Modafinil

Modafinil (Vigil ®, in USA Provigil ™) ist ein psychoaktives Medikament, welches ausschließlich die Wachheit steigert. Nachfolgepräparat in den USA ist das R-Enantiomer von Modafinil Armodafinil (Nuvigil ™). Es


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Das Wichtigste

Kurzgefasst
Modafinil ist ein Medikament zur Steigerung der Wachheit und zur Stimmungsaufhellung. Es wird zur Behandlung der abnormen Müdigkeit bei Krebspatienten und bei der primär biliären Zirrhose (PBC) sowie der Schlafapnoe verwendet. Auch werden Indikationen zur Steigerung der Wachheit in Gefährdungssituationen diskutiert. Modafinil wird im allgemeinen gut vertragen; eine Suchtgefahr wird als gering angesehen. Nebenwirkungen bezüglich “aufgekratztem” Verhalten und Nervosität sind geringer als beispielsweise bei Amphetaminen. Dennoch hat wegen zweier negativer Studien die European Medicines Agency die Zulassung zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe zurückgezogen. Eine Neubewertung lässt die Substanz jedoch als individuell diskutabel erscheinen.

 

Indikationen

Modafinil wird vor allem bei Krankheiten verwendet, die mit einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus und erhöhter Schläfrigkeit einhergehen, speziell zur Therapie der Narkolepsie und Schlafapnoe. Es kann aber auch zur Therapie ungewöhnlicher Müdigkeit bei Tumorpatienten oder bei der PBC dienen. Auch wird es zur Unterstützung der Wachheit z. B. bei Spätschichten als geeignet angesehen.

Wirkmechanismus

Modafinil steigert den Dopaminspiegel im Nucleus accumbens des Gehirns. Modafinil scheint nicht zur Drogenabhängigkeit zu verleiten, was aber nicht völlig geklärt ist.

Wirkungen

Modafinil verlängert und steigert die Wachheit und hat zudem stimmungsaufhellende Eigenschaften [1].

  • Es bessert die Leistungsfähigkeit unter Stresssituationen und im Nachtdienst [2].
  • Es soll das Gedächtnis stärken und wird auch für bei Aufmerksamkeitsdefizit, altersbedingtem Gedächtnisschwund und Alzheimer-Demenz eingesetzt.
  • Es bessert die tumorbedingte Müdigkeit.
  • Es wirkt bei Depression günstig [3].
  • Es wurde beim amerikanischem Militär eingesetzt, um die Aufmerksamkeit bei Schlafentzug zu steigern.

Die Halbwertszeit liegt bei 12 bis 15 Stunden.

Nebenwirkungen

Modafinil wird recht gut vertragen. Es ist mit deutlich weniger Nebenwirkungen bezüglich Angst, Nervosität und Unruhe behaftet als die traditionellen Stimulanzien Amphetamin oder Methylphenidat. Es zeigt keinen Rebound-Effekt. Die Gefahr eine Abhängigkeit wird als gering angesehen.

Modafinil bei der PBC

In einer Studie an 42 Patienten mit PBC wurde Modafinil (3 x 100 bis 200 mg/Tag) zur Therapie ungewöhnlicher Müdigkeit und Abgeschlagenheit eingesetzt. Von ihnen sprachen 31 (73%) gut an, 11 (26%) dagegen nicht. Modafinil wurde als sichere und effektive Therapie eingeschätzt. [4][5].

– bei Tumormüdigkeit

Krebs-bedingte Müdigkeit spricht auf Modafinil gut an, wie eine deutsche Studie 2010 nachweist; Wachheit und kognitive Funktionen verbesserten sich. [6]. Frühere Ergebnisse [7] wurden damit bestätigt.

– bei HIV-bedingter Müdigkeit

Modafinil bessert die HIV-assoziierte Müdigkeit signifikant (73% vs. 28% bei Placebo). Es wurde in einer Studie gut vertragen [8].

– bei atypischer Depression

Eine atypische, mit vermehrter Schläfrigkeit einhergehende Depression sprach auf Modafinil gut an; die Einnahme war zudem mit einem signifikanten Gewichtsverlust verbunden [9].

– bei obstruktiver Schlafapnoe

Modafinil verbesserte in einer Studie bei Patienten mit unbehandelter leichter bis mittelschwerer obstruktiver Schlafapnoe signifikant die subjektive Schläfrigkeit. Das Ausmaß dieses Effekts wird klinisch relevant angesehen (3-4 ESS-Verbesserungspunkte vs. 1-2 Punkte in klinischen CPAP-Studien). Fahrsimulatorleistung und Reaktionszeit wurden ebenfalls verbessert. 1) 2014 Mar;69(3):274-9. doi: 10.1136/thoraxjnl-2013-203796.

Modafinil und Armodafinil verbessern in einer Metaanalyse die subjektive und objektive Tagesmüdigkeit. Unerwünschte Ereignisse verdreifachten sich.  Ereignisse, die zu einem Abbruch führten verdoppelten sich. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle) traten nicht auf. 2) 2016 May;47(5):1420-8. doi: 10.1183/13993003.01509-2015.

Verweise

 

Literatur

  1. ? Environ Health Toxicol. 2012;27:e2012007. doi: 10.5620/eht.2012.27.e2012007
  2. ? Acad Emerg Med. 2006;13(2):158–165
  3. ? J Clin Psychiatry. 2000;61(5):378–381
  4. ? Aliment Pharmacol Ther. 2007 Feb 15;25(4):471-6
  5. ? Dig Dis Sci. 2009 Oct;54(10):2242-6. doi: 10.1007/s10620-008-0613-3
  6. ? Schmerz. 2010 Dec;24(6):587-95
  7. ? J Palliat Med. 2009 May;12(5):433-9.
  8. ? J Clin Psychiatry. 2010 Jun;71(6):707-15
  9. ? J Clin Psychopharmacol. 2006 Aug;26(4):373-8


Literatur   [ + ]

1. 2014 Mar;69(3):274-9. doi: 10.1136/thoraxjnl-2013-203796.
2. 2016 May;47(5):1420-8. doi: 10.1183/13993003.01509-2015.