Spondylodiszitis

Spondylodiscitis bedeutet Entzündung der Bandscheibe durch eine Infektion mit bakteriellen Erregern oder Pilzen. 1)Dtsch Arztebl 2008; 105: 181-187

Entstehung

Meist geht man von einer bakteriellen Besiedlung vom Blut her aus. Immunschwache Patienten tragen ein erhöhtes Risiko. Eine bakterielle Endokarditis kann Ursache aber auch Folge sein.

Erreger

Am häufigsten finden sich:

  • Staphylococcus aureus (um 36%)
  • E. coli (um 23%)
  • Streptokokken (fast 20%)

Seltener finden sich:
Pseudomonas, Proteus und andere

Infektionsweg

  • Hämatogen  (über das Blut): daher Suche nach Infektionsquelle, z. B. Ausschluss einer bakteriellen Endokarditis (Herzecho)
  • nach invasivem Eingriff,
  • von einer Spondylitis weitergeleitet.

Verlauf

Meist ist der Verlauf akut mit Fieberschüben und lokalen Schmerzen. Es gibt chronische Verläufe, vor allem nach einer insuffizienten antibiotischen Therapie.

Eine von einer Spondylodiszitis ausgehende Bakteriämie kann Ursache einer bakteriellen Endokarditis sein, die rasch zu einer lebensbedrohlichen Insuffizienz von Herzklappen (beipielsweise eine Mitralinsuffizienz oder Aorteninsuffizienz) führen kann. Das Herz ist daher in der akuten Phase täglich abzuhören und regelmäßig in Abständen über Echokardiographie zu kontrollieren.

Diagnostik

  • Anamnese: Rückenschmerzen ungeklärter Genese
  • Untersuchung: Klopfschmerz in Höhe des betroffenen Discus intervertebralis, Stauchungsschmerz, Fieber oft mit septischen Spitzen
  • MRT der Wirbelsäule (sicherste Nachweismethode) *Blutkulturen (besonders in septischen Spitzen)
  • Labor: Entzündungsparameter erhöht wie BSG (kann stark erhöht sein), CRP und Leukozytose
  • Bakteriologie: Blutkulturen in Fieberspitzen bzw. schon bei Beginn eines Schüttelfrosts.
  • Jede Spondylodiszitis ohne Fieber und septische Temperaturen und ohne Erregernachweis sollte an eine Tuberkulose denken lassen. Spondylitis der Nachbarwirbel? Ggf. Punktion/Knochenstanze zur Erregerdiagnostik und Histologie.

Differenzialdiagnosen

Als Differenzialdiagnosen kommen folgende in Betracht: Tumor, Fraktur eines Wirbelkörpers, Wirbelkörpertuberkulose.

Therapie

  • Ruhigstellung
  • Antibiotika (gezielt, daher zuvor Kulturen aus Blut oder ggf. auch aus einer Stanze), Dauer in der Regel 6 Wochen bis 3 Monate bzw. 6 Wochen nach Normalisierung der Entzündungsparameter
  • ggf. operatives Debridement und Entlastung des Spinalkanals, ggf. Spondylodese

→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Dtsch Arztebl 2008; 105: 181-187