Die idiopathische Hämochromatose ist eine genetisch bedingte Eisenspeicherkrankheit mit Auswirkungen auf viele Organe des Körpers, die unbehandelt zu einer Leberzirrhose, einer Zuckerkrankheit, Gelenkschmerzen und einer schweren Herzkrankheit führen kann. Durch Aderlässe wird dem Körper Eisen entzogen; die Lebenserwartung kann dadurch erheblich steigen. Neben der idiopathischen oder hereditären Hämochromatose gibt es andere Formen der Eisenspeicherkrankheit.
Inhaltsverzeichnis |
Definition
Speicherkrankheit, die zu ausgeprägten Eisenablagerungen in verschiedenen Organen, besonders in der Leber, führt ( >0,5 µg/100 g Feuchtgewicht, > 700 µg/g Trockengewicht). Bei Eisenablagerungen unterhalb dieses Wertes spricht man von Hämosiderose.
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Einteilung
- idiopathische (genetische, primäre) Hämochromatose
- erworbene (sekundäre) Hämochromatose (siehe unten)
Häufigkeit
Als Hämochromatose wird in der Regel die idiopathische Hämochromatose verstanden. Sie ist eine der häufigsten Erbkrankheiten. Häufigkeit der C282Y-Mutation etwa 4-9% der Bevölkerung. Verhältnis manifest Erkrankter zu Gesunden = 1:500 bis 1:4000, m:f = 5 bis 10:1. Im Süden Europas kommt sie weniger häufig vor als im Norden.
Ätiologie und Pathogenese
Idiopathische Hämochromatose: genetisch bedingte Erhöhung der Eisenresorption.
- Häufigste Ursache ist eine HFE-Gen-Mutation auf Chromosom 6 (C282Y-Mutation).
- Seltene Ursachen einer Hämochromatose betreffen einen Verlust von Transferrin Rezeptor 2, HAMP (hepcidin antimicrobial peptide), oder Hemojuvelin oder Mutationen von Ferroportin.
Erworbene Hämochromatosen:
Erworbene Hämochromatosen beruhen auf einer sekundären Eisenüberladung des Körpers infolge
- gehäufter Transfusionen, z. B. bei
- der Porphyrie,
- der Atransferrinämie, oder ganz besonders bei
- der Thalassämie.
Juvenile Hämochromatose:
Sie manifestiert sich zwischen 15 und 30 Jahren und zeigt keine Assoziation mit dem HFE-Gen.[1].
Die C282Y-Mutation im HFE-Gen ist bei Patienten mit Hämochromatose häufig zu finden, wenn sie keltischer Abstammung sind[2]. Sie findet sich nicht oder selten bei Hämochromatose-Patienten nichtkeltischer Abstammung; dort ist von anderen Mutationen auszugehen. Die Mutationen H63D und S65C sind mit einer milderen Verlaufsform assoziiert.
Neuere Erkenntnisse weisen dem Eisentransporter Ferroportin, dem regulatorischen Hormon Hepcidin und dem Hemojuvelin zentrale Rollen zu (siehe unter Eisenstoffwechsel).
-> Mehr zur Ätiologie und Pathogenese.
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Klinik
Erste Manifestation bei Männern meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, bei Frauen meist erst nach der Menopause.
Leitsymptome:
Hepatomegalie, Pigmentierung der Haut (bronzefarben- oder grau-bräunlich) in 50% der Fälle, Diabetes mellitus (bei 20% der Erkrankten im präzirrhotischen Stadium, bei 70% der Erkrankten im Zirrhosestadium)
Weitere Symptome:
Verlust der Körperbehaarung, Hodenatrophie, Libidoverlust, Splenomegalie, arthritische Gelenkbeschwerden, kardiale Symptome (häufig als erste Manifestation) mit Tachyarrhythmien bzw. Rechts-, Linksherzinsuffizienz (häufige Todesursache ist die Kardiomyopathie), Zeichen der Leberzirrhose (häufig als erste Manifestation).
Diagnostik
Anamnese und körperliche Befunde können erste Anhaltspunkte liefern, besonders wenn Kombinationen vorliegen: Leberzirrhose, Diabetes mellitus, pigmentierte Haut/Handlinien, Gelenkbeschwerden, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen, anschließend weitere Diagnostik durch Laborwerte.
- Sicherung der Diagnose (Eisen i.S., Transferrinsättigung, Ferritin),
- die Transferrinsättigung und das Ferritin eignen sich zur Verlaufskontrolle unter Therapie, die genetische Untersuchung auf das Hämochromatose-Gen HFE (relativ preiswert; dadurch erübrigt sich meist eine Punktion der Leber!),
- die Bestimmung des Eisengehalts in der Leber (Abschätzung durch CT oder MR)
- Leberhistologie ist zur Diagnosestellung selten noch erforderlich, kann aber zur Stadieneinteilung sowie zur Verlaufs- und Prognosebeurteilung in Einzelfällen indiziert sein,
- Diagnostik von Komplikationen und Folgeschäden (Leberzirrhose, Endokrinium, Herzinsuffizienz, Gelenke, hepatozelluläres Karzinom).
-> Mehr zur Diagnostik
Komplikationen und Folgezustände
- Leberzirrhose
- hepatozelluläres Karzinom (200fach erhöhtes Risiko; Alpha-Fetoprotein ist nur in 50% der Fälle positiv)
- Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörung (häufige Todesursache);
- Diabetes mellitus (zusammen mit pigmentierter Haut: Bronzediabetes)
- Arthropathie, Differentialdiagnosen: rheumatoide Arthritis, degenerative Gelenkveränderungen (Arthrose)
- hormonelle Dysregulationen bis hin zur polyglandulären Insuffizienz: Die Hämochromatose wird zunehmend als vorwiegend "endokrine Lebererkrankung" aufgefasst.
Therapie
Die Therapie der Wahl zur Reduzierung der Eisenüberladung sind Aderlässe (z. B. wöchentlich 300 ml, bis die Eisenspeicher leer sind und der Hb-Wert zu sinken beginnt (Anämiebeginn); Kontrolle durch Ferritin und Abnahme der Dichte im Computertomogramm).
Unter der Aderlass-Therapie ist eine Besserung der Gelenksymptome nicht unbedingt zu erwarten.
In besonderen Fällen kommt eine Behandlung mit Desferrioxamin (Eisenchelatbildner) in Betracht, die sehr viel weniger wirksam ist (Indikation z.B. bei der Thalassämie).
Auf jeden Fall muss die orale Eisenaufnahme reduziert werden (u.a. kein Alkohol). In Endstadien der Leberzirrhose kommt eine Lebertransplantation in Betracht. Ansonsten bleiben nur symptomatische Maßnahmen.
-> Mehr zur Therapie.
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Prognose
5-Jahres-Überlebensrate ohne Therapie: 18%. Bei effektivem Therapiebeginn (Aderlässe) im präzirrhotischen Stadium resultiert eine normale Lebenserwartung. Bei Therapiebeginn erst im Zirrhosestadium ist die 5-Jahres-Überlebensrate 75-92%, die 20-Jahres-Überlebensrate 46-49%. Alkoholabusus und Hepatitiden verschlechtern die Prognose.[5]
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Prophylaxe
Untersuchung von Verwandten 1. Grades (Geschwister, Kinder), Suche nach klinischen und klinisch-chemischen Zeichen der Hämochromatose, besonders Ferritinkonzentration und Transferrinsättigung. Heute gehört die genetische Analyse (Bestimmung des HFE-Gens) hinzu. Bei Bestätigung einer hereditären Hämochromatose: Aderlasstherapie (in reduziertem Maße vorbeugend auch schon vor einer klinischen Manifestation)
Verweise
Fachinfos
- Hämochromatose Ätiopathogenese
- Hämochromatose Diagnostik
- Hämochromatose Therapie
- Eisenstoffwechsel
- Leberpunktion
Patienteninfos
- Hämochromatose - einfach erklärt
- Ernährung bei Lebererkrankungen
- Symptome bei Leberkrankheiten
- Laborwerte bei Leberkrankheiten
- Die Leber
- Alkohol
Literatur
Übersicht: Hepatology. 2007 Oct;46(4):1291-301.
- ↑ Eur J Hum Genet 1997; 5: 371-375
- ↑ Nat Genet 1996; 13: 399-408; Blood Cells Mol Dis 1996; 22: 187-194
- ↑ Radiology 1999; 212: 227-234
- ↑ Magn Reson Imaging. 2005; 23: 1-25
- ↑ Gastroenterology 1996; 110: 1107-1119








