Diabetes mellitus - einfach erklärt
Menschen, die an Diabetes leiden, sollten sich intensiv mit der Krankheit und seiner Behandlung auseinander setzen, da sie selbst entscheidend dazu beitragen können, dass die gefährlichen Komplikationen (wie Unterzuckerung und Zuckerkoma) und Spätschäden (wie Nierenschäden, Sehminderung und Schäden der Nerven und Blutgefäße) vermieden werden. Die Anstrengungen lohnen! Viele Diabetiker können heute ein gesundes Leben führen.
[bearbeiten] Was Diabetes mellitus ist
Häufiger Rechtschreibfehler: Diabetis.
Diabetes mellitus bedeutet Zuckerdurchfluss, da der Urin nicht behandelter Diabeteskranker süß schmeckt (in früheren Zeiten wurde zur Diagnosestellung eine Geschmacksprobe genommen). Es handelt sich um eine Störung des Zuckerstoffwechsels, bei der die Zellen des Körpers den im Blut transportierten Traubenzucker (Glukose) nicht ausreichend aufnehmen können. Er steht damit den Zellen als Energiequelle nicht bedarfsgerecht zur Verfügung.
[bearbeiten] Welche Typen des Diabetes es gibt
[bearbeiten] Typ-1-Diabetes
Bei diesem Typ liegt die Ursache in einer Störung der Bildung von Insulin, dem Hormon der Bauchspeicheldrüse, welches den Zuckerstoffwechsel reguliert. Die für die Insulinbildung zuständigen Inselzellen werden vom Körper allmählich selbst zerstört (Autoimmunkrankheit). Zunächst macht sich das nur in Situationen eines hohen Bedarfs z. B. nach Mahlzeiten bemerkbar, später reicht die Insulinproduktion auch nicht mehr für die Basisversorgung des Körpers aus. Die ersten Symptome sind dann Schwindel, Benommenheit oder Konzentrationsschwäche. Der Körper wehrt sich, indem er Traubenzucker aus seinen Reserven zu mobilisieren versucht, was er unter anderem durch Hormone wie Adrenalin zustande zu bringen versucht. In dieser Phase der noch leichten Unterzuckerung verspürt der Betroffene meist Zittrigkeit, Herzklopfen und Unruhe. Später tritt ein Schock durch Unterzuckerung auf. Solch ein Unterzuckerungsschock kann erstes Symptom sein und zur Erkennung des Typ-1-Diabetes führen. Patienten mit Typ-1-Diabetes sind in der Regel nicht übergewichtig sondern normal- oder gar untergewichtig. In der Anfangsphase fällt manchmal eine Gewichtsabnahme auf, die auf Einschmelzung von Körperfett zurückzuführen ist.
[bearbeiten] Typ-2-Diabetes
Bei diesem – häufigeren – Typ besteht eine genetische Vorbedingung. Meist findet sich in der Blutsverwandtschaft ebenfalls ein Typ-2-Diabetiker. Patienten, die an diesem Typ leiden, sind in der Regel bereits erwachsen und mehr oder weniger stark übergewichtig. Die Zuckerkrankheit zeigt sich – wenn sie nicht zuvor schon durch den Arzt durch Blut- und Urinuntersuchungen festgestellt wurde – durch eine Harnflut. Wenn ein Mensch immer mehr Urin verliert und immer mehr Durst bekommt, dann muss unbedingt an einen Typ-2-Diabetes gedacht werden. Der Arzt denkt bereits bei Übergewicht an diese Möglichkeit, besonders wenn ihm andere Familienmitglieder mit Diabetes bekannt sind. Beim diesem Typ liegt nicht eine Störung der Insulinbildung, sondern eine Störung der Insulinwirkung vor. Die Körperzellen reagieren auf Insulin nicht mehr in der natürlichen Weise mit der Aufnahme und Verwertung von Glukose, das sie dringend für ihre Funktionen benötigen. Um ihnen dennoch Glukose zukommen lassen zu können, wird immer mehr Insulin produziert. Das geht eine Weile gut, bis sich jedoch irgendwann die Fähigkeit der Inselzellen, Insulin zu bilden, erschöpft. Das heißt, dass der Patient mit Typ-2-Diabetes in der Anfangsphase durch eine gegenregulatorisch erhöhte Insulinproduktion noch normale Blutzuckerwerte hin bekommt, später jedoch zunehmend auf von außen zugeführtes Insulin angewiesen ist. Er wird im Spätstadium insulinpflichtig.
[bearbeiten] Welche Folgen der Diabetes haben kann
Hohe Blutzuckerspiegel haben erhebliche Konsequenzen. Selbst kurzzeitige Blutzuckerspitzen nach Mahlzeiten, die etwas höher als bei Normalpersonen ausfallen, können schon zu ersten Veränderungen im Körper führen. Man weiß heute, dass sie beim Typ-2-Diabetes bis zu 10-15 Jahre vor der Erkennung der Krankheit beginnen können.
[bearbeiten] Verengung kleinster Blutgefäße
Die Folgen eines lang dauernd erhöhten Blutzuckers betreffen in erster Linie die kleinen Blutgefäße praktisch des gesamten Körpers (diabetische Mikroangiopathie). Die kleinen Blutgefäße werden enger, der Widerstand für den Blutfluss steigt. Die Folgen sind je nach betroffenem Organ oder Stromgebiet unterschiedlich. Wichtige Beispiele sind:
- Das Herz: die Durchblutung der Herzmuskulatur nimmt ab, die Belastungsgrenze sinkt, es kommt zur Herzinsuffizienz.
- Die Nieren: es kommt zu Undichtigkeiten der Blutgefäße der Nierenkörperchen, die das Blut filtern. Es kann zu einem Eiweißverlust mit dem Urin kommen, der zu Eiweißmangel im Blut führen kann. Zudem kann die Nierendurchblutung in der Weise sinken, dass die Filtrierfunktion nicht mehr ausreicht, was zu einer Niereninsuffizienz führt (diabetische Nephropathie). Eine mangelhafte Durchblutung der Nieren hat zudem die Folge einer Gegenregulation durch den Körper, der die Durchblutung so lange wie möglich in ausreichendem Maß aufrechterhalten will. Dies versucht er durch Erhöhung des Blutdrucks zu erreichen. Patienten mit Diabetes Typ 2 bekommen daher oft einen Bluthochdruck (Hypertonie).
- Die Füße: Die Durchblutung auch der Füße nimmt ab. Wenn an ihnen eine kleine Verletzung auftritt, so heilt sie nicht mehr so gut. Es können sogar große offene Geschwüre auftreten, die sich infizieren und einen lebensgefährlichen Infektionsherd für den gesamten Körper darstellen können. Da dies so wichtig ist, wurde dies mit dem Begriff „diabetisches Fußsyndrom“ belegt. Füße müssen bei Diabeteskranken besonders gepflegt werden.
- Die Nerven: Die Nerven werden von kleinsten Äderchen mit Blut versorgt. Sinkt die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung durch Verengung im Rahmen des Diabetes, so kommt es zu Störungen der Nervenfunktionen: der Patient empfindet Schmerzen oder Ameisenlaufen, manchmal auch nur eine gewisse Taubheit, so dass er kleine Verletzungen nicht spürt. Die „diabetische Neuropathie“ trägt zu nicht unwesentlichem Teil auch zum diabetischen Fußsyndrom bei.
- Das Auge: Die Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen des Körpers können am Auge direkt durch Spiegelung beobachtet werden. Es entwickelt sich eine „diabetische Retinopathie“, bei der die Sehschärfe dramatisch abnehmen und die zur Erblindung führen kann.
[bearbeiten] Verengung großer Blutgefäße
Die mittleren und großen Arterien des Körpers sind beim Diabetiker für eine Arteriosklerose anfällig (diabetische Makroangiopathie), besonders wenn der Blutdruck erhöht und der Fettstoffwechsel gestört ist. Beides findet sich beim Diabetes mellitus Typ 2 sehr häufig. Die Arteriosklerose führt zu Verengungen (Stenosen) und lokalen Gerinnseln (Thromben), was schwerwiegende Folgen für die Stromgebiete der betroffenen Gefäße hat. Wichtige Beispiele sind:
- Das Herz: Eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße mit Verengungen führt zu Herzschmerzen (Angina pectoris) und erhöht das Risiko eines Herzinfarkts.
- Das Gehirn: Die Schlagadern, die zum Gehirn führen, können gefährliche arteriosklerotische Verengungen entwickeln, die das Risiko für einen Schlaganfall steigern.
- Die Beine: Verengungen der Beinarterien führen zu Schmerzen beim Laufen. Das ständige Stehenbleibenmüssen wird als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Die Verschlechterung der Blutversorgung der Füße trägt zum diabetischen Fußsyndrom bei. Es können sich Geschwüre bilden, die schlecht heilen.
- Die Nieren: Eine Verengung der Nierenarterien führt zu einer verminderten Nierendurchblutung. Der Körper versucht die Engen durch Erhöhung des Blutdrucks zu überwinden; so erklärt sich die Entstehung einer Hypertonie.
[bearbeiten] Schädigung des Gehirns
Patienten mit einem metabolischen Syndrom (Übergewicht, erhöhter Blutdruck, Fettstoffwechselstörung) und einer Zuckerkrankheit haben häufiger als normal einen Leistungsabfall des Gehirns bis hin zur Entwicklung einer Demenz und einer Alzheimer-Krankheit (siehe auch unter Altern). Oft wird der Beginn nicht rechtzeitig erkannt. Wichtig ist es gerade auch aus diesem Grunde konsequent das Gewicht zu reduzieren (siehe auch unter Ernährung bei Adipositas und Gewichtsreduktion durch Operation): dies bessert den Zuckerstoffwechsel, normalisiert die körpereigene Insulinproduktion und reduziert wahrscheinlich das Demenzrisiko.
[bearbeiten] Wie man Diabetes und seine Folgen erkennt
Um Spätschaden möglichst zu vermeiden, ist es erforderlich, eine gestörte Fähigkeit, Blutzucker in den Körperzellen zu verwerten, (gestörte Glukosetoleranz) so frühzeitig wie möglich zu erkennen. Denn schon zu hohe Blutzuckerwerte nach Mahlzeiten, die man bei der Messung des Nüchternblutzuckers nicht erfasst, können schon zu Folgeschäden führen! Der behandelnde Arzt wird einen Glukosebelastungstest durchführen (Zuckertrunk, anschließend Blutzuckermessungen über längere Zeit), dessen Ergebnis die weitere Behandlung beeinflussen wird. Insbesondere heißt es im Fall eines krankhaften Ergebnisses, die Lebensführung drastisch umzustellen (Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung, Gewichtsabnahme).
Ist die Zuckerkrankheit erst einmal offenbar (manifest) geworden, muss der Blutzucker ständig kontrolliert werden. Der Grenzwert für Nüchtern-Plasma-Glukose von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) (entspricht im kapillären Vollblut 110 mg/dl (6,1 mmol/l)) sollte nicht überschritten werden.
Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c sollte alle 2 Monate gemessen werden. Er gibt im Groben an, wie die Werte in diesem Zeitraum im Mittel gelegen haben. Angestrebt werden Werte unter 6%, zufrieden kann man oft schon mit Werten unter 6,5 sein. Je höher sie liegen, desto schlechter war der Blutzucker eingestellt, umso intensiver muss nachreguliert werden.
Zur Diagnostik gehören Untersuchungen der Blutgefäße (Arteriosklerose?), der Nieren (Nierenfunktionsstörung?), der Augen (Netzhautveränderungen: diabetische Neuropathie?), der Beine (Durchblutungsstörungen, diabetisches Fußsyndrom?), der Nerven (Gefühlsstörungen?), des Herzens (Koronarsklerose?) (siehe auch unter Diabetes mellitus Folgeschäden)
[bearbeiten] Wie der Diabetes behandelt wird
Die Behandlung der Zuckerkrankheit seht auf mehreren Füßen.
Beim Typ-1-Diabetes steht die Insulinbehandlung ganz im Vordergrund.
Beim Typ-2-Diabetes sind je nach Entwicklungsphase der Erkrankung unterschiedlich Maßnahmen angezeigt.
- Lebensstil: vermehrte Bewegung, Diätberatung und diätetische Kontrolle, Gewichtsabnahme, keine zusätzliche Risikofaktoren für eine Arteriosklerose (kein Nikotin!) oder eine Leberverfettung (Reduktion des Alkoholkonsums, u. U. Alkoholverbot).
- Medikamente: es gibt eine Reihe von Medikamenten in Tablettenform, die zur Senkung des Blutzuckers eingesetzt werden (orale Antidiabetika), wie beispielsweise Biguanide und Sulfonylharnstoffe. Sie müssen individuell ausgesucht und nach Erfolg dosiert werden. Kontrollwerte sind der Urinzucker, der Blutzucker und das HbA1c (Langzeitparameter, soll < 6,5 liegen). Moderne Blutzucher-senkende Medikamente ohne Risiko einer Unterzuckerung sind die DPP-4-Hemmer und die Inkretin-Mimetika, die zudem noch eine Gewichtsabnahme fördern. Insbesondere wird Inkretin-Mimetika (wie Liraglutid) eine hohe Erwartung entgegengebracht.
- Insulin: Je nach Bedarf wird Insulin alleine (Diabetes Typ 1, Endstadium des Diabetes Typ 2) oder in Kombination mit oralen Antidiabetika verwendet. Gefahr ist immer die Unterzuckerung. Es wird eine basale Insulinrate individuell festgelegt (in frühen Stadien kann auf sie auch verzichtet werden) und zu Mahlzeiten werden die Blutzuckerspitzen abgedeckt. Es stehen verschiedene Insulinarten (Langzeitinsulin, Kurzzeitinsulin, „Sportlerinsulin“) zur Verfügung und die Applikation ist auch sehr variabel (unter die Haut, in die Vene, als Dauerinfusion mit Insulinpumpe). Andere Applikationsarten (Nasenspray, Inhalationsinsulin) sind noch unausgereift. Auch wenn viele Patienten ihre Behandlung selbst in die Hand nehmen, muss dennoch ein diabetologisch erfahrener Arzt immer wieder kontrollieren.
Bei guter Zusammenarbeit zwischen Patient, Arzt und in Diabetologie geschulter Diätberaterin kann in in vielen Fällen ein gesundes Leben und eine Annäherung an die normale Lebenserwartung erzielt werden.
[bearbeiten] Was noch wichtig ist
- Diabetes mellitus Therapiegrundlagen
- Diabetes: Folgeschäden und Begleiterkrankungen
- Grundlagen der Ernährung
- Herzinfarkt - einfach erklärt
- Bluthochdruck - einfach erklärt




