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Hyperkalzämie

Hyperkalzämie (oft auch Hyperkalziämie oder Hypercalcämie geschrieben) bedeutet zu hohe Kalziumkonzentration im Blut. Eine Hyperkalzämie ist ein diagnostisch wichtiges Zeichen für meist schwerwiegende Krankheiten, wozu eine Vitamin-D-Intoxikation, Störungen des Hormonhaushalts, Entzündungen, Knochenkrankheiten und Tumore gehören. Ein zu hoher Kalziumspiegel kann sich in intestinalen und neuromuskulären Symptomen äußern und schließlich zu Nierenversagen, Herzversagen und Tod führen.

Definition

Eine zu hohe Kalziumkonzentration im Blut von > 10,4 mg/dl (2,6 mmol/l) wird als Hyperkalzämie bezeichnet. Wesentlich für die Beurteilung der Bedeutung einer Hyperkalzämie ist nicht das Gesamtkalzium, sondern das freie, nicht an Albumin gebundene Kalzium. Werte des freien Kalziums von über den Grenzwert von 5,2 mg/dl (1,30 mmol/l) können zu Symptomen führen.



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Ätiopathogenese

Der Kalziumspiegel im Blut wird durch das Parathormon und Vitamin D (D-Hormon) konstant gehalten. Wesentlich an der Kalziumhomöostase des Körpers beteiligt sind der Darm, die Nieren und die Knochen.

Differenzialdiagnosen

Hauptursachen:

Seltenere Ursachen:

Von einer echten Hyperkalzämie ist die Pseudohyperkalzämie zu trennen, bei der nur das gebundene Kalzium erhöht ist, das freie Kalzium aber im Normbereich liegt. Sie ist durch einen erhöhten Anteil an Bluteiweiß gebundenen Kalziums bedingt. Dies kann bei einer hohen Konzentration von Albumin im Blut auftreten, aber auch bei einer Kalziumverschiebung von freien zum gebundenen Status, was bei einer Azidose eintritt.

Symptome und Folgen

Eine Hyperkalzämie macht sich bei gering erhöhten Werten selten oder kaum bemerkbar. Bei höheren Konzentrationen treten folgende typische, aber per se vieldeutige Symptome in unterschiedlicher Ausprägung auf: Obstipation, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Polyurie und Polydipsie, Enzephalopathie mit psychischen Veränderungen (bis hin zu Verwirrtheit, Psychose, Koma), Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen.

Diagnostik

Eine Hyperkalzämie ist meist ein Zufallsbefund bei Laboruntersuchungen, zu denen die Elektrolyte meist routinemäßig hinzu gehören. Bei der Diagnostik einer Obstipation, unerwarteter und unerklärter psychischer Auffälligkeiten und von Herzrhythmusstörungen mit verkürztem QT-Intervall im EKG sollte Kalzium im Serum mitbestimmt werden.

Diagnostik der Ursache

Diagnostik möglicher Risiken und Folgen

  • Herzrhythmusstörung durch Verkürzung der QT-Zeit im EKG, ggf. Speicher-EKG
  • Nephrokalzinose: Verkalkungen im Nierenparenchym (in der Sonographie manchmal gute erkennbar) durch Auskristallisation von Kalziumsalzen, Niereninsuffizienz (akutes Nierenversagen oder chronisches Nierenversagen),
  • Darmmotilität (Anamnese: Obstipation? Subileus?),
  • Enzephalopathie (z. B. psychische Auffälligkeit? Rechenleistung?),
  • muskuläre Schwäche (Anamnese, Gang, Treppensteigen)
  • Hypovolämie (bei Polyurie: Halsvenen leer? Blutdruck?).

Therapie

Bei einer geringen Erhöhung der Kalziumkonzentration im Serum braucht i.d.R. keine akute Senkung des Kalziumspiegels zu erfolgen; die Behandlung der Grundkrankheit führt zur Normalisierung.

Bei symptomatischer Hyperkalzämie (meist über 11,5 mg/dl (=/>2,9 mmol/l)) sollte der Kalziumspiegel im Blut gesenkt werden. Dazu können folgende Maßnahmen dienen:

  • Verminderung der Kalziumaufnahme im Darm durch Phosphat-Gabe
  • Erhöhung der Kalziumausscheidung mit dem Urin durch isotonische Kochsalz-Infusion plus Schleifendiuretika
  • Verminderung der Knochenresorption (Senkung der Osteoklastenaktivität) z. B. durch Bisphosphonate oder Calcitonin (das aber eine kurze Halbwertszeit hat), bei einer Tumor-Hyperkalzämie wirken manchmal zusätzlich gegebene Glukokortikoide.

Beim Hyperparathyreoidismus durch ein Adenom der Nebenschilddrüse ist eine operative Therapie anzustreben.

Verweise




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