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Bariatrische Chirurgie

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Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Definition

Gewichtsreduktion durch Operation [1][2][3].

[bearbeiten] Indikation

Eine Operation zur Gewichtsreduktion kommt in Frage, wenn der BMI    > 35 ist und Folgekrankheiten der Adipositas (Diabetes mellitus Typ 2, Arthrose und degenerative Wirbelsäulenkrankheit, Hypertonie, Schlafapnoe-Syndrom) vorliegen, und wenn nichtoperative Maßnahmen (Diät, vermehrte körperliche Aktivität) keinen Erfolg zeigen. Ab einem BMI    von 40 kann die Operation auch ohne Adipositas-bedingte Begleitkrankheiten in Frage kommen.

[bearbeiten] Prinzipien

  • Restriktive Verfahren: sie wirken über eine Kapazitätsreduktion des Magens und führen zu früher Sättigung.
  • Malabsorptive Verfahren: sie wirken über eine Reduktion der Dünndarmlänge und damit eine Beeinträchtigung der Verdauung und Resorption von Nahrung. Mögliche Nebenwirkung breiiger, fettiger Stuhl, Blähungen, übel riechende Winde. Auf Mangelernährung (Vitamine, Eisen, Kalzium, sonstige Spurenelemente) muss untersucht und auf Ausgleich geachtet werden.

[bearbeiten] Einzelne operative Verfahren

  • Steuerbares Magenband (gastric banding): der obere Magenanteil (Fundus und Cardia) werden durch eine künstliche Enge vom übrigen Magen getrennt. Nahrung bleibt zunächst dort liegen und führt durch Dehnung zur Abnahme des Hungegefühls. Das Magenband kann in seiner Weite durch Injektion von Flüssigkeit in eine Portkammer adjustiert werden. Mortalitätsrisiko nahe 0%. Gewichtsreduktion erwartbar bis 60%. Komplikationsrisiko: Einwanderung des Magenbandes in den Magen.
  • Magen-Bypass: Teilung des Magens in einen oberen Pouch, der getrennt vom Restmagen in eine Dünndarmschlinge abgeleitet wird. Es entsteht schon bei geringer Nahrungsaufnahme ein Sättigungsgefühl und zudem wird durch Beeinträchtigung der gastralen Verdauung und Verkürzung der Dünndarmpassage eine geringe Malabsorption bewirkt. Mortalitätsrisiko unter 1%. Gewichtsreduktion erwartbar bis >60%. Nebenwirkung Dumping-Syndrom und häufiges Aufstoßen möglich. Die Gewichtsabnahme bei einem Roux-Y-Magenbypass ist stärker ausgeprägt als beim gastric banding [4]. Beim Roux-Y-Magenbypass wurden auch schwerere Komplikationen wie Lungenembolie, intestinale Obstruktion (Ileus) oder Blutung berichtet [5]. Allerdings wird die Rate der Reoperationen als gering und die Patientenzufriedenheit als recht hoch beschrieben [6].
  • Biliopankreatische Diversion: Der Dünndarm, der für Verdauung und Resorption mit Hilfe der Pankreasenzyme zur Verfügung steht, wird auf 50 – 100 cm verkürzt. Mortalitätsrisiko bis 2%. Gewichtsreduktion über reine Malabsorption erwartbar bis >70%.
  • Magenresektion („Schlauchmagen“): irreversible Entfernung von ca. 90% des Magens. Mortalitätsrisiko bis 2%. Gewichtsreduktion erwartbar bis >70%. Nebenwirkung Dumping-Syndrom möglich.

Welche Operationsmethode angewendet werden soll, bleibt der Erfahrung des Chirurgen und dem Gespräch mit dem Patienten überlassen. Nebenwirkungen und Langzeitfolgen müssen bedacht werden.

Nach Operationen zur Gewichtsreduktion ist eine Enzephalopathie durch Thiaminmangel (Wernicke-Enzephalopathie) eine seltene, aber beachtenswerte Komplikation [7][8][9][10]

[bearbeiten] Gesamtkonzept

Eine Gewichtsreduktion durch bariatrische chirurgische Maßnahmen sollte gut vorbereitet werden. Dazu gehört

  • eine internistische Voruntersuchung auf:
  • eine diätetische Einstellung und Überprüfung der Compliance,
  • eine psychologische Mitbetreuung,
  • ggf. eine Vorphase durch Einsatz eines Magenballons (für maximal ½ Jahr), die zur ersten Gewichtsabnahme und Einübung einer neuen Lebensweise mit gesunder Ernährung inklusive Kalorienreduktion, vermehrter körperlicher Bewegung und wenn möglich Abstellung eventueller "Laster" wie Rauchen und Alkoholgenuss genutzt werden sollte.

[bearbeiten] Erwartbare Erfolge [11][12]

  • Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage, ggf. Verschwinden des manifesten Diabetes mellitus (in etwas ¾ der Fälle).
  • Verbesserung oder Verschwinden des Hypertonus (in ¾ der Fälle!), Reduktion antihypertensiver Medikamente.
  • Reduktion der Mortalität in den nächsten 10 Jahren um fast 25%.
  • Verbesserung der Dyslipidämie.
  • Verbesserung der Schlafapnoe.

[bearbeiten] Komplikationen

Insgesamt werden die Risiken einer Operation als der Schwere der Erkrankungen durch Adipositas adäquat angesehen. Jede Methode hat ihre eigenen Risiken (siehe oben).

In der Phase der postoperativen Gewichtsabnahme steigt das Gallensteinrisiko erheblich an (bis über 70%) [13]. Ursodesoxycholsäure wirkt vorbeugend [14].

Es muss darauf geachtet werden, dass in der Folge einer bariatrischen Operation kein Mangel an Protein, Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Kalzium und Vitamin D auftreten [15]. Mangelerscheinungen können sich vielfältig auswirken, u. a. in einer Anämie und in einer Osteoporose.

[bearbeiten] Verweise

[bearbeiten] Literatur

  1. Ann Intern Med. 2005 Apr 5;142(7):547-59 Meta-analysis: surgical treatment of obesity.
  2. Laparoscopic Roux-en-Y gastric bypass versus laparoscopic vertical banded gastroplasty: results of a 2-year follow-up study. Surg Endosc. 2007 Apr;21(4):659-64.
  3. A prospective comparison of vertical banded gastroplasty and Roux-en-Y gastric bypass in a non-superobese population. Obes Surg. 2006 Feb;16(2):151-8
  4. Am J Med. 2009 May;122(5):435-42
  5. Ann Surg. 2008 Nov;248(5):763-76
  6. Am J Med. 2008 Oct;121(10):885-93
  7. Rev Neurol (Paris). 2008 May;164(5):463-7
  8. Am J Gastroenterol. 2008 Jun;103(6):1575-7
  9. Semin Ophthalmol. 2007 Jan-Mar;22(1):13-9
  10. J Emerg Med. 2009 Apr 28
  11. N Engl J Med. 2006 Aug 24;355(8):763-78 Overweight, obesity, and mortality in a large prospective cohort of persons 50 to 71 years old.
  12. Surg Obes Relat Dis. 2008 May-Jun;4(3 Suppl):S47-55
  13. J Surg Res. 2002 Jan;102(1):50-6
  14. Obes Surg. 2008 Dec;18(12):1532-8
  15. Gastroenterol Clin North Am. 2010 Mar;39(1):135-146









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  Diese Seite wurde zuletzt am 24. Juli 2010 um 10:08 Uhr geändert.  


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