Schlaganfall - einfach erklärt
[bearbeiten] Was ein Schlaganfall ist
Der Schlaganfall (Hirninfarkt, Apoplexia cerebri, oft kurz als Apoplex bezeichnet) ist eine plötzlich eintretende Funktionsstörung des Gehirns, die durch die Unterbrechung der Durchblutung eines Gehirnbezirks bedingt ist. Meist handelt es sich um einen Gefäßverschluss (ischämischer Insult, ischämischer Hirninfarkt), seltener um eine Blutung im Gehirn.
Je nach betroffenem Bezirk können die neurologischen Ausfälle sehr unterschiedlich ausfallen. Sie reichen von einer nur minimalen Störung des Gefühls oder der Motorik bis hin zu einer inkompletten oder kompletten Lähmung von Körperregionen (z. B. Sprachlähmung, Armlähmung, Halbseitenlähmung) oder gar einer Bewusstlosigkeit (Coma apoplecticum).
Der plötzliche Gehirnschlag, der den Menschen zu Boden fallen lässt (wie z. B. bei G.F. Händel), ist ein dramatisches Ereignis. Seltener jedoch steigern sich die Symptome allmählich: es beginnt mit unerklärlicher innerer Unruhe, dann kommt es zu ersten Lähmungserscheinungen und innerhalb einiger Stunden zum großen Schlaganfall mit Bewusstlosigkeit.
Wie sich der Prozess weiterentwickelt, ist anfangs oft nicht absehbar; daher sollte jeder mit beginnenden neurologischen Ausfällen sofort in eine entsprechend ausgestattete Klinik, am besten mit einer „Stroke Unit“ (einer Spezialstation zur Diagnostik und Therapie von Schlaganfallpatienten). Vom Zeitpunkt der Diagnostik und des therapeutischen Eingreifens hängt die Prognose oft entscheidend ab.
Wenn sich die neurologische Symptomatik innerhalb eines Tages wieder zurückbildet, wird der Schlaganfall als transitorisch ischämische Attacke (TIA) bezeichnet.
[bearbeiten] Wie ein Schlaganfall zustande kommt
Der Schlaganfall entsteht in ca. 80% durch einen Verschluss eines Blutgefäßes, das das Gehirn mit Sauerstoff und Nahrung versorgt. Je größer das verschlossene Gefäß ist, desto größer ist der Ausfall. Zum Gefäßverschluss kommt es meist durch ein Blutgerinnsel (Koagel), welches sich von einer arteriosklerotisch geschädigten Wand einer Arterie abgelöst hat. Es schwimmt mit dem Blutstrom und bleibt im nächst enger werdenden Stromgebiet der Hirngefäße stecken. Das Koagel kann auch aus dem Herzen kommen, wo es sich beispielsweise bei einer absoluten Arrhythmie oder bei einem Herzklappenfehler bilden kann. Es können aber auch kleinste Blutgefäße so verengt sein, dass sie im Gehirn selbst durch Blutgerinnsel verkleben (thrombosieren). Sie führen nur zu kleinen aber oft multiplen Ausfällen (lakunäre Infarkte) und sind meist durch Bluthochdruck bedingt.
In ca. 20% handelt es sich beim Schlaganfall um eine Blutung im Gehirn.
[bearbeiten] Wer Schlaganfall-gefährdet ist
Eine Schlaganfallgefährdung steigt mit zunehmendem Alter. Das Risiko von Menschen, einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei folgenden Bedingungen erhöht:
- bereits durchgemachter Schlaganfall: es kommt gehäuft zu erneuten Schlaganfällen,
- bekannte Arteriosklerose: sklerotische Plaques der Wand können aufbrechen; dort lagern sich Gerinnsel an, die abgelöst und ins Gehirn geschwemmt werden können,
- Bluthochdruck: fördert die Arteriosklerose,
- Fettstoffwechselstörung: fördert die Arteriosklerose,
- Zuckerkrankheit: erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung,
- Rauchen: fördert die Arteriosklerose,
- absolute Unregelmäßigkeit des Herzschlags (absolute Arrhythmie): fördert die Gerinnselbildung im Herzen, die mit dem Blut ins Gehirn geschwemmt werden können (sie haben ein jährliches Schlaganfallrisiko von etwa 5%),
- Herzklappenfehler, besonders bei Endokarditis
- Engen der hirnzuführenden Blutgefäße (Stenose der Arteria carotis)
[bearbeiten] Wie man einen Schlaganfall erkennt
Die Zeichen, die auf einen Schlaganfall hindeuten, können je nach Lokalisation vielfältig sein. Alarmzeichen sind plötzlich und neu aufgetretene Symptome wie:
- Gefühlsstörungen oder Bewegungsstörungen einzelner Körperteile,
- ein verzogener Mundwinkel oder ein schiefes Gesicht,
- die Unfähigkeit Speichel im Mund zu behalten oder ein Auge zu schließen
- Schwäche oder Lähmung eines Arms oder Beins
- Schluckstörung
- verwaschene, undeutliche Sprache oder Unfähigkeit, Worte zu artikulieren (Aphasie)
- Doppelbilder
- Orientierungsverlust, Verwirrtheit
[bearbeiten] Was sofort zu tun ist
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[bearbeiten] Thrombolyse
In einem kleinen Zeitfenster (bis zu 3 Stunden) kann eine Lysetherapie (zur Auflösung des Gerinnsels mit Alteplase) durchgeführt werden. Laut einer neueren Studie wird eine Zeitspanne von 4 1/2 Stunden noch für erfolgversprechend gehalten [1] ) Sie hat das Ziel, die Schwellung der umgebenden, zunächst noch nicht geschädigten Hirnareale so gering wie möglich zu halten. In dieser Studie hatte die Lysetherapie eine erhöhte Rate an Blutungen im Gehirn zur Folge (27% vs. 17% in der Kontrollgruppe), von denen auch einige Symptome hervorriefen (2,4% vs. 0,2%). Die Rate an Todesfällen lag bei Patienten mit Lysetherapie nicht höher als denen in der Kontrollgruppe (um 8%).
Die Vorbedingung für eine Auflösung des Gerinnsels (Thrombolyse) ist der Nachweis des Verschlusses eines hirnzuführenden Blutgefäßes sowie der Ausschluss einer Blutung im Gehirn. Dies erfolgt durch eine sofort durchgeführte Computertomographie in einem Zentrum, das darauf eingerichtet ist. Auch andere Vorbedingungen müssen erfüllt sein (so darf z. B. kein Magengeschwür vorliegen, das unter Lysetherapie bluten könnte, etc.).
[bearbeiten] Stroke Unit
Zentren, in denen der diagnostische Ablauf optimiert ist, und in denen gewährleistet werden kann, dass die erforderliche Therapie in kürzest möglichem Zeitraum und unter bester Überwachung stattfindet, sind die "Stroke Units" (Schlaganfallstationen). In ihnen arbeiten Neurologen, Röntgenfachärzte, Gefäßchirurgen, Gerinnungsspezialisten und Herzspezialisten zusammen. Zum raschen Ausschluss eines Magengeschwürs, das Blutungskomplikationen unter Lysetherapie verursachen könnte, sollten auch Gastroenterologen zur Verfügung stehen.
Bei der weiteren Behandlung kommen Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. ASS) zur Anwendung. Auch muss der Blutdruck unter Kontrolle bleiben. Da in den Infarktrandgebieten (Penumbra) durch Gewebeschwellung ein erhöhter Perfusionsdruck erforderlich ist, sollten Blutdruckwerte bis 200 mm Hg toleriert werden; niedrigere Druckwerte können u. U. nicht ausreichen (Erfordernishochdruck). Allerdings muss das Herz mit seiner Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden.
[bearbeiten] Was im weiteren Verlauf zu tun ist
Rehabilitationsmaßnahmen bei Patienten, die Lähmungen erlitten haben, beginnen schon in der akuten Krankheitsphase und dauern meist viele Monate. Es müssen alle noch so schwachen motorischen Funktionen geübt werden, wobei zu prüfen ist, ob die „gesunde“ Seite die Funktionen der ausgefallenen Teile ersetzen soll, oder ob Hoffnung besteht, dass die ausgefallenen Körperteile ihre Funktionen wiedererlangen können; in diesem Fall muss jede auch geringe neurologisch Antwort immer wieder trainiert werden. Insgesamt ist außerordentlich viel Geduld und Training aufzubringen, wozu eine hohe Motivation gehört. Physiotherapie, Logopädie, Orthopädie und Psychologie werden in das Gesamtkonzept eingebunden. Zudem muss Vorsorge getroffen werden, dass möglichst kein neuerlicher Schlaganfall (Reapoplex) eintritt (z. B. durch Blutdruckeinstellung, Behandlung einer Fettstoffwechselstörung, Gerinnungshemmung mit z. B. ASS oder Clopidogrel). Bei einer absoluten Arrhythmie bei Vorhofflimmern des Herzens sollte die Hemmung der Blutgerinnung durch ein Coumarinpräparat (z. B. Marcumar oder Falithrom) erfolgen. Wichtig ist dabei, dass der Ziel-INR-Wert erreicht wird. Liegt der INR unter 2, ist die Schlaganfallvorbeugung unzureichend, liegt er über 3 oder gar 4, so steigt die Gefahr von Blutungen (siehe unter Quick (INR)).
[bearbeiten] Perspektiven
Nicht nur die Auflösung von Gerinnseln allein bessert die Prognose eines frischen Hirninfarkts. Neuere Untersuchungen zeigen im Tiermodell, dass eine (zusätzliche) Neuroprotektion (Schutz des Gehirns und Verbesserung der Hirnleistung z. B. mit Tacrolimus) zu einer Verbesserung des Verlaufs führen kann[2]. Möglicherweise entsteht hier eine weitere Behandlungsoption.
[bearbeiten] Verweise
[bearbeiten] Für Patienten
- Bluthochdruck - einfach erklärt
- Herzinfarkt - einfach erklärt
- Diabetes - einfach erklärt
- Neuroprotektion - Schutz der Hirnfunktion
[bearbeiten] Fachinformationen
[bearbeiten] Literatur




