IPEX-Syndrom

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Das IPEX-Syndrom ist eine seltene komplexe Autoimmunkrankheit. IPEX ist das Akronym von „immune dysregulation, polyendocrinopathy, enteropathy, X-linked“. 1)J Med Genet. 2001 Dec;38(12):874-6 Es handelt sich damit um eine Fehlregulation des Immunsystems, die vergesellschaftet ist mit multiplen hormonellen Störungen (Endokrinopathie) und Störungen des Magendarmtrakts (Enteropathie) und deren Ursache auf dem X-Chromosom liegt. Die Abnormität auf dem X-Chromosom hat sich eine Mutation des FOXP3-Gens herausgestellt.


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Entstehung

FOXP3 ist ein Transkriptionsfaktor, der für die Aktivierung von Genen zuständig ist, die das Immunsystem des Körpers regulieren. Sie steuern speziell die Differenzierung und Funktion von speziellen CD4+-T-Zellen, nämlich der regulatorischen T-Zellen (Treg cells), die die selbstreaktiven T-Zellen unterdrücken und damit überschießende immunologische Reaktionen und Entzündungen in Reaktion auf Krankheitserreger verhindern. 2)Annu Rev Immunol. 2012; 30():531-64 3)Nat Commun. Mar 17, 2014; 5: 3495. Die Zahl autoreaktiver B-Zellen und die IgA- und IgE-Produktion steigen, was mit einer frühen Bildung gewebespezifischer Autoantikörper verbunden ist. 4)Front Pediatr. 2021 Feb 22;9:612760. DOI: 10.3389/fped.2021.612760

Der Verlust des FOXP3-Gens bei Versuchstieren führt zu Autoimmunreaktionen. Mutationen des Gens führen beim Menschen schon in jungen Jahren zum IPEX-Syndrom 5)J Autoimmun. 2005;25 Suppl:56-62. und oft schon zum Tod innerhalb der ersten 2 Lebensjahre. Inzwischen sind multiple Mutationen bei IPEX-Patienten gefunden worden. 6)Clin Dev Immunol. 2007;2007:89017 Sie können möglicherweise die Art und Ausprägung der Manifestationen mitbestimmen. Eine neue Mutation, die bei einem chinesischen Kind gefunden wurde, war mit einer Nierenkrankheit (einer membranösen Nephropathie) und einem Diabetes Typ 1 assoziiert. 7)Mol Genet Genomic Med. 2022 Jun;10(6):e1945. DOI: 10.1002/mgg3.1945.

Klinische Befunde

Das IPEX-Syndrom ist klinisch charakterisiert durch einen früh manifesten insulinabhängigen Diabetes mellitus (Diabetes Typ 1), autoimmune Schilddrüsenentzündung (Autoimmunthyreoiditis), chronische Durchfälle (Diarrhö) bei autoimmuner Entzündung mit Atrophie der Villi (ähnlich wie bei der Coeliakie), Ekzeme, Anämie (als Folge der Resorptionsstörungen) und rezidivierende Infektionen. 8)Arch Dis Child. 2006 Jan;91(1):63-4 Die Enteropathie unterscheidet sich von der Coeliakie (Sprue) dadurch, dass sie auf glutenfreie Kost nicht günstig reagiert. Bezüglich der Ekzemneigung ist wahrscheinlich von Bedeutung, dass die Seren von Patienten mit FOXP3-Mutationen auch Hautantigene, einschließlich Keratin 14, erkannten. 9) 2010 May;130(5):1391-9. doi: 10.1038/jid.2010.16. Eine früh einsetzende Nephropathie (Nierenbeteiligung) ist nicht zu selten mit IPEX assoziiert. Es werden verschiedene Typen einer Nephritis gefunden. Klinisch dominieren eine Proteinurie, ein Mikrohämaturie und eine zunehmende Niereninsuffizienz. 10)Mol Genet Genomic Med. 2022 Jun;10(6):e1945. DOI: 10.1002/mgg3.1945.

Therapie

Die Behandlung von IPEX entspricht den Prinzipien einer Autoimmunkrankheit, ist jedoch in der Regel bei der Stärke der Ausprägung wenig effizient. Die Kenntnis der Pathogenese lässt neue Optionen möglich erscheinen, wobei eine Beeinflussung der FOXP3-Funktion als aussichtsreich angesehen wird. 11)J Autoimmun. 2005;25 Suppl:56-62

Als Perspektive für die Behandlung der im Erbgut monogenetisch verankerten Krankheit wird eine Gentherapie diskutiert. Es müssen dafür jedoch offenbar noch erhebliche Probleme gelöst werden. Denn das komplexe Expressionsprofil des Transkriptionsfaktors FOXP3 muss wiederhergestellt werden, damit die streng regulierten verschiedenen Immunzellen ordnungsgemäß zusammenspielen. 12)Eur J Immunol. 2022 May;52(5):705-716. doi: 10.1002/eji.202149210.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 J Med Genet. 2001 Dec;38(12):874-6
2 Annu Rev Immunol. 2012; 30():531-64
3 Nat Commun. Mar 17, 2014; 5: 3495.
4 Front Pediatr. 2021 Feb 22;9:612760. DOI: 10.3389/fped.2021.612760
5 J Autoimmun. 2005;25 Suppl:56-62.
6 Clin Dev Immunol. 2007;2007:89017
7, 10 Mol Genet Genomic Med. 2022 Jun;10(6):e1945. DOI: 10.1002/mgg3.1945.
8 Arch Dis Child. 2006 Jan;91(1):63-4
9 2010 May;130(5):1391-9. doi: 10.1038/jid.2010.16.
11 J Autoimmun. 2005;25 Suppl:56-62
12 Eur J Immunol. 2022 May;52(5):705-716. doi: 10.1002/eji.202149210.