Diagnostik des Diabetes mellitus

Die Diagnostik des Diabetes mellitus betrifft verschiedene Aspekte. Behandlungs- und überwachungswürdig ist nicht nur der manifeste Diabetes mellitus mit seinen Komplikationen und Folgeerkrankungen, sondern bereits die gestörte Glukosetoleranz. Daher müssen schon die Frühstadien erkannt werden.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Erkennung eines manifesten Diabetes mellitus

Durch Messung des Blutzuckers wird eine Hyperglykämie und darüber der Diabetes mellitus erkannt. Es müssen die Richtlinien der WHO erfüllt sein (siehe Definition des Diabetes mellitus).

Erkennung einer prädiabetischen Stoffwechsellage

Es reicht nicht aus, nur den Nüchternblutzucker hinsichtlich der Stoffwechseleinschätzung zu berücksichtigen. Die postprandialen Glukosespitzen können für sich bereits zu Folgeschäden führen. Das HbA1c verläuft nicht parallel zum Nüchternblutzucker, da die postprandialen Blutzuckerspitzen für die Erhöhung des HbA1c mitverantwortlich sind.

Die postprandialen Glukosespitzen gelten heute (neben einem erhöhten Nüchternblutzucker) als ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Komplikationen beim Typ-2-Diabetiker. Dies wird durch Studien unterstrichen: Der 2-h-Glukosewert beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT mit 75g Glukose) ist ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Komplikationen [1].

Eine gestörte Glukosetoleranz geht einer diabetischen Stoffwechsellage um viele Jahre (bis über 20!) voraus. Sie liegt vor, wenn eine normoglykämische Hyperinsulinämie nachweisbar ist. Wichtig ist die Erkennung einer normoglykämischen Hyperinsulinämie, da sie wahrscheinlich zur Entstehung einer (essentiellen) Hypertonie beiträgt und eine Atherogenese (Bildung einer Arteriosklerose) begünstigt.

Die Atherogenese beginnt schon in der Phase der gestörten Glukosetoleranz! Daher ist die Erkennung der Menschen, die trotz normalen Nüchternblutzuckers gefährdet sind, wichtig.

Nachweis einer gestörten Glukosetoleranz

Klinisch wird eine prädiabetische Stoffwechsellage durch eine gestörte Glukosetoleranz (“impaired glucose tolerance”, ITG) erkannt. Sie wird am einfachsten durch einen pathologischen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) nachgewiesen. Der oGTT wird sinnvollerweise bei Patienten mit

  • familiärer Belastung
  • Übergewicht (BMI > 25 kg/qm)
  • Frauen mit Gestationsdiabetes

als Suchtest eingesetzt. Auch eine koronare Herzkrankheit sollte Anlass sein, den Glukosestoffwechsel zu überprüfen. Siehe Vorschlag der amerikanischen Diabetesgesellschaft in [2].

Diagnostik von Komplikationen und Folgeschäden

Beim früh entdeckten Diabetes können Folgeschäden noch weitgehend vermieden werden. Zu den wichtigen Kontrolluntersuchungen gehören regelmäßige

Auffällige Befunde sprechen für eine zwischenzeitlich nicht optimale Therapie, die daher überprüft und intensiviert werden sollte.

Akute Stoffwechselentgleisungen, wie ein hypoglykämischer Schock, ein diabetisches Koma oder ein ketoazidotisches Koma, werden durch Untersuchung des Blutzuckers, des Säurebasenhaushalts, der Elektrolyte und der Ketonkörper diagnostiziert.

Verweise

Fachinformationen

Diabetes-Kompendium

Diabetes mellitus

Informationen für Patienten

Literatur

  1. ? DECODE-Studie: Lancet 1999; 354: 617-621
  2. ? Diabetes Care 2002; 25: 742-749