Ischämische Kolitis

Die ischämische Kolitis ist eine Entzündung des Dickdarms auf dem Boden einer Minderdurchblutung der Darmschleimhaut. Meist ist eine Arteriosklerose der Mesenterialarterien und ihrer Äste bzw. eine Arteriolosklerose die Ursache. Häufig sind Menschen mit lang dauerndem Diabetes mellitus betroffen. Aber auch Medikamente können eine ischämische Kolitis auslösen [1].


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Ausprägung

Es wird eine nicht-gangränöse von einer (seltenen) gangränösen Form der ischämischen Kolitis unterschieden. Die meisten Erkrankungen verleufen leicht und heilen spontan aus. Wahrscheinlich werden nicht alle leichteren Fälle diagnostiziert.

Risikofaktoren

Die wahrscheinlich häufigste Ursache für eine ischämische Kolitis ist eine stenosierende Arteriosklerose der den Dickdarm versorgenden Blutgefäße.

Zu den häufigeren Ursachen zählen auch Medikamente. Beschrieben wurde eine ischämische Kolitis unter der Medikation beispielsweise von Herzglykosiden (Digitalis), Appetithemmern (Phenterminen), Chemotherapeutika (Taxane, Vinca-Alkaloide), Kontrazeptiva oder NSAR. Auch neuere Medikamente wie TNF-alpha-Hemmer können eine ischämische Kolitis auslösen oder befördern [2]. Cocain- oder Metamphetamin-Abusus sind ebenfalls mit einer ischämischen Kolitis assoziiert worden.

Auch eine mechanische Einengung z. B. durch einen Tumor, eine entzündliche Verschwellung, einen Volvulus oder Briden oder eine Stenose am Abgang einer Mesenterialarterie von der Aorta durch ein Aortenaneurysma oder nach ihrer Operation können in seltenen Fällen der Auslöser sein.

Eine Vaskulitis kann Auslöser einer ischämischen Kolitis sein.

Eine angeborene Anlageanomalie an der Riolan-Anastomose und den Drummond-Arkaden erhöht das Risiko für eine ischämische Kolitis im Bereich der linken Flexur.

Eine erhöhte Koagulabilität (Thrombophilie: z. B. bei Protein-S-Mangel, Protein-C-Mangel, AT3-Mangel, Faktor-V-Leiden, Prothrombin-Mutation) ist ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für eine ischämische Kolitis verbunden.

Zu den seltenen Ursachen gehört offenbar auch ein sportlicher Exzess wie Marathon-Laufen [3], [4].

Ätiopathogenese

Bisher wurde eine Minderversorgung der Kolonmukosa als Ursache der ischämischen Kolitis angesehen, speziell auch wegen der Assoziation mit Bedingungen einer Minderperfusion. Dabei wird vermutet, dass durch die Mangeldurchblutung die Schleimhautbarriere gegen die intestinale Flora leidet, was eine Entzündung fördert. Allerdings werden auch andere Hypothesen diskutiert, speziell auch wegen der nicht sonderlich ausgeprägten Empfindlichkeit des Darm gegen eine Ischämie, und da die Ausbreitung sich nicht an die „Wasserscheide“ zwischen Versorgungsgebiet der A. mesenterica superior und inferior hält, die besonders empfindlich reagieren müsste. Die Erkrankung wird gelegentlich bis dahin auch als „akute idiopathische Kolitis“ bezeichnet [5].

Symptomatik

Alle Symptome einer ischämischen Kolitis sind unspezifisch und entsprechen im Wesentlichen denen auch anderer Kolitiden. Leichte Formen einer ischämischen Kolitis manifestieren sich durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Neigung zu dünnem Stuhl und Diarrhö. Es können Darmkrämpfe hinzukommen. Bei schwererer Ausprägung können die Stühle blutig werden. Allerdings ist eine Hämatochezie untypisch. Der Bauch ist bei Palpation in der Regel weich, bei schweren Verlaufsformen kann Abwehrspannung als Zeichen einer Durchwanderungsperitonitis vorliegen. Bei nekrotisierendem Verlauf und Entwicklung eines toxischen Megakolons kommen septische Symptome mit Fieber und Schüttelfrost hinzu; das Mortalitätsrisiko ist hoch.

Diagnostik

Koloskopie: Das endoskopische Bild variiert je nach Schweregrad und kann dem einer Colitis ulcerosa entsprechen. Gelegentlich erkennt man einzelne longitudinale Ulzerationen (single-stripe sign); sie sollen recht charakteristisch sein, können aber makroskopisch kaum von einem Morbus Crohn abgegrenzt werden. Eine Differenzierung erfolgt durch die Histologie.

Bildgebende Verfahren wie Computertomographie und Darmsonographie: Bei schwereren Fällen kann die Darmwandung kann im befallenen Bereich verdickt sein. Gelegentlich erkennt man eine Pneumatosis coli (Gasbildung in der Darmwand).

Therapie

Viele Fälle benötigen keine differente Therapie und heilen spontan. Bei leichten und mittelschweren Fällen kann eine antibiotische Therapie (z. B. Ciprofloxacin plus Metronidazol) die Heilung beschleunigen. In den eher seltenen schweren Fällen ist eine parenterale Ernährung zusammen mit eine antibiotischen Therapie oft über längere Zeit erforderlich. Ist das Kolon durch Meteorismus stark gebläht, sollte für eine Dekompression (z. B. endoskopische Absaugung, Einlage einer Dennis-Sonde) gesorgt werden. Als ultima ratio kommt eine Kolonresektion in Frage.


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Verweise

Literatur

  1. ? World J Gastroenterol. 2008 Dec 28;14(48):7302-8
  2. ? Drug Saf. 2013 May;36(5):329-34.
  3. ? Am J Emerg Med. 2009 Feb;27(2):255.e5-7
  4. ? Case Rep Gastrointest Med. 2012; 2012: 356895.
  5. ? Dis Colon Rectum. 2011 Mar;54(3):370-3.