Anämie - einfach erklärt
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[bearbeiten] Was Anämie ist
Anämie bedeutet Blutarmut oder Blutmangel. Normalerweise hat der Mensch im Blut einen Gehalt des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) bei Männern von 14 – 18 g und bei Frauen von 12-16 g pro 100 Milliliter. Wenn der Hämoglobinwert (Hb -Wert) unter dem unteren Grenzwert liegt, wird von Anämie gesprochen.
[bearbeiten] Welche Ursachen infrage kommen
Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) mit dem in ihnen enthaltenen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) dienen dem Sauerstofftransport im Körper. Sie haben eine nur begrenzte Lebenszeit. Nach durchschnittlich 100 Tagen gehen sie zugrunde und werden aus dem Blut entfernt. Die Nachproduktion geschieht im Knochenmark. Sie ist gerade so austariert, dass der Verlust kompensiert wird. Bei besonders hohem Bedarf an Sauerstoff werden mehr rote Blutkörperchen gebildet als normal, so beispielsweise in großer Höhe (deshalb Höhentraining von Sportlern) oder bei bestimmten Nierenerkrankungen, bei denen die Durchblutung gestört ist. Die Substanz, mit der die Nieren die Blutbildung anregen, ist das Erythropoetin. Es wird zur Behandlung von Anämieformen eingesetzt (und für Doping missbraucht).
Zu einem Mangel an roten Blutkörperchen und an Hämoglobin kann es prinzipiell aus 3 Gründen kommen:
- Blut geht dem Körper verloren und die normale Nachbildung kommt nicht hinterher. Typische Beispiele sind Blutungen nach Verletzungen und bei Frauen durch starke Regelblutungen. Eine Möglichkeit, Blut zu verlieren ohne dass es bemerkt wird, ist die verborgene Blutung im Magen-Darm-Bereich (okkulte Blutung). Dies ist bei Darmkrebs manchmal der Fall, so dass zur Darmkrebsfrüherkennung nach verborgenem Blut im Stuhl gesucht wird.
- Blutkörperchen leben kürzer als normal und werden vom Körper abgebaut. Der vermehrte Abbau mit verkürzter Lebenszeit wird als „Hämolyse“ bezeichnet. Ursachen können beispielsweise mechanische Herzklappen oder ein Selbstangriff des Körpers auf die eigenen Eryhrozyten sein (Autoimmunhämolyse).
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Blut wird nicht genügend nachgebildet. Dies kann wieder mehrere Gründe haben:
- Die zur Blutbildung notwendige Nahrungsbestandteile, wie Eisen oder Vitamin B12, mangeln.
- Eisenmangel selbst kommt wieder durch Blutungen zustande. So ist die Blutungsanämie in der Regel eine Eisenmangelanämie. Ein Eisenmangel kann aber auch durch eine Störung der Eisenaufnahme im Dünndarm zustande kommen. Dies ist häufig das führende Symptom bei einer Sprue (Coeliakie). Auch Vegetarier können in einen Eisenmangel hineingeraten.
- Vitamin B12 kann bei einseitiger Kost mangeln, was aber extrem selten ist. Viel häufiger ist ein Vitamin B12-Mangel durch eine bestimmte Magenschleimhautentzündung (Typ A-Gastritis), die chronisch im obersten Magenteil abläuft. Sie wird durch Selbstangriff des körpereigenen Immunsystems auf die dort vorherrschende Magenschleimhaut unterhalten (Autoimmunkrankheit).
- Das Knochenmark ist krank und hat nicht mehr die Kapazität für eine ausreichende Neubildung von Blut. Zu solchen Knochenmarkkrankheiten gehören das MDS (Abkürzung für myelodysplastisches Syndrom, das eine Vorstufe von Knochenmarkkrebs sein kann), Blutkrebs oder eine Verdrängung der blutbildenden Zellen durch andere Krebszellen.
- Die zur Blutbildung notwendige Nahrungsbestandteile, wie Eisen oder Vitamin B12, mangeln.
[bearbeiten] Wie eine Anämie erkannt wird
Blässe kann ein erstes Zeichen sein, aber man kann auch alleine vor Schreck blass (ohne Anämie) werden. Daher ist die Blässe der Schleimhäute (z. B. an der Innenseite des Unterlids) aussagekräftiger als die Blässe der Haut. Der zeitliche Zusammenhang von zunehmender Leistungsschwäche und Atemnot bei Belastung mit zunehmender Blässe lässt immer an eine Anämie denken.
Am sichersten sind Laboruntersuchungen. Sie lassen auch schon erste Hinweise auf die Ursache erkennen. Daher wird neben dem Blutbild oft Folgendes mitbestimmt:
- die Retikulozyten: sie sind die ganz jungen Erythrozyten und geben einen Hinweis auf die Blutnachbildung,
- die LDH : Dies ist ein Enzym, das in jeder Körperzelle, so auch in Erythrozyten vorhanden ist. Es wird dann aus den Zellen frei, wenn sie zugrunde gehen, und lässt sich im Blut bestimmen. Die LDH gibt damit einen Hinweis auf einen vermehrten Untergang der roten Blutkörperchen, was als Hämolyse bezeichnet wird.
- Eisen im Serum: Wenn es zu niedrig ist, gibt das einen Hinweis auf einen Eisenmangel, was durch Blutverlust oder durch eine mangelhafte Eisen-Resorption im Dünndarm zustande kommen kann (wie bei der Sprue).
[bearbeiten] Welche Anämieformen es gibt
Folgende Formen der Anämie spielen bei den Überlegungen zur Diagnostik und Therapie eine spezielle Rolle:
- Die Anämie bei Eisenmangel: Wenn eine Eisenmangelanämie vorliegt, wird der Magendarmtrakt nach verborgenen Blutungsquellen (Geschwüre, Polypen, Tumore) durchuntersucht, was endoskopisch geschieht.
- Die Anämie bei Knochenmarkserkrankungen: Wenn es klar wird, dass das Knochenmark ungenügend neue rote Blutkörperchen bildet, kann es notwendig werden, eine Knochenmarkpunktion durchzuführen. Sie soll klären helfen, ob ein MDS (das nur überwacht zu werden braucht) oder beispielsweise ein Knochenkrebs (der intensiv behandelt werden muss) vorliegt.
- Die Anämie bei Krebs: Die Tumoranämie ist eine besondere Herausforderung an den Arzt. In der Regel handelt es sich um eine Eisenmangelanämie. Wenn der Verdacht auf eine Krebs im Raum steht, wird relativ rasch eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören Blutuntersuchungen, die Spiegelung des Magens und des Dickdarms (Gastroskopie und Koloskopie), ein Computertomographie des Bauchraums (Abdomen) und ggf. auch des Brustraums (Thorax) sowie eine gynäkologische bzw. urologische Konsiliaruntersuchung.
- Die Anämie bei Nierenkrankheiten: Die Nieren bilden mit dem Erythropoetin ein wichtiges Hormon, das die Blutbildung anregt (siehe oben). Wenn sie erkrankt sind, kann diese Funktion leiden: Erythropoetin kann nicht mehr ausreichend gebildet werden, das Knochenmark wird nicht mehr ausreichend stimuliert; es kommt zu einer nierenbedingten Anämie (renale Anämie). Sie lässt sich heute am besten durch gentechnisch hergestelltes Erythropoetin behandeln. Nach einer Nierentransplantation ist das nicht mehr nötig. Die transplantierte Niere bildet wieder ausreichend von dem Hormon.
- Die Anämie bei Vitamin B12-Mangel: Sie wird auch als Morbus Biermer oder perniziöse Anämie bezeichnet. In der Regel findet sich der erste Anhalt für diese Anämieform im normalen Blutbild. Die Erythrozyten sind nämlich zu groß. Wenn das der Fall ist, wird Vitamin B12 im Blut bestimmt. Ist die Konzentration zu gering, ist die Diagnose geklärt. Als Ursache kommt meist eine Magenkrankheit in Frage (Gastritis|Typ A-Gastritis]]), die aber selbst nicht behandelbar ist. Daher besteht die Therapie lediglich in einer monatlichen B12-Spritze.
[bearbeiten] Was die Folgen einer Anämie sind
Bei einer Anämie ist die Leistungsfähigkeit des Körpers herabgesetzt. Schlappheit, Müdigkeit, mangelhafte Aufmerksamkeit können die Folge sein. Zuerst fällt vielfach eine ungewohnte Atemnot bei körperlicher Belastung auf, z. B. beim Treppensteigen.
Ist die Anämie ausgeprägt, können zusätzliche Symptome eintreten. Im Zusammenhang mit einer Verengung der Herzkranzgefäße beispielsweise kann eine schon bei geringer Belastung eintretende Herzenge (Angina pectoris) eintreten. Bei einer Verengung der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, können Schwindelerscheinungen auftreten. Verengungen der Beinarterien führen unter Anämie schon zu frühzeitigen Schmerzen bei Belastung.
Eine besondere Situation tritt ein, wenn ein plötzlicher Blutverlust zustande kommt. Dann liegt ein Blutmangel vor noch ohne dass das Blut verdünnt ist. Nachweisbar wird die Anämie nämlich erst bei Blutverdünnung durch Gewebswasser, das sekundär in die Blutbahn einströmt.
[bearbeiten] Wie die Anämie behandelt wird
Zunächst muss die Ursache gefunden werden, denn deren Behandlung ist auf Dauer gesehen die erfolgreichste. So ist manchmal ist eine lang dauernde Behandlung mit Eisenpräparaten (Eisensubstitution) erforderlich, in anderen Fällen eine Behandlung mit Vitamin B12.
Bei ausgeprägter Anämie jedoch muss eine Bluttransfusion erfolgen. So wird vielfach bei einem Hb -Wert (Hämoglobinwert) von 7 g / 100 ml Blut (= 7 g/dl) und darunter ein Bluttransfusion als indiziert angesehen. Wenn jedoch schon eine besondere Symptomatik eingetreten ist (wie Schwindel, Kraftlosigkeit, Angina pectoris), so kann es auch schon oberhalb dieses Wertes sinnvoll oder erforderlich sein, Blut zu transfundieren. Andererseits können vielfach auch sehr viel niedrigere Hämoglobin-Werte ertragen werden. Bei Zeugen Jehovas, die Bluttransfusionen ablehnen, werden gelegentlich Hb -Werte unter 3 g/dl erreicht und überlebt.
[bearbeiten] Verweise
[bearbeiten] Fachinfos
[bearbeiten] Patienteninfos
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