Die Entdeckung von Helicobacter pylori

Die Entdeckung von Helicobacter pylori ist wegen der Irrwege und Verkennungen berichtenswert. Der Erste, der Bakterien in der Schleimhaut des Magens beschrieb, war Guilio Bizzozero 1892 in Turin. Damals wurden sie noch nicht mit der Entstehung einer Gastritis in Verbindung gebracht; und die Entdeckung wurde für Jahrzehnte vergessen. 1979 beobachtete Robin Warren in Magenschleimhautbiopsien von Patienten mit chronisch aktiver Gastritis viele kleine Bazillen (“curved bacilli”) dicht an der Oberfläche des Epithels. Allerdings wurde die Beobachtung nicht ernst genommen, da nach gängiger Hypothese im sauren Milieu des Magens keine Bakterien wachsen können.

Barry Marshall schloss sich 1981 der Arbeitsgruppe von Warren an, nachdem er dazu durch seinen damaligen Chef mit folgenden Worten ermutigt wurde: „If you want something interesting, youll likely find it in the Pathology Department; you better go see that “crazy” Warren, whos trying to turn gastritis into an infectious disease” (zitiert nach [1]).

Ein erster Erfolg war, dass Marshall ein Kulturmedium fand, in welchen die Bakterien, die damals als Campylobacter-ähnlich angesehen wurden, wuchsen. Gestärkt durch die Züchtbarkeit der Bakterien aus der Magenschleimhaut begannen Warren und Marshall, die Gastritis antibiotisch und mit einem Wismutsalz zu behandeln – mit Erfolg: Bei Patienten, die mit dem Wismutsalz behandelt worden waren, schien sich die Schleimhautentzündung zu bessern.

Eine Ergänzung des Therapieprotokolls durch Metronidazol, welches ursprünglich wegen einer begleitenden Erkrankung hinzugefügt worden war, brachte dann den Durchbruch: die Gastritis heilte und die Magenbakterien waren nicht mehr nachweisbar. Die Ergebnisse wurden im Lancet 1983 als Kurzmitteilungen [2][3] und 1984 als Full Paper veröffentlicht [4].

Nun musste noch gezeigt werden, dass alle Koch’schen Postulate zur Ursache-Wirkungsbeziehung zwischen Bakterium und Krankheit erfüllbar sind: es fehlte noch der Nachweis, dass kultivierte Bakterien die Krankheit bei Nichtinfizierten auslösen und dass sie aus dem neu erkrankten Wirt wieder isolierbar sind. Da sich kein Tiermodell dazu fand, führte Marshall den Nachweis in einem Selbstversuch durch. Nachdem er eine Bakterienkultur getrunken hatte, verspürte er 7 Tage lang keine Krankheitszeichen; dann jedoch kam es zu heftiger Übelkeit und Erbrechen. Histologisch und kulturell fanden sich wieder die Magenkeime. Damit waren alle Koch’schen Postulate erfüllt: die Gastritis war als eine Infektionskrankheit.

Verweise

Literatur

  1. ? Rev Esp Enferm Dig. 2006 Oct;98(10):770-85
  2. ? Lancet 1983; 1: 1273
  3. ? Lancet 1983; 1: 1273-4
  4. ? Lancet 1984; 1: 1311-5