Duplexsonographie der Pfortader

Die Duplexsonographie der Pfortader dient der Bestimmung des Blutflusses im Pfortaderstromgebiet. Zum Pfortaderstromgebiet gehören auch die Vena lienalis (Milzvene) und die Vena mesenterica (vom Darm kommende große Vene).


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Aussagekraft

Die Duplexsonographie der Pfortader (der venöse Zufluss der Leber aus dem Darm) ist eine sehr aussagekräftige Methode zur Bestimmung des Pfortaderflusses und damit auch der Leberdurchblutung. Sie ist bei vielen Leberkrankheiten von diagnostischem Interesse, aber auch bei einer Milzvergrößerung (Splenomegalie) und bei einer ausgeprägten Rechts- und Linksherzinsuffizienz mit Bauch- und Verdauungsproblemen.

Der Pfortaderfluss ist abhängig von der Durchblutung des Magendarmtrakts und der Milz sowie vom Widerstand durch die Leber.

Normbereich

Werte zwischen 15 und 30 cm/sek können normal sein, müssen jedoch je nach Bedingung (Nüchternheit, Zustand nach Mahlzeit, Zustand nach Darmresektion etc.) relativiert werden.

Verminderter Pfortaderfluss

Durch Duplexsonographie gemessene Flussgeschwindigkeiten unter 15 cm/sek sind unter Umständen als zu langsam einzustufen. Ein zu langsamer Pfortaderfluss kommen vor bei:

Erhöhter Pfortaderfluss

Ein Pfortaderfluss, der im nüchternen Zustand 25 oder gar 30 cm/sek überschreitet, ist verdächtig auf einen zu hohen Zufluss (Hyperperfusion) durch einen pathologischen Prozess. Beispiel:

Undulation

Der Pfortaderfluss unduliert (wechselt wellenförmig) normalerweise atemabhängig. Diese Undulation kann bei zunehmender Leberfibrose oder bei starker Leberschwellung im Rahmen einer ausgeprägten Fettleber oder bei einer Leberzirrhose abnehmen oder fehlen.

Befunde bei Widerstandserhöhung in der Leber

Bei einer Widerstandserhöhung in der Leber wird das Blut zurück gestaut und es kommt zur Erhöhung des Pfortaderdrucks und zur Erweiterung von entlastenden Venen (Umgehungskreisläufen) um die Leber herum, die das sich stauende Blut des Magendarmkanals dem großen Kreislauf zuführen. Die Umgehungskreisläufe können duplexsonographisch erkannt werden. Zur Beurteilung der portalen Hypertension wird die Pfortaderweite und der Pfortaderfluss herangezogen.

Retrograder Pfortaderfluss

Durch die Duplexsonographie kann festgestellt werden, in welche Richtung der Pfortaderfluss geht. Bei einer fortschreitenden Leberkrankheit kann der Fluss abnehmen bis zur Stagnation. Er kann sich sogar umkehren. Ein rückwärts fließender Blutstrom in der Pfortader (retrograder Fluss) kommt zustande bei einer Leberzirrhose. In diesen Fällen bestehen ausgeprägte Umwegskreisläufe. In der Sonographie wird speziell nach splenogastralen (von der Milz zur Magenwand ziehende)  und splenorenalen (von der Milz zur Niere ziehende) venöse Verbindungen gesucht. Ein stagnierender Fluss bedeutet ein hohes Risiko für die Bildung einer Pfortaderthrombose.

Wiedereröffnete Nabelvene

Eine der Möglichkeiten der Entlastung des Blutstaus vor der Leber bei einer portalen Hypertension ist eine Wiedereröffnung der Nabenvene. Sie führt das Blut aus der Pfortader an der Leberpforte in Richtung Nabel und Bauchwand ab. Die dicke geschlängelt verlaufende Nabelvene lässt sich duplexsonographisch gut darstellen. Eine Wiedereröffnung der Nabenvene trägt zu einer Erhöhung des orthograden (auf die Leber hin gerichteten) Pfortaderflusses bei portaler Hypertension bei.

Klärung einer Splenomegalie

Mäßiggradige Milzvergrößerung, deren Ursache in diesem Fall nicht durch eine Widerstandserhöhung durch eine Leberverhärtung (Leberzirrhose), sondern durch eine Virusinfektion bedingt ist. Denn der Blutfluss in der Milzvene ist nicht vermindert, sondern eher hoch.

Eine Milzvergrößerung (Splenomegalie) kann sowohl eine Folge eines Blutstaus vor einer verhärteten Leber (portale Hypertension bei Leberzirrhose) sein als auch einer Infektions- oder Blutkrankheit. Bei einer Leberzirrhose ist der Blutfluss in der Pfortader und der Milzvene verlangsamt oder retrograd. Bei einer Infektion oder Blutkrankheit mit Blutbildung in der Milz ist der Milzvenenfluss dagegen erhöht. Die Duplexsonographie lässt beide Möglichkeiten leicht differenzieren.


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Verweise

Sonographische Methoden

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).