Burn-out-Syndrom

Das Burn-out-Syndrom ist ein psychosoziales Syndrom, bei dem das Gefühl der emotionalen Erschöpfung und der Depersonalisierung mit einem Abfall der Leistungsfähigkeit zusammentrifft. Die emotionale Erschöpfung führt zum Gefühl des Unbeteiligtseins, die Depersonalisierung zu Schuldzuweisungen eigener Fehler und Schwächen an andere. So wird gelegentlich das Burn-out-Syndrom als - relativ unwirksame - Strategie gesehen, mit der sich Menschen in ihrer Fachdisziplin vor arbeitsbedingtem Stress zu schützen versuchen.

Beim Burn-out-Syndrom handelt es sich um das Resultat eines chronischen arbeitsbedingten Stresses, wobei meist landläufig der abgekämpfte Typ mit tiefgreifenden Auswirkungen einer andauernden psychischen Überforderung auf das seelische und körperliche Befinden gemeint wird.

Typischerweise hält der Erschöpfungszustand des Burn-out-Syndroms über Wochen und Monate an; kurzzeitige Phasen, die sich innerhalb einer kurzen Zeit der Erholung zurückbilden, fallen nicht unter den Begriff.



Inhaltsverzeichnis

Drei Subtypen

Es werden nach Farber [1] [2] entsprechend der individuellen Reaktionsbereitschaft auf Stress und Frustration bei der Arbeit drei Subtypen unterschieden,

  • der hektische (frenetic), der als Reaktion noch mehr arbeitet,
  • der unterforderte (underchallenged), der monotone Arbeit bewältigen muss, und
  • der abgekämpfte (worn-out), der gleich aufgibt [3] [4].

Burn-out-Typen nach Farber

Der Hektische Der Unterforderte Der Abgekämpfte
"Those who in response to frustration work increasingly harder". "Those who perform their work perfunctorily, having lost interest in work they now find unchallenging" "Those who in response to frustration give up entirely"
Stürzt sich in Arbeit Ist bei der Erledigung von Aufgaben oberflächlich und gleichgültig Vernachlässigt Aufgaben
Ist ehrgeizig Entwickelt sich nicht weiter Verliert die Kontrolle über die Resultate
Kann keine Fehler tolerieren Denkt an Berufswechsel Sieht beim Entgelt Probleme
Vernachlässigt eigene Bedürfnisse Ist langweilig und eintönig Hat Schwierigkeiten, Aufgaben durchzuführen
Ist ängstlich, reizbar Kennt keinen Überlastungsstress Neigt zu Depressionen


Phasen des Burn-out-Syndroms

Das Burn-out-Syndrom verläuft je nach Typ (s.o.) unterschiedlich ab [5]. Für den arbeitsamen, akribisch Arbeitenden kann dies folgendermaßen aussehen:

Die dem Burn-out-Syndrom vorausgehende Phase hoher Anspannung wird je nach Nervenkostüm mehr oder weniger lang als positiver Stress empfunden, der jedoch dann in negativen Stress umschlägt; das Burn-out-Syndrom steht am Ende.

  • Die erste Phase des bewältigbaren Stresses beinhaltet eine adrenerge Reaktion und ist noch mit dem Gefühl der Bewältigbarkeit und einer insgesamt positiven Einstellung verbunden.
  • Die zweite Phase des negativen Stresses folgt bei zu langer erster Phase, wenn keine Erholung folgt. Sie ist durch zunehmend negative Gedanken, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit oder Wut und abnehmenden Durchhaltewillen gekennzeichnet.
  • Die dritte Phase, das Burn-out-Syndrom, ist gekennzeichnet durch Angstreaktionen, die Unfähigkeit einen klaren Gedanken zu fassen, eine Lösung zu suchen und Aktivitäten für eine Regeneration zu planen. Es kommt eine lähmende depressive Stimmung auf. Oft finden sich eine mimische Einschränkung, eine ziellose Unruhe und psychosomatisch Beschwerden wie Übelkeit, Brechreiz, Kopfschmerzen oder Schweißausbrüche. Manche reaktive Depression ist als Burn-out-Syndrom aufzufassen. Auch werden das chronische Müdigkeitssyndrom (chronic fatigue syndrome (CFS)) trotz ihrer unterschiedlichen Entstehung (das Burn-out-Syndrom als Überlastung, das CFS aus medizinischer Ursache) als verwandt angesehen [6].

Die zweite und dritte Phase werden heute oft noch differenzierter eingeteilt: von „verstärkte Anstrengungen im Beruf bei gleichzeitiger Erschöpfung“ über „depressive Stimmung“, „verminderte Leistungsfähigkeit im Beruf, mangelhafte Organisation der Arbeit“, „psychosomatische Beschwerden“ bis hin zur „Depression mit Existenzangst und Suizidgedanken“.

Ursachen

Prinzipiell lassen sich Belastungsfaktoren, die von außen einströmen, von inneren Faktoren der psychischen Stabilität oder Labilität unterscheiden.

Zu den äußeren Faktoren zählen vor allem solche des Arbeitsbereichs: mangelnder Erfolg, mangelnde Anerkennung, mangelnde Aufstiegschancen, Mobbing, Arbeitsüberlastung, Diskrepanz zwischen Anforderung einerseits und Erfahrung bzw. Wissen und Können andererseits, etc. Auch Faktoren aus dem persönlichen Umfeld sozialer Kontakte können erheblich belasten: mangelnde Zuwendung oder Anerkennung, Enttäuschungen, Unvereinbarkeiten von Wünschen, Zielen, Anschauungen etc. Berufe, die häufiger zum Burn-out führen, sind solche mit viel intensivem und verantwortungsvollem Umgang mit Menschen (z. B. Lehrer, Ärzte, Polizisten). Prüfungsphasen sind besonders praedisponierend.

Zu den inneren Faktoren der Persönlichkeit zählen mangelnde allgemeine emotionale und körperliche Belastbarkeit und Stresstoleranz, eingeschränkter Realitätssinn, mangelhafte Fähigkeit zur richtigen Selbsteinschätzung und zur sozialen Kontaktpflege, falsche Identifikationen und Rollenübenahmen etc. Von Bedeutung kann sein, dass sich langsam entwickelnde chronische innere Krankheiten zur Entwicklung eines Burn-out beitragen können: sie können die Leistungsfähigkeit und die Stresstoleranz in der Weise einschränken, dass eine allmähliche Überforderung eintritt.



Burn-out in Gesundheitsberufen

Ärztliches und pflegerisches Personal, das in besonders enger und langer psychischer Bindung zu ihren Patienten steht, ist besonderem Stress ausgesetzt. Dies trifft beispielsweise zu auf diejenigen, die onkologische oder sterbende Menschen betreuen [7]. Gerade in der Palliativmedizin ist daher eine externe Supervision mit regelmäßigen Aussprachen außerordentlich hilfreich für den Abbau bzw. die Bewältigung der Stressbelastung. Auch in Dialyseteams [8] und bei Anästhesisten treten oft übermäßige psychische Belastungen auf. Über die Hälfte der leitenden Anäthesisten einer Studie in den USA hatten ein hohes Burn-out-Risiko [9].

Das Burn-out-Syndrom ist Ursache für eine erhöhte Fehlerhäufigkeit. Eine Befragung unter Assistenzärzten in den Niederlanden ergab, dass 95% einen Fehler ohne negativen Auswirkungen für den Patienten gemacht hatten, 71%, dass sie sich für ihre Aufgaben nicht ausreichend trainiert / eingeübt fühlten, 56%, dass sie Fehler mit negativen Auswirkungen für den Patienten gemacht hatten, 76%, dass sie in ihrer Arbeit am Patienten nachlässig gewesen waren. Assistenzärzte mit einem Burn-out-Syndrom berichteten von statistisch deutlich mehr Fehlern als engagierte Kollegen [10]. Einer Prophylaxe kommt daher in Berufen mit hohem Burn-out-Risiko eine große Bedeutung zu.

Burn-out als Risiko für Krankheiten

Während das Burn-out-Syndrom ein Phänomen einer pathologischen Bewältigung von Anforderungen in der Arbeitswelt und keine eigene Krankheit darstellt, so kann es doch für Krankheiten prädisponieren. Depression und Angsterkrankungen sind als Folgen nicht selten, und es kann zu Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit, Verspannungen, Fibromyalgie, Tinnitus und Kopfschmerzen kommen.

Therapie

Zunächst sollten eventuell vorliegende prädisponierende Krankheiten, die zu einem Leistungsabfall und damit zu einem Überlastungssyndrom führen können, erkannt und gegebenenfalls behandelt werden.

Die Behandlung des Burn-out-Syndroms setzt eine genaue Typen- und Ursachenanalyse zur voraus; denn sowohl die inneren Verarbeitungsmöglichkeiten als auch die äußeren Stressfaktoren müssen hinsichtlich der Bewältigungsstrategien berücksichtigt werden.

Stressbewältigung: zentraler Therapieansatz

Zentral bei der Behandlung ist die Erlernung von Verhaltensweisen, die die Stressbewältigung fördern. Unter Umständen sind auch tiefe Einsichten und Eingriffe in das Lebensbild oder die Lebensanschauungen des / der Betroffenen sinnvoll. Je nach Konstellation ist immer auch ein Wechsel der Umgebung oder bestimmter Sozialkontakte in die Therapiestrategie einzubeziehen. Gegebenenfalls kann eine psychologische oder psychiatrische Begleitung erforderlich sein, um die fehlende Konzentrationsfähigkeit und Initiative und die Interesselosigkeit zu überwinden.

Eine medikamentöse Hilfe ist gelegentlich begleitend erforderlich, speziell wenn die lähmend-depressive Komponente überhand nimmt.

Verweise

Literatur

  1. Psychotherapy in Private Practice. 1990;8:35–44
  2. Psychotherapy in Practice. 2000;56:589–594
  3. BMC Public Health. 2010 Jun 2;10:302
  4. J Occup Med Toxicol. 2009 Nov 30;4:31
  5. J Occup Med Toxicol. 2009; 4: 31
  6. Psychol Health. 2010 Apr 29:1-16
  7. Eur J Cancer. 2010 Oct;46(15):2708-15
  8. J Nephrol. 2008 Mar-Apr;21 Suppl 13:S158-62
  9. Anesthesiology. 2011 Jan;114(1):194-204
  10. Psychol Health Med. 2009 Dec;14(6):654-66






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Diese Seite wurde zuletzt am 21. April 2012 um 11:01 Uhr geändert.