Zecken als Krankheitsüberträger

Zecken sind Parasiten, die als Krankheitsüberträger in der Humanmedizin und auch in der Tiermedizin eine große Bedeutung erlangt haben.

Die für den Menschen wichtigsten Erreger, die durch Zecken übertragen werden, sind

  • Borrelien, die Erreger der Borreliose (auch als Lyme-Erkrankung bezeichnet), und
  • Viren, die für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verantwortlich sind.

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Zecken und ihre Wirtssuche

Zecken gehören zu den parasitischen Milben. Die in Europa hauptsächlich vorkommenden Zeckenarten gehören der Familie der Schildzecken (Ixodes spec.) an; eine in Deutschland sehr häufige Zeckenart ist der gemeine Holzbock (Ixides rizinus).

Zecken sind an Bodenpflanzen und Buschwerk bis in eine Höhe von etwa 1,5 Meter zu finden, von wo aus sie auf Säuger übergehen. Die Erkennung eines geeigneten Wirts erfolgt über Geruchswahrnehmung, wobei Schweiß eine entscheidende Rolle spielt; so können beispielsweise Milchsäure und Buttersäure von Zecken wahrgenommen werden. Die Zecken lassen sich auf diesen Reiz hin ins Fell oder auf die Haut des Wirts fallen und suchen sich anschließend eine geeignete Stelle für die Blutmahlzeit.

Oft erkennt man auf seiner Haut nach einer Wanderung oder Feldarbeit einen krabbelnden schwarzen Punkt, der mit der Lupe betrachtet eine Zecke auf der Suche nach dem besten Einstichort darstellt. Oft ist dies die Kniekehle, die Leistenbeuge oder Taille, beim Hund oft Leiste, Nacken oder Ohr.

Die Zecken besitzen „Kieferklauen“, die als scharfe Mundwerkzeuge dazu dienen, die Haut ihres Wirtes so einzuritzen, dass der zur Blutsaugung dienende Stechapparat eindringen kann. Durch ihn wird der Wunde ein Sekret zugeführt, das schmerzlindernd, entzündungshemmend und gerinnungshemmend ist. Durch diesen Apparat wird auch Blut aus der Wunde aufgesogen, was einige Tage dauern und dem Umfang der Zecke um ein zigfaches vergrößern kann.

Entfernung der Zecke

Große Zecke, krabbelnd, leicht erkennbar.
Junge, sehr kleine Zecke, frisch festgebissen, noch nicht vollgesogen, mit bloßem Auge nur als Pünktchen erkennbar. Reaktiv geröteter Hof der Haut. Sie sollte mit der Zeckenzange ohne sie zu quetschen sofort entfernt werden.

Zecken, die noch krabbeln, lassen sich problemlos abpflücken; sie sollten zwischen den beiden Daumennägeln zerquetscht werden.

Zecken, die sich festgebissen haben, werden am besten so früh wie möglich und sehr schonend entfernt. Dazu gehört vor allem nach Aufenthalt im Gestrüpp eines endemischen Borreliose- oder FSME-Gebiets eine sorgfältige Suche auf der Haut mit Spiegeln oder einer zweiten Person, die auch den Rücken betrachten kann. Man sollte die festsitzende Zecke mit einer Zeckenzange, die in Apotheken und manchen Drogerien zu erhalten sind, so greifen, dass sie nicht gequetscht werden. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass bei der Manipulation Speichel der Zecke in die Wunde gepresst wird. Der richtige Griff erfolgt daher im Bereich der Mundwerkzeuge, die sich in die Haut gebohrt haben, und nicht am Körper. Eine kleine Drehung bewirkt eine Öffnung der Kieferklauen, so dass die Zecke sich leicht ablösen lässt.

Krankheitsvorsorge nach Stich

Manchmal wird empfohlen, die Zecke zur Sicherheit auf Krankheitserreger untersuchen zu lassen. Die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Borrelien steigt mit der Zeit, die die Zecke sich festgebissen und Blut gesaugt hat; die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von FSME-Viren ist dagegen schon gleich beim Biss sehr hoch, falls die Zecke infiziert ist.

Einige Labore bieten Tests auf Borrelien in Zecken an. Die Überprüfung einer Zecke auf Borrelien ist auf jeden Fall dann sinnvoll, wenn sich um den Stich herum eine Rötung ausbreitet. Dafür sollte die entfernte Zecke nach ihrer Entfernung allerdings aufgehoben werden.

Bei der nicht vorsorglich behandelbaren FSME dagegen hilft nur die gute Beobachtung auf erste Symptome der Erkrankung, damit man frühzeitig den Arzt hinzuziehen kann. Allerdings kann die FSME-Diagnostik in einem Labor, das einen Zeckenschnelltest anbietet, die Aufmerksamkeit schärfen oder unnötige Angst zerstreuen.

Verbreitung

Ausbreitung in ländlichen Gebieten: Zecken mit Borrelien sind über ganz Deutschland bzw. Europa verbreitet, solche mit FSME-Viren sind im Wesentlichen auf Endemiegebiete beschränkt. FSME-Endemiegebiete sind Süddeutschland und die Alpenländer.

Die Ausbreitungskarten für Borreliose und FSME werden ständig vom Robert-Koch-Institut aktualisiert.

Ausbreitung der Infektionsgefährdung in die Städte hinein: Eine erhöhte Infektionsgefahr besteht nicht nur in ländlicher Umgebung. Auch Stadtgebiete werden zunehmend zu Risikogebieten 1)Parasit Vectors. 2017 Mar 24;10(1):158. doi: 10.1186/s13071-017-2094-8. Kulturfolger sind daran offenbar beteiligt. Der Europäische Igel beispielsweise trägt laut Untersuchungen in den Niederlanden zur Verbreitung von durch Zecken und von ihnen übertragenen Erkrankungen in Stadtgebieten bei 2)Parasit Vectors. 2015 Apr 9;8:210. doi: 10.1186/s13071-015-0814-5 . Igel werden von verschiedenen Zeckenarten befallen. Gefunden wurden Ixodes hexagonus und Ixodes ricinus; beide waren mit verschiedenen Borrelienarten infiziert (Borrelia miyamotoi, A. phagocytophilum, R. helvetica und B. burgdorferi (Genospecies: Borrelia afzelii, Borrelia bavariensis und Borrelia spielmanii) 3)Parasit Vectors. 2017 Mar 7;10(1):134. doi: 10.1186/s13071-017-2065-0 .

Von Zecken übertragene Krankheiten

Die in Mitteleuropa hauptsächlich von Zecken übertragenen Krankheiten sind

Zecken übertragen nicht nur Borrelien sondern auch andere Pathogene wie Anaplasma phagocytophilum, Wolbachia sp., Candidatus Neoehrlichia mikurensis, Rickettsia helvetica, Rickettsia monacensis, Borrelia miyamotoi und verschiedene Babesia-Spezies. Nicht alle Infektionen führen zu klinischen Symptomen 4)Int J Med Microbiol. 2004 Apr;293 Suppl 37:86-92. Ein Erreger, der im europäischen Raum keine besondere Rolle spielt, ist Trypanosoma copemani 5)Parasitology. 2011 Apr 26:1-7.

Koinfektion mit anderen Erregern: Die Wahrscheinlichkeit, mit der bei einer Lyme-Erkrankung mit Erythema migrans (wandernde Hautrötung, erstes Stadium) auch andere Krankheitskeime (Pathogene) mit übertragen werden, wurde nach einer Untersuchung in den Niederlanden 2016 mit 2,7% gefunden 6)PLoS Negl Trop Dis. 2016 Oct 5;10(10):e0005042. doi: 10.1371/journal.pntd.0005042 .

Borreliose

Die Borreliose (auch Lyme-Borreliose genannt) ist eine anfangs lokale, später generalisierte Infektion mit dem Bakterium Borrelia Burgdorferi und wenigen anderen humanpathogenen Borrelienarten. Borrelien sind Bakterien, der sich durch die Aktion von Geißelfäden rasch bewegen kann. Die Borreliose mach typischerweise verschiedene Stadien durch:

  • die lokale Hautrötung um den Stich herum, deren scharfer Rand „wandert“ (Erythema migrans); sie entsteht etwa 10 Tage nach dem Stich der Zecke,
  • eine Frühphase der Erregersteruung im Körper mit grippeähnlicher Symptomatik, in der Fieber, Muskelschmerzen (Myalgien), Gelenkschmerzen (Arthralgien), Empfindlichkeit des gesamten bindegewebigen Halteapparates (Fibromyalgie) und Abgeschlagenheit (bis hin zum Chronic-Fatigue-Syndrom) vorherrschen; in dieser Phase können innere Organe wie Herz, Nervensystem, Gelenke etc. befallen werden (Herzinsuffizienz, neurologische Symptomatik, Arthritis), so dass die Symptomatik sehr bunt und wechselhaft ausfallen kann; diese Phase kommt meist erst nach Wochen oder wenigen Monaten zutage.
  • eine Spätphase (chronisches Stadium), in der die Krankheit wegen Erregerpersistenz im Körper schwelen oder immer wieder aufflammen kann. Auch dieses Stadium ist je nach befallenen Organen in seiner Symptomatik sehr variabel (chronische Arthitis, chronische Herzinsuffizienz, Lähmungen etc.). Es wird nach Monaten bis Jahren beobachtet.

Die Behandlung durch Antibiotika sollte so früh wie möglich einsetzen, damit Spätschäden vermieden werden.

Zur Borreliose siehe hier.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die FSME ist eine durch RNA-Viren übertragene Erkrankung des zentralen Nervensystems (Enzephalon) und der Hirnhäute (Meningen), die individuell mehr oder weniger ausgeprägte Infektionssymptome verursacht. Bei starker Reaktion, die in etwa 1/3 der Fälle beobachtbar ist, entwickelt sich eine Hirnhautentzündung (Meningitis) und Hirnentzündung (Enzephalitis) mit Kopfschmerzen, Brechreiz, Lichtscheu, Geräuschempfindlichkeit und Benommenheit bis hin zu Eintrübung und zentralem Koma bei zunehmendem Hirndruck. Manche FSME-Infektionen dagegen werden kaum bemerkt oder laufen wie ein grippaler Infekt ab. Während die Therapie lediglich eine Symptomkontrolle zum Ziel haben kann (eine ursächliche Therapie gibt es nicht), kann durch Impfung eine wirksame Vorbeugung getroffen werden. Zecken sind nur sehr gering mit FSME-Viren durchseucht; FSME-Endemiegebiete sind Süddeutschland und die Alpenländer.

Zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) siehe hier.


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Verweise

 


Literatur   [ + ]

1. Parasit Vectors. 2017 Mar 24;10(1):158. doi: 10.1186/s13071-017-2094-8
2. Parasit Vectors. 2015 Apr 9;8:210. doi: 10.1186/s13071-015-0814-5
3. Parasit Vectors. 2017 Mar 7;10(1):134. doi: 10.1186/s13071-017-2065-0
4. Int J Med Microbiol. 2004 Apr;293 Suppl 37:86-92
5. Parasitology. 2011 Apr 26:1-7
6. PLoS Negl Trop Dis. 2016 Oct 5;10(10):e0005042. doi: 10.1371/journal.pntd.0005042