Leberzirrhose – einfach erklärt – Folgen und Komplikationen

Die Leberzirrhose ist eine besonders komplikationsträchtige Krankheit. Sie verläuft zwar häufig lange Zeit symptomlos, kann aber dann zu schweren Störungen der Funktion anderer Organe wie Gehirn, Lunge, und Niere und zu aus heiterem Himmel auftretenden lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Zu den schwerwiegenden Komplikationen einer Leberzirrhose gehören:

  • Hirnleistungsstörungen (hepatische Enzephalopathie) : sie führen zu einem Nachlassen der Reaktionsfähigkeit und frühzeitiger Fahruntüchtigkeit, später zu erkennbarem geistigen Abbau mit allgemeiner Störung der Orientierung und zu Selbstvernachlässigung. Die Hirnleistungsstörung wird manchmal nach einer Eiweißreichen Kost (z. B. einem Fischgericht) besonders auffällig. Im Laufe der Zeit kommt es zu einem substanziellen Hirnabbau, so dass die Schäden dann nicht mehr reversibel sind.
  • Blutung aus Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizenblutung). Ösophagusvarizen entstehen, wenn sich das Blut vor der verhärteten Leber staut und nach Umwegen sucht. Dabei entwickeln sich Krampfadern an der Speiseröhre entlang, die lebensgefährlich bluten können. Ihre Behandlung (z. B. mit Terlipressin und durch endoskopische Maßnahmen) gehört zu den Notfallmaßnahmen, die an größeren Krankenhäusern vorgehalten wird.
  • Bauchwassersucht (Aszites). Sie entsteht, wenn sich Blut vor der verhärteten Leber im Einzugsgebiet der Pfortader staut und Flüssigkeit in die freie Leibeshöhle abgepresst wird. Aszites ist damit ein direktes Zeichen für einen Hochdruck im Pfortaderkreislauf (portale Hypertension). Wenn die Leber zudem nur noch unzureichend Albumin bildet, ein Bluteiweiß welches die Blutflüssigkeit im Gefäßsystem hält, dann entwickelt sich Aszites schon bei relativ geringem Überdruck in der Pfortader. Aszites ist ein häufiger Grund für eine wassertreibende (diuretische) Therapie bei einer Leberzirrhose; und bei zu starker Ausschwemmung besteht die Gefahr eines Nierenversagens (siehe unten).
  • Dicke Beine durch Wassereinlagerungen (Ödeme): Sie entstehen vor allem bei einer Schwäche der Leber zur Bildung von Albumin, dem Haupteiweiß des Bluts. Wasser in den Beinen bei einer Leberzirrhose weist immer auf ein bereits fortgeschrittenes Stadium der Leberzirrhose hin.
  • Nierenversagen (Hepatorenales Syndrom) : es tritt ein, wenn sich das Blut vor der verhärteten Leber staut und damit zu wenig Blut in den großen Blutkreislauf gelangt. Der Blutdruck sinkt dann stark ab und die Nieren stellen ihre Arbeit ein.
  • Lungenversagen (Hepatopulmonales Syndrom) : in diesem Fall, der meist zu selten diagnostiziert wird, kommt es zu einem mangelhaften Gasaustausch in den Lungen, der durch eine Fernwirkung der Leberzirrhose erklärt wird. Subjektiv wird Luftnot empfunden, die sich beim Aufrichten verstärkt. Verdächtig auf eine solche Lungenbeteiligung ist eine zu geringe Sauerstoffsättigung im Blut. Die Behandlung ist schwierig; in einigen Fällen kann nur eine Lebertransplantation helfen.
  • Blutungsneigung durch Absinken der Gerinnungsfähigkeit des Bluts: Sie kommt zustande, wenn die Leber einige Gerinnungsfaktoren nicht genügend nachbildet. Die Leber ist nämlich der Bildungsort für einige wichtige Gerinnungsfaktoren des Bluts. Auch kann die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) stark absinken – es kommt zur Thrombopenie -, was die Blutungsneigung verstärkt. Typisch sind meist großflächige Hautunterblutungen bei nur geringfügigen Verletzungen (Ekchymosen).
  • Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom (HCC)): das Risiko ist erhöht, besonders wenn der Leberzirrhose eine Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose oder eine Virushepatitis zugrunde liegt. Die chronische Hepatitis B und die chronische Hepatitis C weisen ein hohes Leberkrebsrisiko auf. Der Marker für Leberkrebs Alpha-Fetoprotein (AFP) sollte daher bei Patienten mit Leberzirrhose regelmäßig überprüft werden.

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LEBERZIRRHOSE
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Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).