Reizdarmsyndrom – Neues

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Störung des Darms, die zu einer Beeinträchtigung des Lebensgefühls führt. Unter “Reizdarmsyndrom – Neues” wird auf wichtige und neue Arbeiten hierzu hingewiesen.

Siehe auch unter Übersicht zum Reizdarm und Reizdarmsyndrom – einfach erklärt.


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Auszüge aus ausgewählten Veröffentlichungen

Laktobazillen schützen den Darm

Als zentral für die Entstehung eines Reizdarms wird ein Defekt der Schleimhautbarriere des Darms angesehen. Nun konnte gezeigt werden, dass Lactobacillus rhamnosus GG die Barrierefunktion schützt bzw. wiederherstellt. 1)Gut Microbes Volume 9, 2018 – Issue 3 Published online: 11 Dec 2017 DOI: 10.1080/19490976.2018.1479625

Neuer Genort prädisponiert zum Reizdarm bei Frauen

Eine genomweite Studie fand nun speziell bei Frauen einen neuen Genort auf Chromosom 9 (9q31.2). Bei dem dort befindlichen Gen könnte es sich um ELP1 handeln. Damit bestünde eine Nähe zur „familiären Dysautonomie“. 2)Gastroenterology July 2018Volume 155, Issue 1, Pages 168–179

Neuroendokrine Dysregulation

Reizdarmpatienten können unter psychischen Störungen leiden. Dazu gehören auch Fehlanpassungen (60%) und Zwangsstörungen (23%).  In diesen Fällen wurde eine Assoziation mit einer Störung der autonomen kardiovaskulären Regulation (unter Stress besonders auffällig) und eine höhere Konzetration an Endothelin, Neuropeptid Y und Serotonin gefunden 3)J Neurogastroenterol Motil. 2017 Apr 26. doi: 10.5056/jnm16155..

Zu Probiotika

Eine Zusammenstellung von neueren Studien zur Wirkung von Probiotika auf das Reizdarmsyndrom wie auch auf die chronische Verstopfung lässt erkennen, dass Therapiestrategien mit dem Ziel der Beeinflussung der Darmflora sehr verheißungsvoll sind [1]. Sie ergänzt frühere Bewertungen, nach denen die Wiederherstellung der veränderten Darmflora als eine ideale Behandlung für IBS angesehen wird [2][3]. Dass das Reizdarmsyndrom mit einer Veränderung des Darm-Mikrobioms zusammenhängt ist aus vielen Beobachtungen und Studien bekannt [4].

Zu Probiotika siehe hier.

Subjektive Wahrnehmung

In einer Studie wurde das subjektive Empfinden von Symptomen beim Reizdarmsyndrom (IBS) und der Fibromyalgie (FM) untersucht. Menschen mit IBS berichten über signifikant höhere Stressbelastung und eine schlechtere körperliche und geistige Gesundheit als die Kontrollgruppe; wenn zusätzlich eine FM vorliegt, so wird die Wahrnehmung der eigenen Befindlichkeit weiter verschlechtert. Die Ergebnisse zeigten statistisch signifikant relativ große Unterschiede in der Wahrnehmung der Lebensqualität und der Einschätzung der eigenen Gesundheit in der Kontrollgruppe und den drei klinischen Gruppen. [5]

Zur Rektalen Stuhlkontrolle

Patienten mit d-IBS (Reizdarm mit überwiegender Diarrhö) haben eine Überempfindlichkeit in der Rektalampulle, die zu frühzeitigem und starkem Stuhldrang führt (verminderte rektale Compliance) [6].

Serotonin und Stuhldrang

Bei IBS-Patienten mit überwiegender Diarrhö (d-IBS) findet sich eine frühzeitige und heftige Auslösung des Stuhldrangs durch rektale Überempfindlichkeit. In einer Studie wird gefunden, dass d-IBS-Patienten eine signifikant geringeres Rektales Volumen und eine verminderte adaptive Relaxation aufweisen als Normalpersonen. Diese rektale Reaktion ist nicht durch Citalopram beeinflussbar (anders als die intestinale Schmerzüberempfindlichkeit [7]) und scheint von einer Aktivierung des emotionalen Reaktionsnetzwerks im Gehirn unabhängig zu sein [8].

Positiver Placebo-Effekt

IBS spricht auf Placebo-Therapie relativ gut an [9]. Dabei spielt eine Aktivierung des Dopaminsystems im präfrontalen Cortex des Gehirns eine entscheidende Rolle. Ein Schlüsselenzym in diesem Stoffwechsel ist COMT (Catechol-O-Methyltransferase), von dem es mehrere genetische Varianten gibt. Der val158met-Polymorphismus von COMT prädisponiert für ein gutes Ansprechen von Placebo-Maßnahmen. [10]

Reizblase bei Reizdarmsyndrom

Japanische Studien stellen eine hohe Koinzidenz von Reizdarm und Reizblase fest. In der Patientengruppe mit Reizblase hatten 33% gleichzeitig einen Reizdarm [11]. Patienten mit funktioneller Dyspepsie inklusive Reizdarmsyndrom litten umgekehrt gehäuft (20,5%) an einer Reizblase [12].

Restless Legs bei Reizdarmsyndrom

Das Syndrom unruhiger Beine (restless leggs syndrome, RLS) ist mit 1 – 10% von Betroffenen in der Bevölkerung relativ häufig und ist mit Darmkrankheiten, so auch mit IBS assoziiert. In einer Vergleichsstudie aus Teheran fand sich RLS in 25,3% der IBS-Patienten im Vergleich zu 6,5% der Normalbevölkerung [13]. In einer amerikanischen Studie vor 1 Jahr wurden je 30 IBS-Patienten einer Gruppe mit überwiegendem Durchfall, überwiegender Verstopfung und wechselndem Stuhlverhalten 3 x täglich 200 mg Rifaximin verabreicht. Von den 90 IBS-Patienten hatten 26 (29%) auch ein RLS. Die meisten RLS-Patienten fanden sich in der Gruppe mit überwiegender Diarrhö (62%), danach in der mit wechselndem Stuhlgang (33%) und kaum in der mit überwiegender Verstopfung (4%). Eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO, small intestinal bacterial overgrowth) scheint dabei eine wenn auch nicht ausschließliche Rolle zu spielen [14]. Dies bestätigt frühere Feststellungen, nach der IBS und SIBO bei RLS gehäuft vorkommen [15].

Nahrungsallergene und Reizdarm

In einer amerikanischen Studie wurde ein Hauttest auf Allergene in Nahrunngsmittel und Nahrungsmittelzusätzen bei IBS-Patienten und auf den Resultaten basierend eine Allergen-Vermeidungsdiät durchgeführt. Einen schwach oder deutlich positiven Test hatten 30 von 51 Probanden. Eine mehr oder weniger deutliche Besserung der Symptomatik durch die individuelle Allergen-Vermeidungsdiät fand sich bei 14 von ihnen [16].

Akupunktur beim Reizdarmsyndrom

Eine Cocchrane-Zusammenstellung von 17 randomisierten Studien mit insgesamt 1806 Patienten zur Akupunkturtherapie des Reizdarmsyndroms kommt zum Schluss, dass diese Behandlung Erfolge zu verzeichnen hat gegenüber pharmakologischen Behandlungen (z. B. Spasmolytika). Unklar ist dabei, ob bereits die Erwartungshaltung dabei eine Rolle spielt [17]. Eine britische Studie lässt vermuten, dass die individuelle Auswahl des Akupunkturpunkts nach Angaben des Patienten für den Erfolg wesentlicher ist als Zusatzbehandlungen oder Ratschläge zum Lebensstil [18].

Ernährung

In einer Schwedischen Studie wurden 187 Patienten (Mittel 40 Jahre, 2/3 Frauen) mit IBS aufgefordert, über 4 Tage ein genaues Tagebuch über ihre Ernährung zu führen. Als Kontrollgruppe dienten 374 Normalpersonen. In der IBS-Gruppe war die Zufuhr von Eiweiß tendenziell höher. Signifikant höher war die Zufuhr von Vitamin E, Folsäure, Eisen, Vitamin C und Ballaststoffen, wohingegen die Zufuhr von Vitamin A, Riboflavin, Kalzium und Kalium geringer war. IBS-Patienten tendierten insgesamt zu einer höheren Zufuhr von Früchten und Gemüsen. Insgesamt waren die Ernährungsgewohnheiten jedoch recht ähnlich. [19]

In einer Norwegischen Querschnittsstudie an 11078 Personen eines Bevölkerungsbereichs wurde bei 388 (8,4%) ein Reizdarmsyndrom festgestellt. Bei 44,8% bestand ein Wechsel von Verstopfung und Durchfall, bei 26,5% überwiegend Verstopfung und bei 28,6% überwiegend Durchfall. Die Schwere der Symptome war bei IBS mit überwiegender Verstopfung assoziiert mit Gemüse und Kartoffeln, bei überwiegend wechselndem Stuhlgang mit Gemüse und bei überwiegendem Durchfall mit Verzehr von Früchten, Beeren, kohlensäurehaltigen Getränken und Alkohol. [20].

Verweise

Infos für Patienten

Literatur

  1. ? Quigley EM. Gastroenterol Clin North Am. 2012 Dec;41(4):805-19. doi: 10.1016/j.gtc.2012.08.005.
  2. ? J Neurogastroenterol Motil. 2011 Jul;17(3):252-66
  3. ? World J Gastroenterol. 2008 May 7;14(17):2650-61
  4. ? J Dig Dis. 2007 Feb;8(1):2-7
  5. ? J Am Osteopath Assoc. 2012 Nov;112(11):726-35
  6. ? Eur J Gastroenterol Hepatol. 2012 Nov;24(11):1259-65
  7. ? Eur J Gastroenterol Hepatol. 2012 Nov;24(11):1259-65
  8. ? Eur J Gastroenterol Hepatol. 2012 Nov;24(11):1259-65
  9. ? Neurogastroenterol Motil. 2007 Aug;19(8):630-7
  10. ? PLoS One. 2012;7(10):e48135. doi: 10.1371/journal.pone.0048135. Epub 2012 Oct 23
  11. ? BJU Int. 2012 Oct 26. doi: 10.1111/j.1464-410X.2012.11591.x. [Epub ahead of print]
  12. ? Neurogastroenterol Motil. 2012 Sep;24(9):821-7. doi: 10.1111/j.1365-2982.2012.01939.x
  13. ? J Neurogastroenterol Motil. 2012 Oct;18(4):426-33
  14. ? World J Gastroenterol. 2011 Oct 21;17(39):4404-7
  15. ? Sleep Med. 2011 Jun;12(6):610-3
  16. ? J Am Acad Dermatol. 2012 Oct 24. pii: S0190-9622(12)00933-4. doi: 10.1016/j.jaad.2012.09.010. [Epub ahead of print]
  17. ? Cochrane Database Syst Rev. 2012 May 16;5:CD005111.
  18. ? Stuardi T, Macpherson H. J Altern Complement Med. 2012 Oct 26. [Epub ahead of print]
  19. ? Böhn L et al. Neurogastroenterol Motil. 2012 Sep 2. doi: 10.1111/nmo.12001. [Epub ahead of print]
  20. ? BMC Gastroenterol. 2012 Jun 7;12:61. doi: 10.1186/1471-230X-12-61

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Gut Microbes Volume 9, 2018 – Issue 3 Published online: 11 Dec 2017 DOI: 10.1080/19490976.2018.1479625
2. Gastroenterology July 2018Volume 155, Issue 1, Pages 168–179
3. J Neurogastroenterol Motil. 2017 Apr 26. doi: 10.5056/jnm16155.