Leberbiopsie

Leberbiopsie bedeutet Gewebeentnahme aus der Leber. Sie dient

  • der histologischen Klärung einer unklaren Leberkrankheit (inkl. Immunhistologie, PCR im histologischen Schnitt etc.),
  • der Bestimmung der Aktivität und der Stadieneinteilung einer progredienten Leberkrankheit,
  • der Diagnostik von Leberherden (benigne – maligne).

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Indikationen

Beispiele für eine Indikation zur Leberbiopsie sind folgende:

  • Unklare Leberwerterhöhungen: die Histologie (mikroskopische Untersuchung des Lebergewebes) kann Formen einer Hepatitis, einen Medikamentenschaden, eine Speicherkrankheit (z. B. Hämochromatose, Morbus Wilson, Glykogenose) oder Stoffwechselstörungen (z. B. Fettleber, Alpha1-Antitrypsinmangel, Amyloidose) wahrscheinlich machen oder ausschließen.
  • Hepatitis: Durch eine Leberpunktion kann die Entzündungsaktivität (Grading) und der Fibrosegrad (Staging) einer Hepatitis festgestellt sowie Hinweise auf ihre Ursache erhalten werden.
  • Cholestatische Lebererkrankungen: bei den intrahepatischen cholestatischen Lebererkrankungen können die Ursache, das Stadium und die Aktivität festgestellt werden. Beispielsweise können eine PBC und PSC durch eine Autoimmunhepatitis überlagert (Overlap-Syndrome), was besondere therapeutische Implikationen mit sich bringt. Ein cholestatischer Medikamentenschaden kann histologisch gut von einer autoimmunen Erkrankung der Leber abgegrenzt werden. Eine Leberpunktion bei obstruktiver Cholestase dagegen ist mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden. Sie kann zu einem Galleleck (Austritt von Galle durch das Punktionsloch in die Leibeshöhle) und einer schmerzhaften lokalen oder generalisierten Peritonitis führen, so dass diese Indikation zurückhaltend gestellt wird.
  • Fettleberhepatitis: Jede Fettleber trägt das Risiko einer Entzündung (Hepatitis) in sich. Speziell bei einer fehlenden Transaminasenerhöhung kann eine leichte Fetleberhepatitis sowie die dabei eintretende Fibrosierung ohne Biopsie leicht übersehen werden. Durch eine Leberhistologie jedoch lässt sie sich meist gut erkennen.
  • Leberzirrhose: Die Leberbiopsie ist nicht geeignet, eine in Frage stehende Leberzirrhose zweifelsfrei zu klären. Dazu ist die Sensitivität zu gering: Die Prävalenz einer Leberzirrhose bei Hepatitis C beispielsweise wird durch eine alleinige Leberbiopsie erheblich unterdiagnostiziert 1)Am J Gastroenterol. 2015 Jul 28. doi: 10.1038/ajg.2015.203. Allerdings kann eine Peberpunktion bei unklarer Ursache der Leberzirrhose eine Klärung der ihr zugrunde liegenden Krankheit herbeiführen.
  • Leberherde: Leberherde lassen sich durch bildgebende Verfahren (Sonographie der Leber, CT der Leber, MRT) meist gut erkennen. Meist sind sie auch durch Punktion gut erreichbar. Die Histologie ermöglicht eine genaue Diagnose mit Differenzierung in maligne und benigne Herde. Werden sehr kleine Leberherde vermutet, die durch bildgebende Verfahren nicht darstellbar sind, so lassen sie sich gelegentlich durch Bauchspiegelung (Laparoskopie) finden und biopsieren.

Methoden

Zur Entnahme einer Lebergewebsprobe werden hauptsächlich 2 Methoden angewandt, die Sonographie– oder CT-gestützte Leberpunktion und die Laparoskopie. Zu Voraussetzungen, Risiken und Durchführung siehe hier. Bei einer Laparoskopie hat man den Vorteil, die Punktionsstelle genau aussuchen und eine entstehende Blutung direkt stillen zu können.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Am J Gastroenterol. 2015 Jul 28. doi: 10.1038/ajg.2015.203