FSME

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FSME ist das Akronym für Frühsommermeningoenzephalitis (englische Bezeichnung: tick-borne encephalitis (TBE)). Sie ist eine Infektionserkrankung des zentralen Nervensystems, die durch Zecken übertragen wird.


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Erreger und Erregerreservoire

Verursacher der Frühsommermeningoenzephalitis ist ein doppelsträngiges RNA-Virus (TBE virus, TBEV) der Familie der Flaviviridae. Es gibt drei Typen, den Europäischen Typ TBEV-Eu, der von der Zecke Ixodes ricinus übertragen wird, und die Typen Sibiriens und Fernost, TBEV-Sib und TBEV-Fe, die von der Zecke Ixodes persulcatus übetragen wird.

Erregerreservoire sind kleine Nagetiere (u. a. Mäuse), Hirsche, Schafe und Ziegen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der FSME umfasst fast inzwischen ganz Europa und viele Länder Asiens. In Deutschland sind besonders Bayern und Baden-Württemberg betroffen; die Schweiz und Österreich sind ebenfalls Endemiegebiete; in vielen anderen Gebieten tritt die FSME sporadisch auf. In Europa und Asien wird die jährliche Erkrankungsrate auf 10.000 geschätzt [1]. Die FSME kann als leichte Sommergrippe, aber auch sehr schwerwiegend verlaufen und neurologische Schäden hinterlassen.

Gefährdet sind vor allem Menschen, die in Endemiegebieten leben und sich häufig in der freien Natur aufhalten (z. B. Fortsrabeiter, Landwirte etc.). Endemiegebiete sind vor allem süddeutsche Regionen (siehe Karte des RKI).

Ätiopathogenese

Bei der Pathogenese der FSME scheint der Zeckenspeichel eine bedeutende Rolle zu spielen. Er unterdrückt die Reaktion die Freisetzung der Entzündungsmediatoren Interleukin-6 (IL6) und TNF-alpha aus den früh infizierten dendritischen Zellen. Dadurch wird die Reaktion des Körpers auf die Virusinfektion verzögert [2] [3] [4].

Verlaufsformen

Es werden verschiedene FSME-Virustypen unterschieden: der europäische, der sibirische und der fernöstliche (s. o.). Die Inkubationszeit beträgt 1-2 (-3) Wochen. Die Infektion mit dem europäischen Typ verläuft in etwa 2/3 der Fälle leicht als fieberhafte „Sommergrippe“. In etwa 1/3 der Fälle kommt es zu einer zentralnervösen Symptomatik mit meningitischem oder meningoenzephalitischem Verlauf. Auch das Rückenmark kann befallen sein; in diesen Fällen kann es zu Lähmungserscheinungen mit bleibenden Ausfällen kommen. Dies ist beim sibirischen und fernöstlischen Typ häufiger der Fall als beim europäischen.

Bei Kindern verläuft die Infektion in nur etwa 25% schwer, bei Erwachsenen in etwa 50%.

Symptomatik

In der Prodromalphase der FSME (Phase vor Ausbruch der Enzephalitis, Entzündung des Gehirns) herrschen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen sowie katarrhalische Symptome vor. Bei Auftreten einer Meningitis (Hirnhautentzündung)kommen Lichtscheu und Meningismus, ggf. auch Schwindel und Erbrechen hinzu. Eine enzephalitische Komponente macht sich durch Somnolenz, Verwirrtheit und neurologische Symptome bemerkbar. Ist auch das Stammhirn betroffen, können Paresen, Nystagmus, Schluckstörungen und Blasenentleerungsstörungen hinzukommen. Alle diese Symptome kennzeichnen die Ausprägung der neurologischen Erkrankung, nicht dagegen deren Ursache.

Differenzialdiagnosen

Jede Meningitis oder Meningoenzephalitis kommt als Differenzialdiagnose der FSME in Betracht, so auch die Herpes-Enzephalitis, und die Meningokokken-Meningitis.

Diagnostik

Die Diagnose einer FSME beruht auf dem serologischen Befund, wobei ein Anstieg von IgM-Antikörpern erwartet wird. IgG-Antikörper sprechen für früheren Kontakt mit dem Virus, nicht für eine akute Infektion. Ein direkter Virusnachweis in Blut oder Liquor ist nur in Frühstadien, nicht mehr dagegen im Stadium der ZNS-Symptomatik möglich.

Therapie

Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht.

Prognose

Der europäische Typ weist eine Letalität von 1-2% auf; der sibirische und fernöstliche dagegen 5 bzw. bis zu 20%. Bleibende Lähmungen treten beim europäischen Typ in 2-10%, beim sibirischen und fernöstliche jeweils in bis zu 30% auf.

Vorbeugung

Auch wenn nur etwa jede 100ste Zecke infiziert sein soll, so ist eine strenge Zeckenkontrolle der Haut nach jedem Aufenthalt in der freien Natur zu empfehlen. Insbesondere sollten die Kniekehlen, Leisten und Lenden abgesucht werden. Zecken sind oft nur als winziges Stippchen zu erkennen, oft mit Dreck zu verwechseln: eine Lupe kann helfen, sie zu identifizieren. Sie krabbeln oft über längere Zeit über die Haut, beispielsweise die Beine hoch, ehe sie zubeißen. Wenn sie bereits zugebissen haben, können sie durch Juckreiz auffallen. Beim Blutsaugen werden sie dann allmählich größer und leicht erkennbar. Dann aber ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bereits sehr groß. Entdeckte Zecken werden am besten mit einer speziellen Zeckenzange vor dem Kopf gefasst und mit einer leichten Drehbewegung entfernt; der Beißapparat (Mandibeln) sollte nicht abgerissen werden; er kann zu einer lokalen Fremdkörperreaktion führen.

Impfung gegen FSME

Die Impfung gegen FSME ist die sicherste Methode der Prophylaxe. Zur Verfügung stehen Encepur und FSME-IMMUN, beides sind inaktivierte Impfstoffe (siehe hier). In Frage kommt sie speziell für Menschen, die sich häufig in Gebieten mit hoher Durchseuchung aufhalten (z. B. Süddeutschland, Österreich, Schweiz). In der Regel wird dreimal geimpft (0, 1, 6 Monate). Die Impfung ist effektiv und weist meist nur geringe Nebenwirkungen auf [5]. Der Impfschutz richtet sich gegen alle drei FSME-Stämme (s. o.) und hält je nach Immunkompetenz meist 3-5 Jahre. Als Nebenwirkungen werden die bei Impfungen üblichen grippalen Symptome und selten auch neuritische Krankheitsbilder beschrieben. Bei über 60-Jährigen allerdings lässt die Erfolgsrate nach; nach 2 Impfdosen bleiben etwa 1/5 noch ohne Impfschutz [6].

Nach dem Zeckenbiss einer ungeimpften Person lässt sich der Krankheitsverlauf durch Impfmaßnahmen nicht eindeutig beeinflussen; auch eine passive Impfung mit Antikörpern wird als nicht wirksam angesehen.

Eine Impfindikation bei Kindern sollte sich laut Empfehlungen der STIKO des Robert-Koch-Instituts nach dem Expositionsrisiko richten. Es gibt einen speziell für Kinder zugelassenen Impfstoff.

Zu den STIKO-Empfehlungen siehe unter [7].

Verweise

Literatur

  1. ? J Virol. 2010 Jun 16
  2. ? Immunol Res. 2009;43(1-3):172-86
  3. ? Microbes Infect. 2010 Jul;12(7):580-5
  4. ? J Virol. 2010 Jun 16
  5. ? Hum Vaccin. 2009 Aug;5(8):551-6
  6. ? Expert Opin Biol Ther. 2009 Jul;9(7):797-803
  7. ? Impfempfehlungen der STIKO