Bevacizumab

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Bevacizumab (Avastin®) ist ein Antikörper zur Unterdrückung der Gefäßneubildung; er wird zur Therapie von Tumoren (z. B. von Darmkrebs) eingesetzt. 1)Cancer Treat Rev. 2020 Jun;86:102017. doi: 10.1016/j.ctrv.2020.102017. Epub 2020 Mar 26. PMID: … Continue reading

Das Wichtigste

Kurzgefasst
Bevacizumab ist ein Medikament zur Behandlung von Krebs. Seine Wirkung beruht auf der Unterdrückung der Gefäßneubildung, die für die Versorgung des Tumorgewebes notwendig ist. Der Tumor wird damit „ausgehungert“.

Wirksam ist Bevacizumab bei einer Reihe von Tumoren: Darmkrebs, Brustkrebs, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs. Glioblastom (ein Krebs im Gehirn), Nierenzellkarzinom, Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) und Halskrebs.

Es werden nicht nur die Bildung von Tumorgefäßen, sondern auch andere Gefäßsprossungen gehemmt. So sind günstige Wirkungen auch bei Augenkomplikationen, bei der Zuckerkrankheit und bei Blutungen aus Gefäßsprossungen beim Morbus Osler erzielbar.

Bevacizumab wird gut vertragen. Nebenwirkungen, wie Neigung zur Hypertonie und Übelkeit, sind nicht häufig undgut behandelbar.


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Wirkmechanismus und Indikationen

Bevacizumab ist ein Antikörper gegen den Wachstumsfaktor für Blutgefäße (VEGF, vascular endothelial growth factor), der von Tumoren verstärkt produziert wird. Jeder solide Tumor, der eine Größe von mehr als 2-3 mm überschreitet, ist auf zusätzliches Gefäßwachstum angewiesen. Die Dosierung in den Studien lag meist bei 15 mg/kg.

  • Indikationen in der Onkologie: Durch Hemmung der Vaskularisierung wird das Tumorwachstum gebremst. Dies wird in der Onkologie ausgenutzt. Bei vielen Tumoren zeigten Studien eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens. Dazu gehören folgende maligne Tumore:
    • Darmkrebs: Das kolorektale Karzinom (Erstfeststellung einer wirksamen Tumortherapie durch Bevacizumab 2)N Engl J Med 350 (2004) 2335 – 2342 ): zugelassen für First Line-Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms in Kombination mit 5-FU/Folinsäure/Irinotecan. Verlängerung des Gesamtüberlebens von 15,6 auf 20,3 Monate. Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 6,2 auf 10,6 Monate. Auch in anderen Studien wurde eine signifikante Lebensverlängerung dokumentiert. 3)Proc Am Soc Clin Oncol 23 (2004) 249 Abstract 3516
    • Brustkrebs: Beim metastasierenden Mammakarzinom ist Bevacizimab zugelassen für die First-Line-Therapie in Kombination mit einer Chemotherapie (Paclitaxel). Das progressionsfreie Überleben wurde in einer Studie von 6,7 auf 13,3 Monate (p < 0,0001) verdoppelt 4)Breast Cancer Res. Treat. 94 (2005) 6, Abstract 3. In einer Studie wurde die Ansprechrate durch Bevacizumab erhöht (19.8% vs. 9.1%), nicht jedoch das Gesamtüberleben (15.1 vs. 14.5 Monate) oder die Zeitspanne bis zur Verschlechterung der Lebensqualität. 5)J Clin Oncol. 2005 Feb 1;23(4):792-9 In diesen Hinsichten ist die Kombination mit Trastuzumab, einem Antikörper gegen „Human Epidermal Growth Factor Receptor 2“ (HER-2) erfolgversprechender. 6)Cancer Invest. 2007 Oct;25(7):518-26 7)J Clin Oncol. 2007 Aug 1;25(22):3246-50
    • Bronchialkarzinom: Das fortgeschrittene nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) reagiert günstig; dabei ist jedoch Risiko für Hämoptysen erhöht. 8)Curr Treat Options Oncol. 2007 Feb;8(1):15-27 Eine Studie 9)N Engl J Med 2006; 355: 2542-2550 zeigt eine Verlängerung des Gesamtüberlebens beim lokal fortgeschrittenen bzw. metastasierten NSCLC (12,3 versus 10,3 Monate) und des progressionsfreien Überlebens von 4,5 auf 6,2 Monate (p<0,001) sowie eine Erhöhung der Ansprechraten von 15 % auf 35 %. 10)J Clin Oncol. 2007 Oct 20;25(30):4743-50
    • Eierstockkrebs: Das fortgeschrittene Ovarialkarzinom reagiert auf Bevacizumab und ermöglicht ein mittleres progressionsfreies Überleben von 16,6 Monaten. In Kombination mit Olaparib (ein Hemmstoff, der die DNA-Reparatur in Krebszellen verhindert) steigt sie auf 22,1 Monate. 11)N Engl J Med. 2019 Dec 19;381(25):2416-2428. DOI: 10.1056/NEJMoa1911361. PMID: 31851799.
    • Nierenkrebs: Die Kombination von Atezolizumab mit Bevacizumab verlängert das progressionsfreie Überleben beim Nierenzellkarzinom gegenüber Sunitinib von 7,7 auf 11,2 Monate. 12)Lancet. 2019 Jun 15;393(10189):2404-2415. DOI: 10.1016/S0140-6736(19)30723-8. Epub 2019 May 9. … Continue reading
    • Glioblastom: Bei diesem Hirntumor spielt die ausreichende Blutversorgung eine besondere Rolle. Wird sie durch Bevacizumab gestört, kann – zusammen mit einer First-Line-Therapie eine Lebenszeitverlängerung von etwa 4 Monaten auf 17 Monate erzielt werden. 13)J Neurooncol. 2017 Jul;133(3):455-467. DOI: 10.1007/s11060-017-2477-x. Epub 2017 May 19. PMID: … Continue reading 14)J Clin Oncol. 2015 Sep 1;33(25):2735-44. DOI: 10.1200/JCO.2015.61.5005. Epub 2015 Jun 29. Erratum … Continue reading
  • Indikationen am Auge: bei Krankheiten, die mit angiomatösen Proliferationen einhergehen, kann Bevacizmab wirksam sein. 15)Retina. 2008 May;28(5):689-95 DAzu gehören die diabetische Retinopathie 16)Pilotstudie Retina. 2008 Sep 10. [Epub ahead of print] und das Retinoblastom (Tumor im Auge) 17)Arch Ophthalmol. 2008 Jul;126(7):953-8.
  • Morbus Olser:  Der Morbus Osler (hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie) ist durch arteriovenöse Malformationen gekennzeichnet. Er kann ausgeprägte Shunts entwickeln, auch in inneren Organen wie Darm und Leber, und zu okkulten oder offenen Darmblutungen und einer Volumenbelastung des Herzens führen. Die Symptomatik kann auf Bevacizumab ansprechen. 18)Liver Transpl. 2008 Feb;14(2):210-3 19)Ann Hematol. 2006 Sep;85(9):631-2 20)GE Port J Gastroenterol. 2018 Mar;25(2):91-95. DOI: 10.1159/000481289. Epub 2017 Oct 5. PMID: … Continue reading Dazu siehe hier.

Verträglichkeit

Die Verträglichkeit ist gut, gelegentlich tritt eine Hypertonie auf. Selten werden Übelkeit, Haarausfall oder Knochenmarkschädigungen beobachtet. Sehr selten kommt es zu einer gastrointestinalen Perforation oder Blutung, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall.

Verweise

 

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Cancer Treat Rev. 2020 Jun;86:102017. doi: 10.1016/j.ctrv.2020.102017. Epub 2020 Mar 26. PMID: 32335505.
2 N Engl J Med 350 (2004) 2335 – 2342
3 Proc Am Soc Clin Oncol 23 (2004) 249 Abstract 3516
4 Breast Cancer Res. Treat. 94 (2005) 6, Abstract 3
5 J Clin Oncol. 2005 Feb 1;23(4):792-9
6 Cancer Invest. 2007 Oct;25(7):518-26
7 J Clin Oncol. 2007 Aug 1;25(22):3246-50
8 Curr Treat Options Oncol. 2007 Feb;8(1):15-27
9 N Engl J Med 2006; 355: 2542-2550
10 J Clin Oncol. 2007 Oct 20;25(30):4743-50
11 N Engl J Med. 2019 Dec 19;381(25):2416-2428. DOI: 10.1056/NEJMoa1911361. PMID: 31851799.
12 Lancet. 2019 Jun 15;393(10189):2404-2415. DOI: 10.1016/S0140-6736(19)30723-8. Epub 2019 May 9. PMID: 31079938.
13 J Neurooncol. 2017 Jul;133(3):455-467. DOI: 10.1007/s11060-017-2477-x. Epub 2017 May 19. PMID: 28527008.
14 J Clin Oncol. 2015 Sep 1;33(25):2735-44. DOI: 10.1200/JCO.2015.61.5005. Epub 2015 Jun 29. Erratum in: J Clin Oncol. 2016 Sep 1;34(25):3113. PMID: 26124478; PMCID: PMC5015426.
15 Retina. 2008 May;28(5):689-95
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17 Arch Ophthalmol. 2008 Jul;126(7):953-8
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19 Ann Hematol. 2006 Sep;85(9):631-2
20 GE Port J Gastroenterol. 2018 Mar;25(2):91-95. DOI: 10.1159/000481289. Epub 2017 Oct 5. PMID: 29662934; PMCID: PMC5892375.