Rotavirus-Infektion

Bedeutung

Rotaviren sind weltweit Erreger einer Magendarminfektion (Gastroenteritis) und wegen des raschen Flüssigkeitsverlusts (Dehydratation) besonders bei Kleinkindern und Säuglingen gefürchtet. Etwa 37% der Todesfälle durch schwere Durchfälle (Diarrhö) sind durch eine Rotavirus-Infektion bedingt  1)N Engl J Med 2017; 376:1121-1130 March 23, 2017 DOI: 10.1056/NEJMoa1609462.

Auch bei Erwachsenen können Rotaviren zu einer akuten Gastroenteritis führen. Sie sind häufig Ursache der Reisediarrhö (ca 10%) und lösen besonders bei abwehrgeschwächten Patienten Magendarminfekte aus. Es besteht die Gefahr eines Kaliummangels (Hypokaliämie)!


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Entstehung

Eine Infektion mit Rotaviren führt Schleimhautdefekten im Dünndarm. Es kommt zum Absterben der Zellen der Villusspitzen, die durch unreife Zellen ersetzt werden. Da deren Funktion zur Resorption von Nahrungsbestandteilen noch nicht ausgebildet ist, können sie nicht genügend Nahrungsbestandteile resorbieren. Es kommt es zu einer Mangelernährung. Zudem kommen die nicht resorbierten kleinen Moleküle in den Dickdarm und führen dort zu einer osmotischen Diarrhö (sie binden Flüssigkeit, die nicht resorbiert werden kann). Der dadurch bedingte Flüssigkeitsverlust kann – speziell für Kleinkinder – lebensbedrohlich sein.

Infektion

Zur Infektion kommt es durch eine fekal-orale Übertragung (Schmierinfektionen, Verunreinigung von Nahrungsmitteln). Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Tage, die Erkrankungsdauer Dauer etwa 2-4 (-7) Tage. Eine Ausscheidung des Virus über den Stuhl erfolgt anschließend noch einige Tage bis 2 Wochen lang, in Einzelfällen (besonders bei Immunschwäche) über mehrere Wochen.

Symptomatik

Es kommt zu einer breiigen Diarrhö und häufig zu Fieber. Die Symptomatik ist selbstlimitiert und dauert meist 2-6 Tage. Häufig verlaufen die Infektionen im Erwachsenenalter milde oder subklinisch. Gefürchtet sind die Komplikationen eines Flüssigeitsmangels (einer Dehydratation) und eines Verlusts an Kalium  (Hypokaliämie) sowie ein prärenales Nierenversagen (Niereninsuffizienz, bedingt durch Volumenmangel im Blutgefäßsystem). Der Kaliummangel kann zu schweren Herzrhythmusstörungen führen. In seltenen Fällen können durch eine begleitende Entzndung des Gehirns (Enzephalitis) neurologische Symptome, insbesondere Kleinhirnsymptome,  auftreten; berichtet wurde von zentral bedingtem Blutdruckabfall (Hypotonie), Veränderung des Sprechens, Dysarthrie und Ataxie [1][2][3]. 2)Brain Dev. 2007 Nov;29(10):670-3 3)Kobayashi S et al. Eur J Pediatr. 2010 May 12 4)Takanashi J et al. AJNR Am J Neuroradiol. 2010 May 27

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf einen Virusnachweis im Stuhl (Immunoassay von Virusantigen).

Therapie

An sich ist die Infektion selbstlimitierend. Die Behandlung ist daher rein symptomatisch. Der Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und der Verlust an Elektrolyten muss ausgeglichen werden. Hygienemaßnahmen!

Impfung

Einer Infektion kann durch Impfung vorgebeugt werden.

Eine Impfung mit einer kostengünstigen, hitzestabilen, lebenden Vaccine (oral bovine rotavirus pentavalent vaccine (BRV-PV, Serum Institute of India)) hat in einem ersten Feldversuch an Kindern in Niger zu einer Reduktion schwerer Fälle von Rota-bedingter Gastroenteritis geführt: Die Ansprechrate lag bei fast 70% (3508 Kinder, in der Impfgruppe 31, in der Placebogruppe 87 schwere Gastroenteritis-Fälle). Allerdings lag die Todesrate mit 27 in der Impfgruppe etwas (nicht signifikant) höher als in der Placebogruppe mit 22, die häufigsten Ursachen waren Infektionen und parasitäre Erkrankungen, keine war impfbezogen 5)N Engl J Med 2017; 376:1121-1130 March 23, 2017DOI: 10.1056/NEJMoa1609462.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. N Engl J Med 2017; 376:1121-1130 March 23, 2017 DOI: 10.1056/NEJMoa1609462
2. Brain Dev. 2007 Nov;29(10):670-3
3. Kobayashi S et al. Eur J Pediatr. 2010 May 12
4. Takanashi J et al. AJNR Am J Neuroradiol. 2010 May 27
5. N Engl J Med 2017; 376:1121-1130 March 23, 2017DOI: 10.1056/NEJMoa1609462