Facharztwissen
für alle @ medicoconsult.de


Fondaparinux (Arixtra®)

Fondaparinux (Arixtra®) ist ein Medikament zur Senkung des Thromboserisikos. Es ist ein Pentasaccharid, welches selektiv an Antithrombin bindet und selektiv den Gerinnungsfaktor Xa hemmt. Es wird hauptsächlich zur Thromboseprophylaxe nach großen orthopädischen Operationen eingesetzt, hat aber weitere mögliche Einsatzfelder, z. B. beim akuten Koronarsyndrom und bei der HIT.

Mögliche Indikationen

  • Nach großen Hüft- und Kniegelenksoperationen zeigte Fondaparinux in Studien zur Thromboseprophylaxe schon früh eine Überlegenheit gegenüber dem niedermolekularen Heparin Enoxaparin. Das postoperative Blutungsrisiko war abhängig vom Zeitpunkt der ersten Applikation; lagt er bei 6-8 Stunden postoperativ, so war das Blutungsrisiko gleich dem von Enoxaparin. Eine Verlängerte Verabreichung von Fondaparinus war nicht mit einer erhöhten Blutungsrate verbunden [1].
  • Fondaparinux bietet sich als Alternative zur Thromboseprophylaxe bei Heparin-induzierter Thrombozytopenie (HIT) an [2].
  • Die Thrombose- und Emboliehäufigkeit bei Krebs ist erhöht. Bisher wird eine prophylaktische Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin oder einem Vitamin-K-Antagonisten empfohlen. Fondaparinux scheint ebenso wirksam wie niedermolekulares Heparin zu sein; es bestehen keine wesentlichen Unterschiede bei Blutungen und Gesamtüberleben Thromb Haemost. 2009 Apr;101(4):762-9. Erste Ergebnisse mit dem länger wirksamen Idraparinux zeigen ebenso keine wesentlichen Vor- oder Nachteile gegenüber der Standardtherapie [3].
  • Bei älteren und multimorbiden Patienten mit Niereninsuffizienz, die sich einer großen Hüft- oder Knieoperation unterziehen müssen, wirkt eine reduzierte Dosis von Fondaparinux (1,5 mg) relativ sicher: bis zum Tag 10 nach der Operation war es in einer Studie [4]
    • in etwa 5% zu einer signifikanten, aber zu keiner kritischen großen Blutung, und
    • in etwa 0,5% zu einer symptomatischen Venenthrombose, aber zu keiner proximalen tiefen Beinvenenthrombose oder Lungenembolie gekommen.
  • Bei oberflächlicher Thrombophlebitis ist das Risiko einer tiefen Beinvenenthrombose erhöht. Fondaparinux reduziert dieses Risiko effektiv ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen [5].
  • Das akute Koronarsyndrom wird meist mit Antikoagulanzien (wie Enoxaparin), Thrombozytenaggregationshemmern (wie ASS und Clopidogrel) und Herzkathetertechniken (inkl. Einbringung von Koronarstents) behandelt; eine gefürchtete Komplikation sind Blutungen. Fondaparinux statt Enoxaparin senkt das Blutungsrisiko um die Hälfte: Unter Fondaparinux traten in einer Studie im Vergleich zu Enoxaparin innerhalb der ersten 30 Tage signifikant weniger große Blutungen (217 (2.2%) vs. 412 (4.1)) und Todesfälle (295 von 10057 vs. 352 von 10021 behandelten Patienten) auf [6].

Verweise

Literatur

  1. Drugs. 2004;64(14):1575-96
  2. J Thromb Haemost. 2011 Dec;9(12):2389-96
  3. Thromb Haemost. 2010 Jul;104(1):86-91
  4. Thromb Haemost. 2012 Jun;107(6):1151-60
  5. Ann Intern Med. 2012 Aug 21;157(4):JC2-4
  6. N Engl J Med. 2006 Apr 6;354(14):1464-76