Familiäres Mittelmeerfieber
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[bearbeiten] Definition
Genetisch bedingte Erkrankung mit rezidivierenden Fieberschüben und einer Polyserositis, besonders mit Peritonitiden
[bearbeiten] Vorkommen
Im Mittelmeerraum relativ häufig, vorwiegend in jüdischen (non-Ashkenazi Juden), armenischen, türkischen und arabischen Familien.
[bearbeiten] Genetik
Der FMF-Defekt liegt im MEFV-Gen (MEditerranean FeVer [MEFV]), das für Pyrin kodiert [1]. Gendefekte betreffen E148Q, M680I, M694V, and V726A. Autosomal-rezessive Vererbung. Das Gen scheint auch für die Entwicklung des M. Becet eine Rolle zu spielen [2].
[bearbeiten] Ätiopathogenese
Sie ist nicht völlig geklärt; offenbar spielt Pyrin eine Rolle. Pyrin ist ein Protein, das in vielen Proteinen vorkommt, die an der Entstehung von Entzündungsprozessen und Apoptosen beteiligt sind. Es ist bei Patienten mit familiärem Mittelmeerfieber mutiert. Daher ist die natürliche Regulation von z.B. Mediatorstoffen ( wie IL-1ß, Nuclear Faktor (NF)-kappaB) gestört [3].
[bearbeiten] Klinik
Rezidivierende Fieberschübe auch mit Schüttelfrösten jedoch bei negativer Bakteriologie, peritonitische Bauchschmerzen, akute Serositis auch im Pleurabereich (meist einseitige Pleuritis), Arthralgien und Sacroileitis möglich, bei Frauen Menstruationsabhängigkeit möglich, selten auch Myositis, Perikarditis, Vasculitis. Spontane Rückbildung nach wenigen Tagen.
Durch rezidivierende Entzündungen Gefahr der Ausbildung einer Amyloidose!
In einer multizentrischen Studie in der Türkei wurden folgenden Symptomhäufigkeiten gefunden[4] :
- Peritonitis (93.7%)
- Fieber (92.5%)
- Arthritis (47.4%)
- Pleuritis (31.2%)
- Myalgie (39.6%)
- Erysipel-ähnliche Erytheme (20.9%)
Die genetische Analyse ergab folgenden folgenden Mutationshäufigkeiten :
- M694V (51.4%)
- M680I (14.4%)
- V726A (8.6%)
Unter den Befunden fanden sich :
- Amyloidose (12,9%)
- Polyarteritis nodosa (0.9%)
- Schoenlein-Henoch-Purpura (2.7%)
- Pericarditis (1.4%)
[bearbeiten] Differentialdiagnosen
Porphyrie, Appendizitis, Cholezystitis, akutes Abdomen (daher häufig notfallmäßige Laparotomien in der Anamnese).
hereditäre periodische Fieberzustände [5].
Mehr siehe unter Bauchschmerzen.
[bearbeiten] Diagnostik
Ausschluß anderer Ursachen. Gentest (z.B. im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Bernhard-Nocht-Str. 74, 20359 Hamburg), Untersuchungen auf Serum-Amyloid.
[bearbeiten] Therapie
Colchicin zur Behandlung der klinischen Symptomatik und zur Amyloidoseprophylaxe. Ein unzureichender Therapieerfolg ist möglicherweise teilweise auf schlechte Compliance zurückzuführen. Die meisten Patienten mit schwererem Verlauf wurden in sozial schwächeren Schichten mit geringerer Bildung gefunden.
Nonresponder haben zudem möglicherweise einen Defekt im Colchizin-Metabolismus. [6]. Nonresponder können u. U. durch intravenöse Colchizin-Applikation erfolgreich behandelt werden [7].
Dialyse bei fortgeschrittener renaler Amyloidose [8].
[bearbeiten] Verweise
[bearbeiten] Literatur
- Dt Ärztebl 1999; 96: A-1418-1421 (Heft 21)
- Touitou I, Notarnicola C, Grandemange S. Identifying mutations in autoinflammatory diseases: towards novel genetic tests and therapies? Am J Pharmacogenomics. 2004; 4: 109-18.
- McDermott MF, Aksentijevich I. The autoinflammatory syndromes. Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2002; 2: 511-6
[bearbeiten] Fußnoten
- ↑ J Exp Med. 2004; 200: 551-8
- ↑ Clin Exp Rheumatol. 2003; 21: S35-7; Scand J Rheumatol. 2005; 34: 56-8
- ↑ Hematology (Am Soc Hematol Educ Program). 2005;:74-81
- ↑ Medicine (Baltimore). 2005; 84: 1-11
- ↑ Hematology (Am Soc Hematol Educ Program). 2005;:74-81
- ↑ Lidar M, Scherrmann JM, Shinar Y et al. Colchicine nonresponsiveness in familial Mediterranean fever: clinical, genetic, pharmacokinetic, and socioeconomic characterization. Semin Arthritis Rheum. 2004; 33: 273-82
- ↑ J Rheumatol. 2003; 30: 2620-3
- ↑ Kidney Int. 2004; 65: 1118-27




