandlung individuell erfolgen, wobei eine Reihe von Maßnahmen in Betracht kommt. Zu ihnen gehören die Einrichtung eines stressarmen Umfelds, ein Verhaltenstraining, diätetische Maßnahmen und Medikamente. Dazu siehe hier.

Eine neue Therapieoption scheint die Substitution von Folinsäure zu sein, die beim nichtsyndromischen Autismus zu einer deutlichen Veresserung des SCARS-Scores und in immerhin etwa 20% zu einer Normalisierung der Symptomatik führte. 4)Autism Res Treat. 2019 Jun 18;2019:7486431. doi: 10.1155/2019/7486431.


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Verweise

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Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

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