Calprotectin

Calprotectin ist ein Protein neutrophiler Granulozyten. Es gelangt bei Entzündungen der Darmwand und bei Blutungen aus Adenomen und Darmtumoren in das Darmlumen und eignet sich dafür als diagnostischer Marker. Seine Bestimmung im Stuhl (fäkales Calprotectin) zeigt Blutungen empfindlicher an als andere Tests auf verborgenes Blut (FOBT).


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Fäkales Calprotectin als Marker für IBD

So kann es als Marker für die Aktivität von chronisch entzündlichen Darmkrankheiten (IBD, inflammatory bowel disease) dienen [1]. Es findet sich bei floriden Schüben einer Colitis ulcerosa und eines Morbus Crohn im Stuhl relativ gleich verteilt, so dass aus dem Ergebnis einer Stuhlprobe auf den gesamten Stuhl geschlossen werden kann [2].

Empfindlichkeit bei der IBD-Diagnostik

Eine Metaanalyse von 30 prospektiven Studien ergibt bei floriden Schüben einer entzündlichen Darmkrankheit eine Sensitivität von bis zu 95% und eine Spezifität von bis zu 91% [3].

Verwendung zur IBD-Therapiekontrolle

Fäkales Calprotectin ist an die Präsenz weißer Blutkörperchen (Granulozyten) gebunden, die in das Darmlumen und damit in den Stuhl (Feces) gelangen. Wenn die fäkalen Calprotectinwerte in den Normbereich zurückgehen, kannvon einer Heilung der zuvor floriden Darmentzündung ausgegangen werden. Normwerte korrelieren mit einer völligen Normalisierung der Schleimhaut, einer mukosalen Heilung [4]. Calprotectin im Stuhl kann daher zur Kontrolle z. B. einer Infliximab-Therapie dienen [5]. und Darmspiegelungen zur Therapiekontrolle (Kontrollkoloskopien) entbehrlich machen [6].

Die Bestimmung von Calprotectin reduziert die Notwendigkeit einer Endoskopie zur Sicherung einer IBD-Aktivität laut einer Studie um 67% [7].

Verwendung zur Diskriminierung von IBD und Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom, das ähnliche Beschwerden wie eine chronisch entzündliche Darmkrankheit (IBD) hervorruft, ist eine wichtige Differenzialdiagnose. Bei einem „Cutoff“ von 30 mg/L soll die Sensitivität beim Morbus Crohn bei 100% und die Spezifität bei 97% im Vergleich zum Reizdarmsyndrom liegen [8]. In einer anderen Metaanalyse wurde bei einem Cuttoff von 50 μg/g eine Sensitivität von 93% und eine Spezifität von 94% gefunden [9].

Fäkales Calprotectin zur Tumorsuche

Calprotectin wird bei Patienten mit kolorektalem Karzinom (Darmkrebs) erhöht gefunden. In einer Studie wird bei allen getesteten 62 Patienten mit diesen Tumoren unter Annahme einer Diskriminationsgrenze von 10 mg/Liter ein positiver Befund im Bereich von 57 bis 133 mg/Liter gefunden. Ein Teil von zufällig bei Koloskopien gefundenen Schleimhautpolypen des Darms (Adenome) bei sonst gesundem Darm war ebenfalls mit Calprotectin-Werten über 10 mg/Liter assoziiert. Calprotectin zeigt offenbar die bei Mikroblutungen in den Darm gelangten Granulozyten an. Es ist in dieser Untersuchung sensitiver als der fecale okkulte Bluttest (Hämokkulttest, FOBT) [10]. Nach Operation eines kolorektalen Karzinoms sinkt das fäkale Calprotectin signifikant [11].

Verweise

Literatur

  1. ? Dis Markers. 2014; 2014: 710915 doi: 10.1155/2014/710915
  2. ? Scand J Gastroenterol. 1992 Sep; 27(9):793-8
  3. ? Am J Gastroenterol. 2007 Apr; 102(4):803-13
  4. ? Scand J Gastroenterol. 2004 Oct; 39(10):1017-20
  5. ? World J Gastroenterol. 2011 Dec 21; 17(47):5166-71
  6. ? Health Technol Assess. 2013 Nov; 17(55):xv-xix, 1-211
  7. ? BMJ. 2010 Jul 15; 341():c3369
  8. ? Gut. 2000 Oct; 47(4):506-13
  9. ? Health Technol Assess. 2013 Nov; 17(55):xv-xix, 1-211
  10. ? Gut. 2001 Sep; 49(3): 402–408.
  11. ? World J Gastroenterol. 2014 May 7; 20(17): 4994–4999