Schlafstörungen

Schlafstörungen können zu Schlafmangel führen. Schlaflosigkeit (Insomnie) ist belastend, da Unausgeschlafenheit zu Leistungsminderung und schlechter Laune und sogar zur Depression führen können. Die landläufige Meinung, dass der Körper sich schon seinen Schlaf holt, stimmt nur teilweise - beispielsweise für Gesunde, die in einen Schlafentzug kommen. Es gibt jedoch auch Krankheiten als Ursache erheblicher Schlafstörungen. Schlafstörungen sollten daher genau untersucht und differenziert werden. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen und fußt weitgehend auf Empfehlungen zum Lebensstil und zur Schlafhygiene; sie sollte wenn möglich Medikamente vermeiden.



Inhaltsverzeichnis

Einteilung der Schlafstörungen

Schlafstörungen bedeuten fast immer eine Verkürzung der Schlafzeit. Sie können besonders die Einschlafphase oder die Durchschlafphase betreffen. Bei Durchschlafstörungen verhindert oft eine neuerliche Störung des Einschlafens die Ergänzung der Gesamtschlafzeit; sie bedeuten dann ein definitives vorzeitiges Erwachen. Häufig besteht ein Mischbild von Ein- und Durchschlafstörung.

Schlafstörungen gesunder Menschen

Ursachen von Schlafstörungen sonst gesunder Menschen können vielfältig sein. Zu ihnen gehören

  • Übernächtigung z. B. nach Feiern oder Nachtdiensten,
  • Kaffeegenuss am Abend, Amphetamine und andere aufputschende Drogen,
  • das Jetlag bei Fernreisen,
  • Alkoholgenuss (kann zu Blutdruckabfall und gegenregulatorisch zu [Tachykardie|Herzklopfen (Tachykardie)]] führen)
  • psychische Belastung durch aufregender Erlebnisse oder Mitteilungen, Aufregung vor wichtigen Ereignissen,
  • “Ammenschlaf“ nach der Geburt und während der Stillzeit, aber auch
  • mangelhafte Schlafhygiene (z. B. unregelmäßiger Tagesablauf, unregelmäßige Schlafenszeiten, abendliche Genussmittel).

Insbesondere die mangelhafte Schlafhygiene stellt ein therapeutisches Problem dar. Langes Lesen, Fernsehen oder Arbeiten bis in die Nacht hinein kann auf Dauer zur Angewohnheit werden. Dem Körper fehlen dann die immer zur gleichen Zeit wiederkehrenden zur Ruhe überleitenden Rituale, auf die er im Bedarfsfall zurückgreifen kann. Sind solche Rituale vorhanden, können gelegentliche Übernächtigungen z. B. durch eine Feier oder durch Nachtdienst problemlos ausgeglichen werden.

Eine unzureichende Verarbeitung schockierender Erlebnisse kann jedoch auf lange Frist zu einer Schlafstörung führen, so dass sich Einschlafrituale gar nicht ausbilden können. Sich dieser Probleme klar werden, und sie sich von der Seele reden oder schreiben hilft vielen betroffenen Menschen. Eine psychologische Hilfe ist dabei mehr Wert als Schlaf fördernde Medikamente.

Allein durch eine anhaltende Unausgeschlafenheit kann es zur Abnahme der Leistungsfähigkeit, zu Ablenkbarkeit, Missmut und Depression kommen. Speziell Depressionen sollten daher daraufhin untersucht werden, ob sie die Ursache der Schlafstörung oder, wie es eben auch sein kann, ihre Folge sind.

Schlafstörungen bei Krankheiten

Es gibt jedoch auch Krankheiten, die mit einer erheblichen Schlafstörung einhergehen und für sie ursächlich sind. So können beispielsweise folgende Erkrankungen oder Krankheitsbedingungen mit Schlafstörungen einhergehen:

  • Restless-Legs-Syndrom,
  • nächtliche Wadenkrämpfe bei Durchblutungsstörungen der Beine,
  • Blasenschwäche mit nächtlichem Drang zum Wasserlassen; in diesem Fall kann der Schlaf durch neuerliches Einschlafen nachgeholt werden - wenn man sich davon nicht ablenken lässt,
  • Verdauungsstörungen (mit Stuhldrang aus dem Schlaf heraus bei organisch bedingter Diarrhö),
  • schwere Lungenkrankheiten mit nächtlicher Sauerstoffuntersättigung (z. B. bei obstruktiver Ventilationsstörung und CPAP-Unterstützung der Atmung).
  • Pickwick-Syndrom und obstruktive Schlafapnoe
  • starke Schmerzen wie
  • jede sonstige schwere Erkrankung.

Schlafstörungen als Hinweis auf eine Krankheit

Schlafstörungen ohne erkennbare Ursache können auf eine bisher nicht erkannte Krankheit oder Krankheitsbedingung hinweisen, beispielsweise auf folgende:



Schlafstörungen im Alter

Der Bedarf an Schlaf sinkt mit zunehmendem Lebensalter von 8-10 Stunden in der Jugend auf 6-7 Stunden bei über 60-Jährigen. Auch die Zusammensetzung der Schlafphasen, die als „Schlafarchitektur“ bezeichnet wird, ändert sich: die REM-Phasen (Rapid-Eye-Moving-Phasen, in denen Träume stattfinden) nehmen ab und auch die Tiefschlafphasen (im EEG durch Delta-Wellen charakterisiert).

Im fortgeschrittenen Alter können Schlafstörungen zu einem erheblichen Problem werden:

Eine abnehmende körperliche und geistige Aktivität führt oft zu mangelnder Müdigkeit am Abend und einer Verschiebung der Einschlafzeit in die Nacht hinein. Folgen sind eine vermehrte Tagesmüdigkeit mit Einschlaftendenz in allen möglichen Situationen, eine zunehmende Verwirrtheit bzw. kurzzeitige Orientierungsverluste und zudem beim jeweiligen Aufwachen und Aufstehen Sturztendenzen mit Frakturgefahr. Die Tagesschläfchen wiederum verstärken die Einschlafstörung abends. Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist fragmentiert. Aus diesem Kreis kommen alte Menschen kaum heraus.

Auch können Durchblutungsstörungen des Gehirns hinzu kommen, besonders wenn ein niedriger Blutdruck für die Durchblutung des Gehirns nicht ganz ausreicht. Oft ist eine dadurch verstärkte abendliche Verwirrtheit mit körperlicher Unruhe verbunden, die dem Einschlafen entgegensteht.

Schlafstörung und Adipositas

Orexine sind im zentralen Nervensystem gebildete Transmittersubstanzen mit vielfältigen Wirkungen. Sie steigern die Bildung von Ghrelin und den Appetit und führen damit zu einer Gewichtszunahme. Zudem reduzieren sie das Schlafbedürfnis. Über diese Verbindung lässt sich möglicherweise erklären, dass Menschen mit Schlaflosigkeit auch zu Adipositas neigen [1].

Behandlung von Schlafstörungen

Die Behandlung von Schlafstörungen, die durch eine schwere organische Krankheit ausgelöst sind, sollte in erster Linie durch die Behandlung dieser Krankheit erfolgen.

Die Behandlung von Schlafstörungen, die nicht durch eine schwere organische Krankheit ausgelöst sind, sollte zunächst durch nicht medikamentöse Maßnahmen erfolgen. Von besonderer Bedeutung ist dabei eine Änderung des Lebensstils. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • kein Koffein, Alkohol und Nikotin abends,
  • keine Drogen
  • keine schweren oder zu üppigen Mahlzeiten,
  • kein Mittagsschlaf (Müdigkeit für den Abend aufheben),
  • vermehrte körperliche Aktivität, jedoch keine aufputschenden Tätigkeiten abends mehr
  • angenehme Schlafumgebung (z. B. Geräuschreduktion)
  • Einführung von Einschlafritualen (z. B. Entspannungsübungen, bewusstes Denken an angenehme Dinge)
  • Stressabbau, Stressbewältigung
  • Bett nur zum Schlafen aufsuchen (Signalcharakter des Betts ausnutzen)
  • Individuell kann entspannende Musik oder ein Buch zum Schlafen anregen. Wenn die Augen zuzufallen beginnen, sofort Licht aus und Augen zu!

Medikamente zur Behandlung von Schlafstörungen

Schlafmittel (Sedativa und Hypnotika) führen zur Gewöhnung und sollten bei der Behandlung von Schlafstörungen daher vermieden werden. Ausnahmen sind in bestimmten Situationen jedoch durchaus sinnvoll, beispielsweise zur kurzfristigen Überbrückung bei einer psychischen Ausnahmesituation.

Früher wurden Barbiturate und Chloralhydrat eingesetzt. Sie sind wegen der Nebenwirkungen weitgehend wieder verlassen.

Die meisten heutigen Schlafmittel sind Abkömmlinge von Benzodiazepinen. Sie führen allerdings auf Dauer zu Abhängigkeit und Toleranz.

Benzodiazepine mit kurzer Wirkdauer eignen sich als Einschlafmittel (Beispiel Brotizolam (Lendormin ®) und Triazolam (Halcion®)). Solche mit mittellanger Wirkung (Beispiel Lormetazepam (Nactamid ®)) und lang anhaltender Wirkung (Beispiel Diazepam (Valium ®)) eignen sich als Durchschlafmittel. Durchschlafmittel zerstören jedoch die Schlafarchitektur (s.o.), so dass sie zur Behandlung von Schlafstörungen eher nicht in Betracht gezogen werden. Durch ihre lange Wirkung können sie noch am nächsten Tag eine fortdauernde Schläfrigkeit und Einschränkung der Reaktionsgeschwindigkeit verursachen. Der Schlaf ist nicht erholsam. Bei älteren Menschen steigt die Sturzgefahr.

Eine Weiterentwicklung sind die Benzodiazepinrezeptorantagonisten wie Zolpidem (Teva ®) und Zaleplon (Sonata ®). Sie wirken ähnlich wie Benzodiazepine und werden ebenfalls für ältere Menschen nicht empfohlen.

Baldrian wird gerne als Hausmittel gegen Schlaflosigkeit verwendet. Die Wirkung wird als gering eingestuft; allerdings ist sie individuell auch abhängig vom Glauben an die Wirkung.

Johanniskrautpräparate dienen ebenfalls als Hausmittel gegen Überreiztheit und nervöser Erschöpfung. Aber Vorsicht: Johanniskraut interagiert mit vielen Medikamenten, die dann unzuverlässig wirken!!! Daher kein Johanniskraut ohne ärztlichen Rat, wenn Medikamente eingenommen werden müssen.

Melatonin ist ein Hypophysenhormon, das den Schlaf anstoßen kann und daher als Einschlafmittel Verwendung findet. Allerdings greift es ins Hormonsystem ein und senkt bei jüngeren Männern den Testosteronspiegel. Retardiertes Melatonin ist als Circadin ® im Handel; es wird gut vertragen, hat aber eine nur geringe Wirksamkeit. Verwendet wird es bei älteren Menschen. Der Melatoninagonist Ramelteon scheint ähnlich zu wirken. (Mehr zu Melatonin siehe hier.)

Bei einem Schmerzsyndrom können Schmerzmittel die Voraussetzung für Schlaf darstellen.

Verweise

Literatur

  1. Ann N Y Acad Sci. 2008;1129:287-304






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Diese Seite wurde zuletzt am 11. März 2013 um 08:57 Uhr geändert.